Ralf und T. Pauline Kamphausen malen mit verbunden Augen – Ausstellung der "Blindbilder" im AÜW Infocenter

Das Innerste blind zum Ausdruck bringen

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Das rechte Bild haben Pauline und Ralf Kamphausen zusammen mit verbundenen Augen gemalt. Sie sehen darin Jim Morrison von „The Doors“ und dessen Frau.

Kempten – Sie knien auf dem Boden, zwischen ihnen nur eine Leinwand. Die Farben werden intuitiv ausgewählt und blind zu Papier gebracht, denn die Augen des Künstlerehepaars Ralf und T. Pauline Kamphausen aus Oy-Mittelberg sind verbunden. Die Ergebnisse dieser speziellen künstlerischen Technik können noch bis 13. Dezember im AÜW Infocenter, Illerstraße 12, in ihrer Ausstellung „Love is Art“ besichtigt werden. Im Gespräch mit dem Kreisboten haben die beiden Künstler mehr über ihre Kunst erzählt.

Sie malen beide schon seit ihrer Jugend. Wann haben sie angefangen blind zu malen?

Pauline Kamphausen: „Seitdem ich 16 Jahre alt bin habe ich Akt und Portrait gemalt, ich war wie mein Mann auf einer Kunstschule, wir kommen ursprünglich beide aus Ludwigshafen. Im Jahr 2008 bin ich dann auf die Idee gekommen mal mit Augenbinde zu malen und zu gucken, was in mir drin ist, das sich dann auf dem Bild zeigt. Als ich meinen Mann kennengelernt habe, habe ich ihn in diese ECP-Technik (Eyes-Closed-Painting) eingeweiht, seitdem malen wir auch zusammen.“

Kommt man sich beim gemeinsamen Malen mit verbundenen Augen dann nicht in die Quere?  Pauline Kamphausen: „Zu zweit ist es dann eher noch interessanter, weil der eine die eine Seite und der andere die andere Seite der Leinwand hat und man weiß nicht, wie der andere malt, welche Stifte er nimmt, wie er wischt und es verbindet sich aber immer wieder und es kommen immer wieder tolle Sachen dabei raus.“

Ralf Kamphausen: „Vor zwei Jahren haben wir ein Bild sogar zu dritt gemalt, mit unserer damals 17-jährigen Tochter.“

Durch welche Technik entstehen die Bilder?  Pauline Kamphausen: „Wir malen mit Aquarellstiften. Die Farbe wird dann mit einem nassen Schwämmchen intuitiv verwischt. Dann habe ich immer auf mein Gefühl gehört, wann genug ist mit den Farben und wann ich mit wischen anfange.“

Entstehen die Bilder dann willkürlich oder haben Sie schon zuvor eine Vorstellung im Kopf? Pauline Kamphausen: „Ich stelle mir zum Beispiel eine Frage und die Antwort gibt mir dann das Bild. Man hat eigentlich gar kein Motiv im Kopf, man verlässt sich auf sein Gefühl.“

Was sind das für Fragen?

Pauline Kamphausen: „Ich wollte zum Beispiel unbedingt einmal zu den Delfinen reisen, aber zu der Zeit war‘s etwas schwierig und dann hab ich gedacht ‚OK, jetzt male ich ein Bild und werde dann ja sehen was herauskommt.‘“

Und dann haben Sie Delfine gemalt?

Pauline Kamphausen: „Genau, da kamen dann lauter Delfine raus, ganz komisch. Und dann bin ich doch geflogen.“

Waren Sie schon einmal mit einem Bild nicht zufrieden, nachdem Sie die Augenbinde abgenommen haben?

Ralf Kamphausen: „Ja, einmal. Wir hatten einen Vier-Teiler, da hat mir ein Bild von der Aufteilung nicht gefallen.“

Pauline Kamphausen: „Ein Bild hab ich gemalt, da hab ich eher ein bisschen Angst bekommen. Als ich die Binde abgenommen habe, dachte ich sofort ‚Der sieht meinem Mann von der Seite ähnlich, der hat nur eine größere Nase.‘“

Sie malen aber auch ohne Augenbinde. Gibt es dabei einen Fokus bei den Themen?

Ralf Kamphausen: „Ich nehme mir Themen vor oder die Themen erscheinen rein zufällig, ein Bild ist zum Beispiel aus einer Vorlage einer Kinderzeichnung auf dem Gehweg oder ein anderes nach einer Ägyptenreise entstanden.“ Pauline Kamphausen: „Es gibt immer wieder neue Ideen, die geboren werden. Das Bild ‚Das Loch‘ ist zum Beispiel nach einem Wasserschaden in der Wohnung entstanden.“

Und eine Ecke der Ausstellung ist ganz in blau gehalten. 

Ralf Kamphausen: „Das ist die Wasserecke. Da ist viel Zufall dabei, entweder es wird was oder es wird wieder verworfen. Ich habe mir aber auch vorgenommen, ich will mal einen Wasserfall malen und irgendwann war dann die Leinwand auf dem Boden und ich hab angefangen, da sind dann die Buchenegger Wasserfälle entstanden.“

Malen sie immer auf dem Boden?

Ralf Kamphausen: „Nein, ich male auch auf der Staffelei, meistens sind es zwei oder drei Leinwände oder Hartfaserplatten, die rumliegen.“

Pau line Kamphausen: „Die Farbreste verarbeitet er zum Beispiel auf einem weißen Tuch oder einer Leinwand und dann entstehen wieder neue aufregende Bilder.“

Vielen Dank für das Gespräch!

Von Lea Stäsche

Geöffnet ist die Ausstellung von Montag bis Freitag von jeweils 8 bis 15.30 Uhr und freitags von 8 bis 11.30 Uhr. EIn Video zur Entstehung der sogenannten ECP-Bilder ist unter www.youtube.com unter dem Stichwort „Ralf und Pauline Kamphausen“ zu finden.

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