Ausgedünnter Kalender

Da war die Welt noch in Ordnung: Innenminister Joachim Herrmann (Mitte) im Gespräch mit OB Dr. Ulrich Netzer (v.l.), Staatsminister Thomas Kreuzer, Stadtrat Johann Lederle, Landtagsabgeordnetem Leopold Herz und Kemptens CSU-Fraktionschef Erwin Hagenmaier. Fotos: Matz

Der Abend hätte so schön werden können. Die Sonne schien über die Iller hinüber, die firmeneigene Kapelle der Baufirma spielte eine zünftige Musik, der Innenminister zeigte sich prächtig aufgelegt. Selbst die etwa 20 Protestierer räumten nach der ersten Aufforderung widerstandslos die Plätze. Hätte eigentlich nur noch gefehlt, dass sie sich für ihre Demo auch noch entschuldigen. Gegen 18.45 Uhr war die große Feier anlässlich des Spatenstichs zum Bau der Nordspange aber jäh vorbei, als Innenminister Joachim Herrmann mit einem 40-Tonnen-Bagger umkippte. Wie durch ein Wunder überstand der Minister den Unfall nur leicht verletzt. Die Stimmung in den Illerauen war trotzdem im Eimer.

Beim dritten Aushub passierte das Malheur, das den meisten der etwa 150 Gästen – darunter verschiedene Landtagsabgeordnete und Regierungspräsident Karl Michael Scheufele – den Atem stocken ließ. Beim Versuch die volle Schaufel – geschätzt etwa drei bis vier Tonnen Erde – seitlich abzusetzen, rotierte Herrmann das Gefährt mit ausgefahrenem Arm zwei Mal ruckartig, dann kippte es mit Herrmann im Führerhaus unter lautem Krachen und dem Aufschrei der entsetzten Zuschauer um. Der eigentliche Baggerführer, der Herrmann einweisen sollte, konnte sich gerade noch mit einem Sprung von dem 40-Tonnen-Ungetüm retten. Sofort rasten zwei Bodyguards zum Bagger, um ihrem Chef zu helfen. Stadtrat Peter Wagenbrenner (CSU), OB Dr. Ulrich Netzer (CSU), Staatsminister Thomas Kreuzer sowie Mitarbeiter der Baufirma Max Wild waren die nächsten, die beim Minister eintrafen. Den hatten seine Leibwächter mittlerweile aus der zertrümmerten Kabine befreit und versorgten ihn. Herrmann erlitt Schnittwunden im Gesicht, Abschürfungen an den Händen und einen verstauchten linken Knöchel. „Der Minister wird seinen Terminkalender etwas ausdünnen müssen, denn er humpelt etwas”, hieß es dazu am Dienstag aus der Pressestelle des Innenministeriums. Schon vor Ort gab sich der Gast aus München gelassen. „Es geht wieder, passt scho”, war sein Kommentar, nachdem ihm Stadtrat Alexander Hold (FW) eine Plastikflasche mit Mineralwasser gereicht hatte. Leiser Applaus kam auf. Hohe Förderung Die gute Stimmung in den Illerauen war trotzdem vorbei. Zur Versorgung seiner Verletzungen brachten seine Leibwächter Herrmann in die Privatwohnung von OB Netzer. Die meisten Gäste gingen geschockt nach Hause. Später nahm der bayerische Chef des Inneren noch am Allgäuer Festabend anlässlich des Bayerischen Landkreistages in Fischen statt Dabei hatte der Abend tatsächlich versprochen schön zu werden. OB Netzer ließ noch einmal die wichtigsten Fakten zum Projekt Nordspange Revue passieren und wies auf die zahlreichen Ausgleichsmaßnahmen unmittelbar vor Ort hin. „Insgesamt werden nach dem Ausgleichskonzept auf einer Fläche von 24 Hektar ökologische und landschaftspflegerische Maßnahmen durchgeführt”, betonte Netzer. Innenminister Herrmann lobte das Bauvorhaben und hob dessen Bedeutung hervor: „Ich freue mich, dass jetzt Nägel mit Köpfen gemacht werden”, so der Gast aus München und kündigte an, dass der Freistaat das Projekt mit rund sieben Millionen Euro fördern werde. „Eine stattliche Geschichte”, frohlockte er.

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