Aufregend aber echt

Der Besucher sollen sowohl etwas lernen als auch etwas erleben – so lautet die Anforderung, die Prof. Thomas Hundt vom Stuttgarter Büro „Jangeldnerves“ an ein Präsentationskonzept für den zukünftigen Schauraum in der Erasmuskapelle stellt. Ihm haben der Schul- und Kulturausschuss und der Bauausschuss vergangene Woche den Auftrag erteilt, ein solches Konzept zu erarbeiten. Eine Mischung aus Bildern, Ton und Licht soll die Vergangenheit lebendig werden lassen, ohne zu überzeichnen.

Drei Punkte seien wichtig, so Hundt: „Wir dürfen nicht überinszenieren“, die Medientechnik muss für den Besucher unsichtbar sein und das Verhältnis zwischen Erlebnis und Didaktik muss stimmen. Schon auf dem Platz beginnt nach seinen Plänen die Präsentation. Eine Glastafel vor dem Treppengebäude könnte demnach zeigen, wie die Kapelle im Schatten der St. Mang-Kirche früher aussah. Geht man die Stufen hinab, soll der Blick zuerst auf einen Tisch mit Fundstücken fallen. In die Platte eingelassen, illustrieren Münzen, Werkszeuge und andere Schätze, chronologisch von links nach rechts geordnet, die 700-jährige Geschichte der Kapelle. Ein verschiebbarer Flachbildschirm am vorderen Tischrand verrät dem Besucher Infos zu den Fundstücken, je nachdem unter welchem Relikt man ihn platziert. "Wände sind unser Papier" Mit audio-visuellen Mitteln soll der Raum in einer fünf- bis zehnminütigen Präsentation seine Geschichte erzählen. Projektoren sollen etwa alte Brandspuren sichtbar machen, während ein Beamer Flammen an den Wänden entstehen lässt. Verblasste Inschriften zeichnet ein Projektor nach und macht sie so sichtbar. „Decke, Wand und Boden sind unser Papier“, so Hundt. Warme Töne von unten und kalte Töne von der Decke aus könnten die Lichtstimmung bilden, eine ständige musikalische Stimmung das Erlebnis unterstreichen. Ein Hörspiel soll für die Informationen auf akustischem Weg sorgen und „Bilder im Kopf auslösen“. An der Stirnseite der Kapelle könne man einen Blick auf die originalen Skelette werfen, die unter dem St.Mang-Platz gefunden und an dieser Stelle neu bestattet wurden. Eine in den Boden eingelassene Gedenktafel soll zwischen Kapelle und Brunnen an sie erinnern. Zwölf Grad kühl Lautsprecher und Beamer könne man problemlos verstecken, erklärte der Stuttgarter Diplom-Ingenieur. Um die Medientechnik unterzubringen, gebe es zudem einen extra Raum, wie Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann erklärte, ebenso für die Luftentfeuchtungsanlage, die die Luftfeuchte konstant auf 60 Prozent halten werde. Zehn bis zwölf Grad kühl werde der Kapellenraum sein, 5000 bis 6000 Euro sollen Strom und Wartung dieser Anlage jährlich kosten. Zwar sei der Grundwasserspiegel unter der Kapelle hoch, wenn nicht gerade ein Jahrhunderthochwasser kommt, werde jedoch kein Wasser in der Kapelle stehen, so Wiedemann auf Anfrage von Stadtrat Hans Mangold (Grüne/FL). Selbst Schauraum-Kritikerin Elisabeth Brock (Grüne/FL) zeigte sich von dem Konzept angetan, lediglich CSU-Stadtrat Karl Sperl stimmte dagegen, als es darum ging, dem Büro „Janglednerves“ endgültig den Auftrag zu erteilen. Weiterhin, so der Beschluss, soll das Kulturamt in die Entwicklung des Konzepts involviert bleiben.

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