Opfer berichten

Bedrückende Erinnerungen

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Der aus Dohna stammende Schriftsteller Siegmar Faust spricht über seine Zeit im Zuchthaus Cottbus.

Kempten – „Bedrückend, das weckt in mir unangenehme Erinnerungen.“ Das sagen viele ehemalige DDR-Bürger, wenn sie sich die Ausstellung „Feind ist, wer anders denkt“ in der Kemptener Fach- und Berufsoberschule anschauen.

Die Schau beschäftigt sich mit dem Wirken der Stasi. Der Rundgang durch die Ausstellung macht dem Betrachter noch einmal die Unmenschlichkeit dieser DDR-Geheimpolizei bewusst. Vergangene Woche führte der gebürtige Plauener Wolf Donnerhack durch die Präsentation. Sein Bruder Lutz baute 1977 ein Fluggerät, um damit in die BRD flüchten zu können. Kurz vor dem Start wurde er verhaftet. Im September 1977 verurteilte ihn der Bezirkgerichtshof Karl-Marx-Stadt zu sechs Jahren Zuchthaus. Lutz Donnerhack kam ins Zuchthaus Brandenburg, 1980 wurde er von der BRD freigekauft. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) führte Lutz Donnerhack unter dem Namen OPK „Donner“. OPK bedeutet Operative Personenkontrolle. OV (Operativer Vorgang) „Blitz“ lautet Wolf Donnerhacks Name in den Stasiakten. In der Ex-DDR unterrichtete er die Fächer Deutsch und Geschichte. Man verlangte von ihm, sich von seinem jüngeren Bruder Lutz loszusagen. Als Wolf Donnerhack dies verweigerte, erhielt er Berufsverbot. Er saß im ehemaligen Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) im Gefängnis. „Nicht die, von denen ich es vermutet habe, bespitzelten mich. Es waren die, für die ich meine Hand ins Feuer gelegt hätte“, erzählt er mit leiser Stimme. 

Die Ausstellung schildert die „Karrieren“ einzelner Mitarbeiter der MfS wie zum Beispiel Edgar Hasse. Dieser wurde 1951 in Greifswald geboren und bespitzelte bereits seine Mitschüler. Nach dem Physik-Studium an der Berliner Humboldt-Universität wurde Hasse hauptamtlicher Mitarbeiter des MfS. Ab 1980 wurde er für die „Bearbeitung“ der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg eingeteilt. Ende 1988 warf man ihm „kriminelle Machenschaften“ vor. Er verließ zum 1. Dezember 1989, also bereits nach dem Mauerfall, auf eigenen Wunsch das MfS. Die Stasi stellte ihm ein Zeugnis aus, in dem aber von seiner Spitzeltätigkeit keine Rede war. Auf der anderen Seite stehen die Betroffenen der DDR-Diktatur wie Uta Franke, Peter Kotte und Jürgen Fuchs, der von 1950 bis 1999 lebte. Fuchs studierte Sozialpsychologie in Jena und trat 1973 der SED bei. Er veröffentlichte Prosa und Gedichte, die die zunehmende Militarisierung der DDR kritisieren. 1976 protestierte Jürgen Fuchs gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Das MfS verhaftet ihn, er kommt für neun Monate in Untersuchungshaft. 1977 wird er aus der DDR ausgebürgert. Auch im Westen verfolgt ihn das MfS. Am 30. Oktober 1986 explodierte in Westberlin vor dem Haus von Jürgen Fuchs schließlich eine Autobombe, deren Urheber bis heute noch nicht ermittelt werden konnten. 

Abends hielt der Schriftsteller und Dichter Siegmar Faust einen Vortrag im kleinen Kreis im Carl-von-Linde-Gymnasium. Er saß lange Zeit im Zuchthaus Cottbus. 401 Tage musste er in einem so genannten „Tigerkäfig“ verbringen. Das bedeutete Kellerhaft, die unter einem Gitter einer Isolationszelle befand. Einer seiner Spitzel war Heinz Kucharski, der Mitglied der Weißen Rose Hamburg war, und 1945 hingerichtet werden sollte. Es stellte sich heraus, dass Kucharski sowohl für die Gestapo als auch für das MfS arbeitete. Franziska Kampfrath

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