Nach einem Expertengutachten

Ausschuss für Umwelt- und Klimaschutz: Alte Linde bleibt erhalten

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Kempten – Worin der Unterschied zwischen einem einfachen Baum und einem Naturdenkmal liegt, erläuterte Roland Sauter, Fachkraft für Naturschutz und Landschaftspflege.

Sehr alte, vitale Bäume seien besonders schützenswert. In Kempten genießen derzeit etwa 80 Bäume, in Gruppen und solitär, diesen Schutz. Dieser bleibt langfristig erhalten – es sei denn, er wird ausdrücklich mittels Mehrheitsbeschluss aufgehoben.Genau das fordert ein Landwirt aus Feigen. Er hatte den Antrag gestellt, eine etwa 200 Jahre alte Linde auf seinem Grundstück zu fällen. 

Dafür muss zunächst der Status als Naturdenkmal aberkannt werden. Denn die Linde gilt bereits seit 1935 als Naturdenkmal. Der Landwirt und Grundstückseigentümer fürchtet „Risiken für sein Gebäude und für Familienmitglieder“, wie er in seinem Antrag angab. Es ist nicht der erste Antrag, bereits 2001 vermutete der Landwirt, dass der Baum erkrankt sei und forderte dessen Entfernung. Damals begutachtete die Stadtgärtnerei den Baum und pflegte ihn. 

Es ist laut Sauter seitdem zu weiteren Maßnahmen gekommen, die durch Fachfirmen ausgeführt und deren Kosten von der Stadt übernommen wurden.„Der Landwirt wird mit dem Thema nicht allein gelassen“, so Sauter. Die Stadt übernehme die Pflege und Kontrollen durch Gutachter, die den Zustand des Baumes überprüfen und dessen Gefahrenpotential einschätzen. Der Gutachter sei auch in diesem Jahr zum Ergebnis gekommen, „dass wegen der guten Vitalität, trotz der starken Einkürzungsmaßnahmen, eine Fällung des Baumes nicht angebracht ist“.

CSU-Stadtrat Josef Mayr sah in der Linde ein „erhebliches statisches Problem“ und wolle „die Familie von der Gefahr entlasten“. Er schlug vor, den Naturdenkmalstatus der Linde auf einen anderen Baum des Grundstücks zu übertragen, analog zu den ebenfalls im Ausschuss besprochenen Ersatzpflanzungen nach Baumfällmaßnahmen. Der Landwirt sei mit dieser Vorgehensweise einverstanden. Sauter erklärte daraufhin, dass eine solche Schutzübertragung nicht möglich sei. Um einem anderen Baum den Status eines Naturdenkmals zu verleihen, müsse ein seperates Verfahren eröffnet werden. 

Ohnehin sehe er „keine offensichtliche Gefahr“, die Krone sei geschlossen, der Baum stehe im Windschatten und sei deshalb einem Sturm nicht völlig ausgesetzt. Linden seien Tiefwurzler, ergänzte Grünen-Stadträtin Gertrud Epple, „die fällt nicht so schnell um“. Bei der Ortsbegehung sei dies auch vom Baumpfleger bestätigt worden. Sollte sich der Zustand des Baumes verändern und tatsächlich eine Gefahr von dem Baum ausgehen, müsse die Sachlage neu bewertet werden.CSU-Stadtrat Peter Wagen-brenner sah wie sein Parteikollege ebenfalls „große Gefahr für Mensch und Gebäude“, und forderte daher eine namentliche Abstimmung. Sollte es zu einem tödlichen Unfall kommen, solle „schon sichtbar sein“, wer dafür Verantwortung trage.

Die Mitglieder des Ausschusses folgten der Empfehlung des Gutachters und stimmten mehrheiltich gegen die Aberkennung. Auch einige weitere Bäume, über deren Zukunft im Ausschuss abgestimmt wurde, dürfen stehenbleiben. Bei diesen Anträgen handelte es sich aber nicht um Naturdenkmäler, sondern um Bäume, die aufgrund von Bebauungsplänen oder der Gestaltungssatzung grundsätzlich zu erhalten sind. Anhand einer naturschutzfachlichen Stellungnahme, die den Gesundheitszustand des jeweiligen Baumes einschätzt, galt es, einer Fällung zuzustimmen oder diese abzulehnen. Der Ausschuss folgte allen fachlichen Empfehlungen, sodass fünf der Anträge auf Fällung angenommen und fünf weitere abgelehnt wurden. Unter den fünf zugelassenen Anträgen befinden sich auch 25 Bäume in der Rosenau. Diese seien laut Sauter in einem derart schlechten Zustand – zu erkennen sei Eschentriebsterben, Pilzbefall und starke Beschädigungen –, dass ein Erhalt aus seiner Sicht unmöglich sei.

ma

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