"Kunst ist wichtig"

Abschiedsgeschenk für Netzer

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Eine Bitte des „alten“ an den „neuen“ OB: „Die Kunst ist wichtig!“, appelliert der scheidende OB Dr. Ulrich Netzer an seinen Nachfolger Thomas Kiechle. Netzer betont in seiner Ansprache den immateriellen, doch stets wahrnehmbaren Wert der Kunst für das Leben in einer Stadt.

Kempten – „You can’t step into the same river twice, ´cos it’s always moving“, sagt Francis Ford Coppolas Held Captain Willard in der Verfilmung des Literaturklassiker „Herz der Finsternis“ von Joseph Conrad.

„Unmöglich ist es, zweimal in den selben Fluss zu steigen“, zitiert auch Dr. Rainer Jehl, ehemaliger Direktor der Schwabenakademie Irsee, das „Panta Rhei“ („Alles fließt“) des griechischen Philosophen Heraklit vergangene Woche in seiner Laudatio anlässlich der feierlichen Eröffnung der Kunstausstellung „Gezeiten“ im Hofgarten der Residenz.

„Nach ihrem gelungenen erstmaligen Zusammenwirken zur KunstNachtKempten reflektieren die renommierten Künstler Max Schmelcher, Stephan Rustige und Oliver Köhl nun im Ausstellungsprojekt ‘Gezeiten’ Gedanken und Gefühle rund um die inneren Gezeitenbewegungen des eigenen Lebens“, so der Kurator der Ausstellung Christian Hof, selbst bekannter Allgäuer Künstler. Hof fügt hinzu, dass es sich bei „Gezeiten“ um ein Abschiedsgeschenk an den scheidenden OB Dr. Ulrich Netzer handelt.

„Die Kuntscht isch wichtig!“, greift es dann auch der Geehrte selbst „mundartlich“ in seiner Ansprache an die rund 150 Besucher auf und blickt dabei dem zukünftigen OB Thomas Kiechle fest ins Gesicht. Ein großes Anliegen Netzers war es, die Bedeutung der Künste in der Allgäu-Metropole zu beleben. Die Kunstausstellung im Rahmen der Allgäuer Festwoche, die KunstNachtKempten und die Neubelebung des Kemptener Theaterbetriebes durch die äußerliche wie innerliche „Renovierung“ des Theater In Kempten sind auf der „Haben“-Seite des scheidenden OBs zu verbuchen.

„Gezeiten“ beschäftigt sich in den Werken dreier regionaler Künstler mit dem ständigen Wechsel der Elemente in der sich uns umgebenen Welt . Die Ausstellung spielt an auf das Wirken von Ebbe und Flut, „erzählt“ vom Kommen und Gehen, von Bewegung und Stillstand, von Spannung und Entspannung, vom immer wiederkehrenden Rhythmus der Wellen, „die sich drängend zum Sand stürzen, den ständigen Reflux des Wassers unter sich begrabend. Unmöglich dieses Treiben zu fixieren, es festzuhalten, der, der dieses versucht, wird vor einer ‘tödlich ruhenden Masse’ stehen“, so Laudator Dr. Rainer Jehl.

Wer sich die Exponate der Künstler im Hofgarten selbst anschaut, sollte nach diesen Spannungsmomenten suchen. Dr. Rainer Jehl bezeichnet diese Momente als „Kippphänomene“: „…In mythischen Bildern, wie dem erstarrten Buch der Geschichte, den eiszeitlichen Relikten und Moorleichengesichtern wird rätselhaft das Phänomen des Umschlags vom in der Zeit fließenden Leben in den monolithischen Artefakt der erstarrten Todeswelt evoziert. Immer wird deutlich, dass das eine nicht ohne das andere zu sehen ist: der Tod nicht ohne die Dynamik der Schöpfung, das dunkle Formgebilde nicht ohne die Emanation des Lichts…“

Es ist wie bei Captain Willard in „Apokalypse Now“ oder bei Captain Marlow im „Herz der Finsternis“: Beide begeben sich auf eine Reise flussaufwärts, einer Reise auf der sich sämtliche Maßstäbe auflösen, wo Gut und Böse, Richtig oder Falsch ununterscheidbar werden. An der Quelle des Flusses stoßen sie auf Colonel Kurtz, einem Wahnsinnigen, der Gott spielt und doch weiß, dass er nichts weiß und alles fließt.

Die Ausstellung „Gezeiten“ ermöglicht haben der BBK (Berufsverband Bildender Künstler Schwaben), das Kulturamt und die Freunde der Kemptener Museen (fkm). Die Ausstellung ist noch bis zum 13. April donnerstags und freitags jeweils von 15 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet.

Jörg Spielberg

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