Glasbläser, Bauern, Holzfäller und Künstler

Sonderausstellung "Kreuzthal" im Heimatmuseum Buchenberg

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In zehn Glashütten brannten die Handwerker rund um Kreuzthal Glaswaren, ein mit solchen gefüller Korb im Heimatmuseum zeugt davon, wie Alfred Rist vom Heimatverein Buchenberg erklärt.

Buchenberg – Kreuzthal: Ein Ort, an dem sich vier Täler treffen. Die Region war lange Jahre geprägt von der Glasherstellung, den Hütten, den Holzarbeiten und der Landwirtschaft. Die Hüttenarbeiter waren lange Zeit auch Bauern. Nachdem die meisten Glasbläsereien geschlossen waren, kamen die Künstler.

Das Heimatmuseum Buchenberg widmet dieser abgelegenen, geschichtsträchtigen Region eine Sonderausstellung.

Eisenbach-Kreuzthal ist eine besondere Ortschaft: Ein Teil, nämlich der westlich der Eschach gehört zum Rathaus Rohrdorf/Isny, die andere Seite ist in Buchenberg eingemeindet. Eine Ortschaft, zwei Landkreisen zugehörig, nämlich Ravensburg und Kempten und auch zwei Bundesländern, Baden-Württemberg und dem Freistaat Bayern. Die Württemberger gehen heutzutage im bayerischen Kreuzthal zur Kirche und ihre Toten finden auch in bayerischer Erde ihre letzte Ruhe. Früher sei das anders gewesen, erfährt man im Museum. Da mussten die Württemberger zur Kirche nach Rohrdorf und auch ihre Toten über den Herrenberg dorthin hinübertragen.

Anlass für die Sonderausstellung war dem Heimatgeschichtlichen Verein Buchenberg das Jubiläum der „300-jährigen Selbständigkeit der Pfarrei Kreuzthal“, seit dem Jahr 1717. „Im Rahmen der Gebietsreform und weil es die Kreuzthaler so gewünscht haben, wurde die Pfarrgemeinde 1971 der Pfarrgemeinschaft Wiggensbach-Buchenberg-Kreuzthal zugeordnet“, erklärt der Vorsitzende Georg Singer.

Im Erdgeschoss des einstigen, kleinen Bauernhauses zeigt Alfred Rist vom Heimatverein den Besuchern Wohnstube, Schlafstube, Küche, Abort und in einer Kammer eine Schuhmacherwerkstatt. Alles im Original so, wie die Menschen in der voralpinen Region der Adelegg durch Generationen gelebt haben. Im ehemaligen Stall und im Stadel befinden sich die Gerätschaften aus Landwirtschaft und Handwerk bis zurück ins Mittelalter, auch Schlitten, Kutschen und sogar den Leichenwagen.

Im Obergeschoss befindet sich die diesjährige Sonderausstellung über das Kreuzthal mit Eisenbach. Neben der Stiege nach oben steht ein großer Weidenkorb mit Glaswaren, die im Zeitraum zwischen 1650 und dem Ende des 19. Jahrhunderts in insgesamt zehn verschiedenen Glashütten in den vier Tälern gebrannt wurden, im Ulmertal, Eschachtal, Kreuzbachtal und Kürnachtal. Flaschen, Trinkgläser, Medizingläser, Lampenzylinder, Uhrengläser, Glaskugeln. Gar die Glasscheiben für den Glaspalast und die Residenz in München würden aus den Glashütten der Adelegg stammen, so erfährt man im Museum.

Der Korb steht auf einem Tragegestell, auf dem Glashändler und Bergbauern die Glaswaren in die Städte trugen und dort verkauften. Mit dem anderen Tragegestell daneben trugen die Hüttenarbeiter und Holzfäller, die nebenher auch noch Kleinbauern waren, Gras und Heu von den Berghängen in ihre Stadel zu ihrem bescheidenen Viehbestand, zu Kuh und ein paar Ziegen. Ackerbau, Garten, Schwein, Hühner und eigene Milch waren nebenher nötig, um die meist großen Familien irgendwie zu ernähren.

„Die Glasproduktion bescherte der Region rund 250 Jahre Sicherheit und relativen Wohlstand“, erklärt Georg Singer. Die letzten Glasmanufakturen Schmid und Bartsch in Schmidsfelden und von der Herrschaft Quadt in Eisenbach haben in den 1890er Jahren den Betrieb beendet. Aus den Glasarbeitern seien noch ärmere „Vollerwerbsbauern“ geworden. Viele seien dann weggezogen, um neue Verdienstmöglichkeiten und Überlebenschancen zu suchen. Andere, Einsiedler und Künstler, fanden in den verlassenen, bescheidenen Häusern Zuflucht und Heimat.

Vom Krieg keine Spur

Eine Vitrine widmet sich zum Beispiel dem Maler Erwin Bowien. Dieser schrieb 1944 in sein Tagebuch: „Das Kreuzthal ist in keiner Karte zu finden. Vom Krieg ist hier nichts zu spüren. Es gibt eine Käserei, ein Sägewerk, Schmied, Tischler, zwei Bäcker und eine Herberge. Drüben im Württembergischen, lebt Schwester Clara in einem kleinen Schloss, dem Haus Tanne. Dahinter stehen drei Holzhäuser, alt und schwarz. Im Hintergrund ein Tal, in dem der Förster sein Haus gebaut hat. Ein kleiner ‚Käfig‘, in dem er seine junge Frau eifersüchtig auf Abstand zum Dorf bewahrt. Durch dieses Eisenbachtal führt uns der Weg nach Isny. Unser Dorf nennt sich Kreuzthal, da sich vier Täler hier treffen. Drei führen in die Berge, nur eins ins Freie. Auf den Höhen dehnen sich Bergweiden aus. Es ist wahrlich der absolute Rückzug aufs Land. Kein Zug, kein Kino, nur ein Gendarm, der sich wie alle anderen abends um sechs zum Schlafen legt.“

Auf einem alten Tisch im Museum finden sich Protokolle über die „Kirchenzucht“, die über Moral und Sitte vor Ort wachte. Wer sich einen Fehltritt erlaubte, der wurde vor den Pfarrausschuss gerufen und bekam züchtigende Auflagen verpasst.

Die Ausstellung im Heimatmuseum Buchenberg hat noch bis Ende Oktober in der Eschacher Straße 35b in 87474 Buchenberg geöffnet: Jeden Sonntag von 14 bis 16 Uhr.

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