Zerlegt und neu zusammengesetzt

Ausstellung: "Cluster" von Jürgen Meyer in der Kunsthalle eröffnet 

+
Ein letzter prüfender Blick des Künstlers Jürgen Meyer vor der Hängung für seine aktuelle Ausstellung „Cluster“.

Kempten – Er weiß wohl, dass es kaum gelingen wird, die Besucher seiner Ausstellung dazu zu bringen, in der Kunsthalle die Route zu nehmen, die er favorisiert: am Eingang rechts halten und geradeaus auf die gegenüberliegende Wand zu und nicht, wie

meist zu beobachten, gleich links weg. Der Grund dafür: An der hinteren Wand hat der Künstler Jürgen Meyer sein „Hauptwerk“ positioniert, das auch als Motiv für Plakat und Flyer zu seiner aktuellen Ausstellung „Cluster“ dient. 

„deepwater horizon“ heißt das nun als Ausstellungsmotiv dienende Ergebnis der mit Acryl und Asphaltlack bemalten Leinwand, und ist Meyers Antwort auf die gleichnamige Ölkatastrophe, wie er sagt. „Cluster“ hat er deshalb als Titel gewählt, weil sich in der Ausstellung Dinge – respektive künstlerisch verarbeitete Themen – aus seinem brandneuen 174 Seiten starken Katalog „zusammengewürfelt“ wiederfinden; Oder wie aus dem Flyertext zu entnehmen ist: „Erkennbare gekritzelte Einzelteilchen formen sich Blatt für Blatt zu einem einheitlichen Ganzen, die einzelnen Zeichnungen zu interagierenden thematischen Clustern. Chiffren, Figuren, Reihungen und Gitter werden dabei zur Grundlage für elementare Erzählungen über den Menschen zwischen Mythologie, Natur und Welt.“ 

Immer wiederkehrende, unterschiedlich bearbeitete Lieblingsthemen Meyers sind der Berg – ein bisschen von seinem täglich betrachteten „Hausberg“ Grünten ist in allen seinen Bergzeichnungen und Bergmalereien zu entdecken – und die Trias Haus, Gitter, Käfig als Ausdruck für geschützten Raum. Auch auf archaischen Spuren wandelt Jürgen Meyer gern, indem er Ruinen, Mythos und Mensch ins Visier nimmt. Ein weiteres Markenzeichen des Künstlers ist seine sehr spezielle Art zu Kritzeln, was er nicht als Imitation von ersten kindlichen Zeichenversuchen verstanden haben will, „sondern halt nicht auf der Suche nach dem geraden Strich“, wie er es ausdrückt. Eisenchlorid (Fe2Cl3) – ein von Meyer gern genutzter Werkstoff, durch den er die beständige Veränderung dokumentiert.

Denn das säurehaltige Material arbeitet selbständig weiter und keine der damit angefertigten Zeichnungen bleibt auf Dauer so, wie sie die Hand des Künstlers einmal fertiggestellt hat.Packpapier, Leinwand, die durchschimmernde Rückseite von Tapetenmustern – Jürgen Meyer setzt auch den jeweils unterschiedlichen Maluntergrund bewusst ein bzw. in Szene. Die Ausstellung „Cluster“ mit Werken von Jürgen Meyer läuft bis 27. Oktober und ist donnerstags und freitags jeweils von 14 bis 18 Uhr geöffnet sowie samstags und sonntags von 12 bis 18 Uhr. Am Sonntag, 27. Oktober gibt es um 15 Uhr eine Führung mit der Kunsthistorikerin Dr. Agathe Schmiddunser (LMU München) und um 16 Uhr ein Künstlergespräch. Das alles gibt es in der Kunsthalle Kempten, Memminger Straße 5. 


Christine Tröger

Auch interessant

Meistgelesen

Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!
Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!
Zwei junge Graffiti-Sprayer in Kemptener Innenstadt festgenommen
Zwei junge Graffiti-Sprayer in Kemptener Innenstadt festgenommen
"Das Auge wird nicht satt", heißt die neue Ausstellung im Kunstreich
"Das Auge wird nicht satt", heißt die neue Ausstellung im Kunstreich
Marie Ghabbour Hanna lässt sich von wildfremden Menschen inspirieren
Marie Ghabbour Hanna lässt sich von wildfremden Menschen inspirieren

Kommentare