Wenn die "blaue Donau" pausiert

Ausverkauftes Silvesterkonzert mit neuen Musikern und neuen Stücken

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Begeisterten beim Silvesterkonzert: der Tenor Jaroslav Kovacs und die Sopranistin Jessey-Joy Spronk.

Kempten – „Alle Jahre wieder“ könnte man gelangweilt feststellen und hoffen, dass der Silvesterabend möglichst schnell vorübergehe.

Gäbe es da nicht findige Programmtüftler, die das gleiche Gericht immer wieder auf eine neue Art zuzubereiten verstünden. Das traditionelle Silvesterkonzert in Kemptens Stadttheater ist so ein Gericht, das jedes Jahr serviert wird, aber von Maestro Hans Richter diesmal sehr asiatisch angerichtet wurde. Sind das seine neuen Smetana Philharmoniker?

Nein, Hans Richter hat im abgelaufenen Jahr mehrere Konzerte in Vietnam als Gastdirigent des Saigon Philharmonic Orchestra gegeben und als umtriebiger Mensch mit der Idee im Kopf, dass Musik keine Grenzen kenne, alle Hebel in Bewegung gesetzt, um eine Tournee mit diesem Orchester in Europa durchzuführen. Die erste Station ist das Silvesterkonzert in Kempten mit einem bunten Programm, dessen Premiere am 19. Dezember in Saigon stattgefunden hatte. 

In der Besetzung wurden lediglich die sperrigen Pauken, Kontrabässe und die Harfe zu Hause in Vietnam gelassen und durch Musiker der echten Smetana Philharmoniker aus Prag ergänzt. Und natürlich kam neu die junge, wunderbare Sopranistin Jessey-Joy Spronk hinzu, die sich mit großer Stimme und großartiger Bühnenpräsenz durch die vielen Arien aus Verdi- und Donizettiopern sang. Und so wähnte man sich nach dem einführenden Operettenvorspiel von Franz Léhar schon bei der ersten Arie aus Verdis „La Traviata“ mehr an der Mailänder Scala oder der New Yorker Met als an Kemptens Stadttheaterbühne, denn eine derart gewaltige Opernstimme hatte man hier noch nie gehört. 

Unterstützt wurde die holländische Sängerin, der sicher eine große Karriere bevorsteht, vom tschechischen Tenor Jaroslav Kovacs, der besonders bei den Duetten viel szenisches Kolorit, aber auch mit einem Lied aus der „Verkauften Braut“ von Smetana heimatliche Musik beisteuerte. Dazwischen hörte man einen blutjungen Pianisten, den wiederum das Saigon Philharmonic Orchestra mitgebracht hatte. Der erst einundzwanzigjährige Ta Quang Vu spielte den ersten Satz aus Rachmaninovs Klavierkonzert Nr. 2. Hans Richter, erfolgreicher Dirigent und begnadeter Entertainer moderierte geschmeidig und unterhaltsam durchs Programm. „Wenn Sie wollen, dann spielen wir zum Schluss statt der ‚schönen, blauen Donau‘, die wir doch schon so oft gehört haben, den zweiten, wunderschön lyrischen Satz aus dem Rachmaninovkonzert.“ Ganz ehrlich, wer konnte da noch Nein sagen! 

Jürgen Kus

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