Autismus Zentrum Schwaben ist seit zehn Jahren Anlaufstelle für alle Fragen

Wie mit Autismus umgehen?

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AZS-Geschäftsführer Alwin Hönicke (v.l.), AZS-Leiter David Scheible und Lothar Köster, Beauftragter für Senioren, Behinderte und Heime der Stadt Kempten unterhalten sich über die Angebote des AZS.

Kempten – Die Unterstützung von Menschen mit Autismus zu einem möglichst selbstbestimmten und eigenverantwortlichen Leben, die Verbesserung der persönlichen Lebensperspektiven für Menschen mit Autismus und deren Teilhabe am Leben in der Gesellschaft und die Bewusstseinsschaffung für Stärken und Bedürfnisse von Menschen mit Autismus – das sind die Ziele des Autismus Zentrums Schwaben (AZS) mit Sitz in Kempten (Schwalbenweg 61). Das AZS feiert heuer sein zehnjähriges Jubiläum.

Circa 4000 Menschen mit Autismus leben im Allgäu, wie AZS-Leiter David Scheible am Freitagvormittag im Rahmen eines Pressegesprächs sagte. „Diese Menschen brauchen, um zurechtzukommen, eine konsequente und liebevolle Erziehung sowie ein gutes Netzwerk aus Fachleuten, dann kann ihnen gut geholfen werden.“ Voraussetzung dafür sei, dass engere Angehörige verstehen, dass Betroffene eine andere Art und Weise haben, wie sie Dinge wahrnehmen und dass sie davon nicht geheilt werden können. „Man kann aber sehr viel lernen, um besser miteinander umgehen zu können.“

Das AZS ist eines der bayerischen Autismus-Kompetenzzentren und bietet im Regierungsbezirk Schwaben Unterstützung und Begleitung für Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung und ihrem Umfeld an und gliedert sich in drei Bereiche: Kontakt- und Beratungsstelle, Therapiezentrum sowie Anstellung und fachliche Anleitung von Schulbegleitungen.

Die Beratungsstelle ist für alle von Autismus-Betroffenen da – allein im vergangenen Jahr gab es laut Scheible rund 80 Gespräche zum Thema Arbeit und Ausbildung. Insgesamt gibt es rund 500 Anfragen im Jahr. Das Angebot ist für Eltern kostenfrei. Im Therapiezentrum werden für Kinder und Jugendliche Einzel- oder Gruppentherapien angeboten. Dabei wird vorwiegend ambulant in den Regionalstellen des AZS und je nach Bedarf im häuslichen Umfeld gearbeitet.

Die Diagnose von Autismus sei relativ aufwändig, diffizil und ein sehr spezielles Thema, meinte AZS-Geschäftsführer Alwin Hönicke. Leider sei die Versorgungsstruktur bei der Diagnostik bei Erwachsenen noch sehr schlecht, ergänzte Scheible. Betroffene müssen bis nach München. Bei Kindern und Jugendlichen sieht es besser aus: Neben niedergelassenen Fachärzten und der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in Kempten gebe es eine Spezialambulanz mit einer europaweiten Expertin auf diesem Gebiet im Josefinum Augsburg.

Um auf das Thema Autismus aufmerksam zu machen und um das Jubiläum des AZS zu feiern, fanden und finden mehrere Veranstaltungen in und um Kempten statt. Mit dem Pressegespräch am vergangenen Freitag wurde eine Kinowoche mit dem Film „Im Weltraum gibt es keine Gefühle“ eingeläutet. Noch bis zum heutigen Mittwoch, 17.15 Uhr, kann der Film im Colosseum-Center Kempten angesehen werden. Der weichherzige und phantasievolle Film präsentiert das Asperger-Syndrom in Form einer fröhlichen Komödie. Dabei liegt über allem eine Frage, die jede und jeden betrifft, egal, ob nun behindert oder nicht: Wie kriege ich meine eigenen Gefühle in den Griff? Vorschnelle Antworten werden dabei nicht verteilt. Aber es gibt viele Momente in diesem Film, die einen als Zuschauer auch nach dem Kinobesuch nach Antworten für sich selbst suchen lassen.

Am Weltautismustag (2. April) schloss sich das AZS vielen weltweit teilnehmenden Institutionen und Organisationen an und setzte ein sichtbares Zeichen für alle betroffenen Menschen mit Autismus in Form einer „light it up blue“-Aktion. In Kempten wurde ein Teil des Kornhauses blau beleuchtet.

Im Mai und Juni kommen zwei hochkarätige Referenten für Verantstaltungen des AZS gewonnen werden. Am 8. Mai von 18 bis 21 Uhr wird Dr. Peter Schmidt, selbst Asperger-Autist, in Kempten über sein Leben und seine Erfahrungen berichten. Am 19. Juni hält Claudio Castañeda, Experte für Unterstützte Kommunikation, einen Vortrag über seine Praxis-Erfahrungen mit dem Titel „Die Autismus-Ideenkiste“ in Donauwörth.

Infos zum Autismuszentrum Schwaben sowie Anmeldemöglichkeiten für die Veranstaltungen gibt es im Internet unter www.autismus-schwaben.de.

Von Melanie Läufle

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