Skizzen zu Picassos "El Guernica" 

Rätsel eines Bildes

+
Gerhard Menger hat sich mehr als sieben Jahre mit Picassos „El Guernica“ beschäftigt. Auch farbige Studien hat dieser für sein Werk angefertigt, hier: die herabstürzende Frau.

„Es war wie in einem Krimi“, sagt der Kemptener Künstler Gerhard Menger über seine Forschungen. Über sieben Jahre hat er sich mit Pablo Picassos „El Guernica“ und mit dessen Entstehung beschäftigt und dabei Erstaunliches zu Tage gefördert.

Das Bild zeigt die Schrecken bei der Zerstörung der Stadt Guernica im spanischen Bürgerkrieg. Um Franco zu unterstützen, hatten deutsche Flieger am 26. April 1937 sie im Auftrag Hitlers bombardiert und dem Erdboden gleichgemacht. Zur 80-jährigen Wiederkehr des Luftangriffs organsiert Menger, der Vorsitzende des Berufsverbands der Bildenden Künste Allgäu Schwaben/Süd eine Ausstellung und präsentiert die Ergebnisse seiner Forschungen.

Fast acht Meter breit und 3,5 Meter hoch ist das Bild mit der rätselhaften Entstehung. Verzerrte Münder, aufgerissene Augen, Menschen liegen am Boden, eine Frau stürzt herab, Grautöne kontrastiert mit Weiß. Der Betrachter erfährt das Leid der Bürger von Guernica hautnah. Das Werk gilt als eines der wichtigsten Antikriegsbilder überhaupt. Innerhalb eines Monats hat es Picasso für die Weltausstellung 1937 in Paris geschaffen; seine ursprünglichen Pläne für Paris hatte er nach den Ereignissen im Baskenland verworfen.

"Es geht um Lug und Trug"

Schon in den 1970er Jahren hatten Menger und befreundete Künstler über das Bild und seine Entstehung geforscht. Wie brisant die Ereignisse um die Zerstörung der Stadt immer noch waren, erfuhr Menger, als er 1980 als Kunst- und Musiklehrer an die deutsche Schule in Bilbao kam. 15 Kilometer trennt die Stadt von Guernica. Den Abiturienten vom Colegio Alemán war gelehrt worden, dass nicht die Deutschen schuld an der Zerstörung trügen, sondern die baskischen Republikaner – um die Tat Franco in die Schuhe zu schieben. Diese Version war unmittelbar nach der Bombardierung von Francos Anhängern verbreitet worden.

Während seiner gesamten Zeit in Spanien hat „El Guernica“ Menger nicht mehr losgelassen. Er verglich Picassos Werk mit zahlreichen Studien und Kriegsdarstellungen und machte dabei eine überraschende Entdeckung. 1987 schrieb er darüber einen Aufsatz, den er einer spanischen Kunstzeitschrift schickte.

Mehr über Mengers Erkenntnisse erfahren die Besucher der aktuellen Ausstellung. Dort machen Faksimile-Skizzen und -Studien aus der Sammlung Tauscher aus der Villa Jauss in Oberstdorf Picassos Weg zu „El Guernica“ nachvollziehbar; ebenso eine Bildspiegelung mit Peter Paul Rubens‘ „Die Folgen des Krieges“.

Nur so viel: „Das Aufsehen, das Picassos Bild bei der Weltausstellung erregte, war groß“, sagt Menger. Als deutsche Soldaten es sahen, fragten sie Picasso: „Haben Sie das gemacht?“ – „Nein“, habe der Künstler geantwortet „das haben Sie gemacht!“

Die Ausstellung „Die Studien und Skizzen Picassos zu El Guernica“ ist dienstags bis sonntags von 15 bis 18 Uhr in der Kunsthalle geöffnet. Sie endet am Dienstag, 18. Juli. „Traum, Lüge, Wahrheit“ heißt der Vortrag, den Gerhard Menger am morgigen Sonntag, 9. Juli um 11 Uhr im Rahmen der Ausstellung halten wird. 

Susanne Kustermann

Auch interessant

Meistgelesen

Bilder vom Montag aus der Selfie-Box
Bilder vom Montag aus der Selfie-Box
Bilder vom Dienstag aus der Selfie-Box
Bilder vom Dienstag aus der Selfie-Box
Mittwoch: Endlich Gymnastik und echte Romantik in der Selfie-Box
Mittwoch: Endlich Gymnastik und echte Romantik in der Selfie-Box
Selfie Box: Die ersten 100 Bilder vom Wochenende 
Selfie Box: Die ersten 100 Bilder vom Wochenende 

Kommentare