Brennpunkt: Bezahlbarer Wohnraum

Verdrängtes Thema

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Eröffnung der Fotoausstellung von Peter Litvai, „My home is my castle“ im Forum Allgäu. Stadtrat Lothar Köster (li), Indra Baier-Müller von der Diakonie und Armin Ruf von der Caritas (li) haben die Aktionswochen „Wohnen (k)eine Selbstverständlichkeit“ auf die Beine gestellt.

Mitten im Konsumtrubel des Forums in Kempten war in dieser Woche eine Fotoausstellung aufgebaut, die innehalten lässt: In eindrucksvollen Bildern und Kurztexten will sie auf den Mangel an bezahlbarem Wohnraum und die Probleme bei prekären Wohnverhältnissen aufmerksam machen.

Wohnen, eigentlich eine Selbstverständlichkeit – aber auch das Wohnen in einer Art „Küchenklo“ im Keller, oder mit drei kleinen Kindern auf 15 Quadratmetern mit Waschgelegenheit im Zimmer? Fiktive Wohnungsanzeigen unter jedem Fotoportrait informieren über das bescheidene An-

gebot.

Und was sagen die Bewohnerinnen und Bewohner selbst zu ihrer Situation?

„Die Situation ist sehr schwierig. Wir als Ausländer haben die größten Probleme.“

„Es ist sehr schwer, mit Kindern etwas zu finden. Vor allem als Alleinerziehende.“

„Die Preise sind einfach zu hoch.“

Für die Aktionswochen „Gemeinschaft schaffen“ (19. Juni bis 7. Juli 2017) haben sich Caritas, Diakonie und die Stadt Kempten zusammengetan. Die Eröffnung mit dieser Fotoausstellung war eine hervorragende Wahl. Sie führt drastisch vor Augen, dass ansprechender und ausreichender Wohnraum für Menschen mit geringem Einkommen oder in schwierigen sozialen Verhältnissen eben keine Selbstverständlichkeit ist. In den Sozialverbänden finden sie eine Lobby, denn auch Menschen, die keine „normale“ Miete aufbringen können, wünschen sich eine Bleibe mit mehr Platz, Zimmer mit dichten Fenstern, besseren Heizmöglichkeiten, ohne Schimmel, vielleicht sogar einen Balkon…

Mit einem vielfältigen Rahmenprogramm rund ums Wohnen will das Aktionsbündnis informieren, Ideen sammeln und gelungene Gemeinschaftsprojekte vorstellen. Vor allem aber sollen die Ausstellung und die Begleitveranstaltungen die politisch Verantwortlichen aufrütteln, das Thema wieder ganz oben auf die kommunale Tagesordnung zu setzen, damit endlich wieder mehr Wohnraum auch für Menschen mit geringem Einkommen geschaffen wird. In Kempten beispielsweise, so Stadtrat Lothar Köster, der Beauftragte für Senioren und Menschen mit Behinderung und Heime bei der Eröffnung, gab es zwischen 2015 und 2017 eine wahre Kostenexplosion bei Eigentumswohnungen von 28,8 Prozent. Das Recht auf Wohnen sei zwar in der Menschenrechtsdeklaration der UN, nicht aber in unserem Grundgesetz verankert und nicht einklagbar. Sein Wunsch: Die Bevölkerung möge sich sensibilisieren und über die persönlichen Bedürfnisse hinaus für das Thema Wohnen unter erschwerten Umständen interessieren.  Elisabeth Brock

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