Ausschreibung erwünscht

Beim Zentrum Heiligkreuz geht es voran, trotzdem sind noch Fragen offen

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So sehen die aktuellen groben Pläne für das Dorfzentrum aus.

Kempten – Was bekommt man alles für 9,5 Millionen Euro? Diese Frage stellten sich die Mitglieder des Vereins „kulturhaus heiligkreuz e.V.“ bei ihrer Jahreshauptversammlung am Donnerstag.

Die Heiligkreuzer sind ein rühriges Volk. Seit fünf Jahren kämpfen die örtlichen Vereine und Mitglieder vom „kulturhaus heiligkreuz e.V.“ nun schon für einen Veranstaltungsort in ihrem Dorf. Nachdem der „Obere Wirt“ abgerissen wurde, spielt die Theatergruppe schon lange in St. Michael. Das Bockbierfest wird in Wiggensbach ausgetragen, die Schützen schießen bei der Schützengesellschaft Hirschdorf. Das koste alles Geld und zerreiße die Dorfgemeinschaft. „Wir können uns nicht einmal ordentlich von unseren Verstorbenen verabschieden, weil wir keinen Saal für einen Leichenschmaus haben“, klagte Wolfgang Meyer-Müller, Vorsitzender des Kulturhausvereins, bei dessen Jahreshauptversammlung am Donnerstagabend und verdeutlichte so noch einmal die Grundproblematik.

Die Stadt stellt im Klostergarten ein Zentrum in Aussicht, in dem eine Halle mit Umkleiden sowie Lagerräumen, die Bücherei, eine Mensa für die Mittagsbetreuung der Schüler, die auch als Pfarrsaal dient, und der Kindergarten untergebracht werden sollen.

Eine Woche vor der Versammlung hat sich die Vorstandschaft mit Vertretern der Stadt, der Fraktionen und der Kirche getroffen. „Es war ein wohlwollendes Treffen“, sagte Meyer-Müller. Für den Bau fehlt noch die schriftliche Einwilligung der Diözese aus Augsburg, auf deren Grund er zu einem Teil stehen soll. Das mündliche OK sei bereits da. Die Investitionskosten von insgesamt 9,5 Millionen Euro können durch die Zusammenarbeit von Kirche und Stadt gestemmt werden. Wenn alles gut geht, solle 2020 Baubeginn sein.

Doch können sich die Vereine noch nicht uneingeschränkt auf die neue Halle freuen. Für die Schießanlage der Schützen ist im aktuellen Plan noch kein Platz vorgesehen. Würde man sie oben auf einen aktuell vorgesehenen Geräteraum setzen, kostete das den Verein allein für den Rohbau rund 150.000 Euro. Dazu kämen 70.000 Euro für den Ausbau. Um das zu stemmen, ist er auf mehr Fördergelder und einen größeren Zuschuss der Stadt angewiesen, der nicht in Aussicht stehe. 

Schützenmeister Richard Herb hat der Stadt vorgeschlagen, dass der Verein den Innenausbau übernehmen könne, wenn die Stadt die Hülle aufstellt. „Auch wenn die aktuelle Situation schwierig ist“, plädierte der für die Freien Wähler auf der Versammlung anwesende Hans-Peter Wegscheider dafür, den Raum für die Schützen im Zentrum gleich mit vorzusehen.

Alles unter einen Hut

Ein weiterer Knackpunkt: der hohe Platzbedarf: Viele Veranstaltungen wie Podiumsdiskussionen, Theaterabende, eigene Theaterveranstaltungen, ein Vereineball oder ein besinnlicher Adventsabend sind geplant. Dazu kämen kulturelle Angebote wie Vorträge, Konzerte, plus das Sportangebot des SV Heiligkreuz, das schlecht parallel laufen könne.

„Unser ursprüngliches Anliegen war ein Saal für den Kulturverein – jetzt muss ich froh sein, wenn wir ab und zu reindürfen“, kam es dazu von einem Mitglied. Deshalb ist es ein Anliegen des Kulturvereins, auf die Sporthalle einen eigenen Veranstaltungssaal mit „Ambiente“ zu setzen. Meyer-Müller stellt sich hier vor, die Sporthalle etwas im Boden zu versenken, um nicht zu hoch im beengten Gebiet zu bauen. Auch andere Stadtteile und Dörfer verfügten über mehrere Räume. „Es geht hier um einen Bau für drei bis vier Generationen, da kann ich nicht jetzt schon wieder zu klein planen – vor allem, weil der Stadtteil ja auch stark wachsen wird“, argumentierte Meyer-Müller. 

Deswegen sind die Mitglieder des Kulturhausvereins – neben anderen Gründen – auch keinesfalls mit dem geplanten Abriss der alten Sporthalle einverstanden. Laut Stadt ist die Energiesanierung zu teuer, um sie zu erhalten. Es liege den Vereinen aber ein Gutachten vor, dass der alten Halle noch eine Nutzung von 30 bis 40 Jahren bescheinige. Und die Unterstützung für den Erhalt der alten Halle wird breiter. Auch hier hat Wegscheider seine Schützenhilfe zugesagt. Die Kostenschätzung für die energetische Sanierung hält er für zu hoch.

Stutzig wurde ein anwesendes Mitglied auch über die angesetzten Projektkosten von 9,5 Millionen Euro für das Zentrum. Dafür könne man so bauen, dass alle Wünsche verwirklicht würden. Einen Architektenwettbewerb, um den Vorschlag zu suchen, der alle Vereine befriedigt, hielt die Versammlung für angemessen und bat Wegscheider, sich im Stadtrat für eine solche Ausschreibung starkzumachen.

Susanne Kustermann

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