Lust machen auf mehr

"Das Auge wird nicht satt", heißt die neue Ausstellung im Kunstreich

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„Team“ von Emmeran Achter.

Kempten – Hat man doch alles schon so ähnlich gesehen, also wozu der pixelbasierten Bilderflut noch mehr Bilder hinzufügen?

Und das auch noch im langsamen und altvorderen Medium der Malerei? Der Titel der Ausstellung von Emmeran Achter im Kunstverein „artig“ reagiert auf derlei Gedanken: Denn Das Auge wird nicht satt, wenn es beobachtet. Immer wieder gilt es, die Bilder hinzustellen: Hier, bitteschön. Aber ebenso, sich darauf einzulassen, was es zu erfahren gibt. Schau doch neu!

 „Das Auge wird nicht satt“, und genauso hungrig verstehen wir das – bei dieser Malerei, in der man sich verlieren und tief eintauchen kann. „Das Beste“, könnte man rufen. Doch es geht viel mehr darum, eine genuine ästhetische Erfahrung anzubieten, an der man eben nicht satt wird – und als „Macher“, also als Künstler und ebenso als Kunstverein oder Museum sich diesem Anspruch zu stellen. Achter verwendet als Grundlage für viele seiner meist mittel- bis großformatigen Malereien in Öl Fotografien mit zufälligen Unschärfen, Verwacklungen oder Artefakten. 

Die bearbeitet und kombiniert er, wählt Ausschnitte, fügt Elemente hinzu, bis eine für ihn stimmige, interessante Komposition entsteht. In früheren Zeiten wären Achters Bilder einfach nicht verstanden worden – womöglich… Denn man kannte solche Eigentümlichkeiten einer fotografischen Abbildung der Wirklichkeit noch nicht. Aber schlafen und träumen wir nur mit solchen Bildern, die uns das Auge scharf und unverwischt im Kopf abspeichert? Über und jenseits dieser abgebildeten Wirklichkeit führt Achter mit seiner Malerei neben der Fläche und dem gemalten Bildraum eine weitere Dimension ein: die Dimension der Zeit. 

Es ist Achters Art und Weise, wie er sein Sujet umsetzt, und sich eines zur Rezeption seiner Werke zu eigen macht: Heute haben wir eine gute Ahnung, also die Seh- und Interpretationstechniken dafür, dass eine Momentaufnahme mehr und länger ist als ein in Millisekunden eingefrorenes Nichts; je starrer, schärfer und unbewegter, desto weniger kann es erzählen. Es fehlt eine Bewegung, es fehlt Zeit, und damit die Idee eines Vorganges oder gar eine Geschichte. Only time will tell – und wenn es nur ein paar Sekunden sind. Emmeran Achter (geboren 1971) ist Absolvent der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg und Meisterschüler von Otmar Hörl. Er wurde bisher u. a. mit dem Meckatzer Kunstpreis, Irsee, den Kunstpreisen Kaufbeuren, Donauwörth, Kissing, Bobingen und Aichach ausgezeichnet. 

Emmeran Achter lebt und arbeitet in Aichach. „Das Uneindeutige, Offene interessiert mich. Eine klare Aussage müsste ich gleich übermalen, weil ich glaube, dass das, was wir dem Offensichtlichen, dem sprichwörtlich ‚Augenscheinlichem‘ hinzuzufügen haben, das Wesentliche an Kunst ist“, sagt Emmeran Achter. Bei ihm werden Unschärfen und Bildstörungen zu eigenständigen Formen, die gleichberechtigt neben den ursprünglichen Gegenstand treten, ihn deformieren oder zum Verschwinden bringen. Dieses Neben- und Miteinander eröffnet einen Resonanzraum für Assoziationen: Malerei, die nach den Vorbedingungen unserer Wahrnehmung fragt, nach Wahrnehmungsgewohnheiten und medialen Einflüssen und letztendlich danach, auf welcher Grundlage wir unseren Begriff – oder unsere Ahnung – von Wirklichkeit entwickeln, die uns selbst zu Autoren von kleinen oder großen Geschichten macht. 

Die Ausstellung ist dienstags von 16 bis 20 Uhr, Sa/So jeweils von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei – so wie die Kunst. Am Sonntag, 16. Februar, endet die Ausstellung mit einer Finissage (14 bis 17 Uhr). 

kb

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