Teure Umkleide-Räume?

Betriebsgebäude Sport des AG: Neubau beschlossen

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Termin vor Ort: Hochbauamtsleiter Andreas Geywitz erklärt den Ausschussmitgliedern am Betriebsgebäude Sport des Allgäu Gymnasium die Pläne eines etwaigen Neubaus.

Kempten – „Das Ergebnis ist niederschmetternd“, sagte Benedikt Mayer, Referent für Jugend, Schule und Soziales bei der Sitzung des Ausschuss für Schule und Sport am Dienstag.

350.000 Euro sind im Haushalt 2018 für Planung und Sanierungs-Maßnahme des Betriebsgebäudes Sport des Allgäu Gymnasium vorgesehen. Dem Haupt- und Finanzausschuss war diese Summe zu hoch erschienen; den genauen Sanierungsbedarf sollte daher der Ausschuss für Schule und Sport ermitteln und vorlegen.

Gesagt, getan: Die Mitglieder trafen sich am Dienstag vor Ort und inspizierten das Gebäude. Die qualifizierten Berechnungen belaufen sich nun allerdings fast auf das Doppelte der im Haushalt veranschlagten Summe: rund 670.000 Euro brutto kostet die Sanierung, sagte Hochbauamtsleiter Andreas Geywitz. ­

148.586 Euro würde allein die Adaption des Grundrisses kosten. Die Haustechnik und neue Leitungen machen einen Großteil der Kosten aus, da im Gebäude viele Duschen und Waschgelegenheiten verbaut sind. Aber es bräuchte seinen Angaben nach auch neue Fliesen, Wandbeläge und Türen. Eine Isolierung wurde miteinkalkuliert. Und der „Flickenteppich“ auf dem Flachdach müsste entfernt und ein Gefälle eingebaut werden. Denn es ist vor allem das Dach, das seit Jahren Probleme bereite, wie Mayer erklärte. Es seien bereits mehrmals Reparaturen durchgeführt worden. Laub sammelt sich, verstopft die Abläufe, und Wasser dringt ins Innere des Baus ein. „Das kann immer wieder passieren“, sagte Mayer.

Weil die Regierung von Schwaben für Fördermaßnahmen bestimmte Kriterien fordert, sei es schwierig, für die „gewaltigen Sanierungskosten“ eine Förderung zu erhalten, so Geywitz. Unter anderem müsste das Gebäude beheizbar sein. Im Moment ist das nicht der Fall, und auch bei Sanierung nicht vorgesehen, da der Bau im Winter nicht benutzt wird.

Das Hochbauamt hielt es für fraglich, ob eine Sanierung überhaupt sinnvoll ist und hat die Kosten eines barrierefreien, „temperierten“ Neubaus gegenübergestellt. Dieser würde inklusive Rückbau, Planung und Entsorgung rund 590.000 Euro brutto kosten. „Bei dieser Variante hätten wir Chancen auf eine Förderung von 50 bis 60 Prozent und ganz andere Nutzungspotentiale“, sagte Geywitz. Man könne die Kosten sogar noch optimieren, das dürfe er aber bei den Berechnungen nicht ansetzen. Die Förderung miteinkalkuliert, kämen bei dieser Variante somit circa 230.000 Euro Kosten auf die Stadt zu; deutlich weniger als bei einer Sanierung.

Bernhard Angerer vom Hochbauamt hat die Betriebskosten eines Neubaus und des Altbaus miteinander verglichen und dabei einen Zeitraum von 20 Jahren angesetzt. Dabei geht es unter anderem um den Frostschutz. Da beim Altbau regelmäßig die Leitungen gespült und Wasserproben auf Bakterien genommen werden müssten, komme ein temperierbarer Neubau mit entsprechender Dämmung billiger.

Eine Heizung stieß insbesondere Ausschussmitglied Karl Sperl (CSU) auf: „Wir bauen ein Gebäude mit Heizung, das aber im Winter nicht benutzt wird“, sagte er. Dr. Dominik Spitzer (FDP) wünschte sich Solarthermie für die Heizung. Dies hielt Markus Meister von der Fachschaft Sport des Allgäu Gymnasiums für schwierig, weil die Gefahr für Vandalismus hoch sei. Alexander Buck (CSU) brachte den Vorschlag ein, aufgrund des Seniorenstifts eine behindertengerechte öffentliche Toilette miteinzuplanen.

Einige Ausschussmitglieder zeigten sich geschockt über die hohen Summen. Dieter Zacherle (FW) und Siegfried Oberdörfer (SPD) mussten „schwer schlucken“. Oberdörfer hielt die gusseisernen Fallrohre, die teils Rost angesetzt hatten, für funktionsfähig und auch die Umkleiden seien noch in recht gutem Zustand. Für ihn reichten „punktuelle Maßnahmen aus“, denn die Stadt habe „noch ganz andere Brocken“ im Haushalt. Andere Schüler würden sich ohne Umkleide am Spielfeldrand umziehen.

„Wir haben jetzt gesehen, dass das Gebäude noch benutzt werden kann“, merkte Harald Platz (CSU) an, „somit können wir uns Zeit lassen und mittelfristig einen Neubau genau planen.“ Spitzer stimmte ihm zu, sprach sich aber aufgrund der Bakterien in den „kaum noch benutzten Rohren“ für einen Neubau in zwei bis drei Jahren aus. Auch OB Thomas Kiechle (CSU) warb mit Hinweis auf die Kosten dafür, den Verwaltungsvorschlag anzunehmen, der „mittelfristig einen funktionalen Neubau“ vorsah. Trotz der geäußerten Zweifel rangen sich alle Ausschussmitglieder dazu durch.

Susanne Kustermann

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