"Eins plus eins ist eins"

Ausstellung: Warum es überhaupt zwei Kempten gegeben hat und wie sie zusammenkamen

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Viele interessante Details haben die Macher von „Vereint, aber auch glücklich?“ zusammengetragen, die schon bei der Vernissage zu fesseln vermochten.

Kempten – Zehn Fahnen, respektive Rollups, die es in sich haben, sind seit Ende letzter Woche im Foyer des Kemptener Rathauses zu sehen. Eröffnet wurde die extra zum 200-jährigen Stadtjubiläum konzipierte Wanderausstellung „Vereint, aber auch glücklich?“ im Anschluss an eine Festsitzung des Stadtrats anlässlich der Vereinigung des einst geteilten Kemptens. Warum aber hat es überhaupt zwei Kempten gegeben?

Für eine Antwort greifen die Ausstellungsmacher tief in die Historienschatzkiste und gehen zurück bis ins 8. Jahrhundert, „um dann für die Zeit rund 1000 Jahre später festzustellen: Napoleon ist an allem schuld“, machte OB Thomas Kiechle Lust auf eine nähere Betrachtung der Rollups. Beim eh schon beschwerlichen aufeinander Zugehen sei man – nun plötzlich gemeinsam – auch noch vor den „Herausforderungen des heraufziehenden Industriezeitalters“ gestanden und habe mit der neuen Bayerischen Herrschaft zurechtkommen müssen. Es sei eine Ausstellung, die „den historischen Hintergründen der Vereinigung Kemptens gerecht wird“, fern von „Friede, Freude, Eierkuchen“, aber auch „keine Geschichte fortdauernder Feindseligkeiten“.

Illustriert hat sie Roger Mayrock, der unter anderem die beiden Kempten-Geschichtsbücher für Kinder, in denen die Figur Leo durch das Geschehen führt, schon mit seiner ganz eigenen zeichnerischen Handschrift geprägt hat. Als Kernteam lieferten die Historikerin Birgit Kata und Stadtarchivar Dr. Franz-Rasso Böck die historischen Inhalte, das Technik-Redaktionsteam bildeten Michael Meier und Martin Tham-Odstrcil.

Zwar glaube man am Anfang ungefähr zu wissen, was da auf einen zukomme, aber dann erweise sich so ein Historienfass nach dem Öffnen doch immer als das berühmte „Fass ohne Boden“, erzählte Mayrock von einer ersten Erkenntnis während des Projektes. Immer das Ziel vor Augen, Besucher nicht abschrecken zu wollen, habe man sich aber auf das Wesentliche konzentriert. Letztendlich behandle jede dieser Infofahnen „ohne Übertreibung Stoff für eine eigene weitere Ausstellung“, wollte er diese eher als „Sammlung von Schlaglichtern“ verstanden wissen und als „Ansporn zum Weitermachen“. 

Interessant sei auch, dass man „plötzlich Zusammenhänge begreift“, bislang Unbeachtetes an Bedeutung gewinne und manches Mal sogar gleich „ein ganzer Lampenladen aufgeht“ statt nur ein Licht; zum Beispiel was es mit der Schräge der Residenzecke an der Kurve Pfeilergraben/Residenzplatz auf sich hat. Auch „eingefahrene Vorstellungen – also geliebte Irrtümer“ seien ins rechte Licht gerückt worden. So sei die einstige Grenze zwischen den beiden Städten nicht an Stelle der späteren Freitreppe verlaufen und Kempten auch nicht jahrhundertelang eine Doppelstadt gewesen – in Wahrheit nicht einmal 100 Jahre lang – sondern habe bis dahin schlicht aus zwei Siedlungsteilen, Reichsstadt und Kloster, bestanden. Als „kleine Welturaufführung“ wies Mayrock besonders auf seine Darstellung der jahrhundertealten Nahtstelle bzw. Grenze zwischen den beiden hin, das Klostertor und die Stadtmauer, eine Situation, die „etwas Faszinierendes und im Grunde Absurdes“ gehabt habe.

Themenkreise des zehnteiligen historischen Exkurses sind die Kemptener Wappen („Viele Kempten, viele Wappen“), 1000 Jahre im Überblick („Warum gab es zwei Kempten?“), Schritte auf dem Weg zur Einheit („Manchmal braucht’s länger“), die Vereinigung der beiden Kempten (Eins plus eins ist eins“), der Abbruch des Klostertors („Ein Symbol wird beseitigt“), die Stadtmauer („Getrennt durch Mauern und Graben“), warum Napoleon an allem schuld ist („Die Weltpolitik trifft Kempten“), gemeinsame Stärke („Die Unterschiede schätzen lernen“), Kempten als Garnisonsstadt („Stadt der Kasernen“), 200 Jahre vereintes Kempten („Vereint – aber auch glücklich?“).

Besichtigt werden kann die Ausstellung bis 11. Mai, Mo-Do 8-18 Uhr, Fr 8-14 Uhr im Foyer des Kemptener Rathauses. Im Anschluss wird sie in der Aula der Grundschule Heiligkreuz und in Folge an weiteren Orten in Kempten gezeigt.

Christine Tröger

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