Stromerzeugung und Stromverbrauch an selber Stelle

ELSA – Energiespeicher der Zukunft

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Hochkarätige Runde anlässlich der Projekt-Präsentation ELSA auf dem Bühl am Dienstagnachmittag: (v.l.) Bernhard Rindt (Geschäftsführer egrid applications & consulting GmbH), Thomas Kiechle (Oberbürgermeister Stadt Kempten), Michael Lucke (Geschäftsführer AÜW), Anton Klotz (Landrat Oberallgäu), Arno Zengerle (Bürgermeister Wildpoldsried), Stefan Nitschke (Pressesprecher AÜW) und Martin Langenmaier (stellvertretender Geschäftsführer Sozialbau Kempten).

Kempten – Wohin mit der gebrauchten Autobatterie eines Elektroautos? Zukünftig könnte die Antwort auf diese Frage ein Beitrag zur Energiewende sein. Anstatt diese zu entsorgen, könnten Autobatterien von E-Autos auch als Speicher für Strom aus erneuerbaren Energiequellen, zum Beispiel in Mietshäusern, Schulen oder Unternehmen, genutzt werden.

Ob dies technisch möglich ist, das wird zur Zeit in einem Versuch des Allgäuer Überlandwerks (AÜW) auf dem Bühl getestet.

Drei Häuser der Sozialbau wurden mit Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 37,1 kWp auf den Hausdächern ausgestattet. Der mit den PV-Anlagen produzierte Strom wird als Überschuss in die in einer nahen Trafostation aufgestellten Autobatterien transferiert und dort gespeichert. Bei Spitzenlast wird dieser vor Ort „produzierte Mieterstrom“ dem regulären AÜW-Stromnetz hinzugefügt. Die Batterien, in diesem Fall sechs Autobatterien eines Elektroautos der Marke Renault ­Kangoo, haben eine Speicherkapazität von 66 kWh, in etwa die Menge Strom, die von einer dreiköpfigen Familie in einer Woche verbraucht wird. Die Batterien werden vor Ort auf dem Bühl eingesetzt, um die überschüssige Menge Strom zu speichern, die auf den Dächern lokal und ökologisch erzeugt wird. Sobald der Energieverbrauch die Stromerzeugung übersteigt, in der Regel in den Abendstunden, werden die Kunden mit dem in den Batterien gespeicherten Strom versorgt. Dabei zeigt sich der vor Ort produzierte Strom der Haushaltskasse der Bewohner gegenüber gnädig, dessen Verbrauch ist nämlich preislich günstiger.

Stromerzeugung wird dezentral

In einem Jahr können nach Einschätzung des AÜW auf diese Weise rund 39.000 kW für das Wohnquartier auf dem Bühl produziert werden, bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 44.000 kW. Dies bedeutet, „dass zukünftig die Stromversorgung dezentraler wird“, so der Geschäftsführer des AÜW, Michael Lucke, am vergangenen Dienstagnachmittag, als das Projekt ELSA (Energy Local Storage Advanced System, übersetzt: hochentwickelter, lokaler Energiespeicher) der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Ein Zelt war aufgebaut, es gab Kaffee, Kuchen, Würstl und handgemachte Musik, bevor die Verantwortlichen des Projektes den rund 60 Besuchern die Wirkungsweise von ELSA erläuterten.

Die beiden Projektleiter Thomas Eberl von egrit, einem Tochterunternehmen des AÜW, und Christian Ziegler vom AÜW legten in ihren Ausführungen den Fokus auf die technischen Abläufe. Anschließend beurteilten die Verantwortlichen des von der EU bezuschussten Projektes dessen Nutzen. Für egrit applications & consulting GmbH sprach deren Geschäftsführer Bernhard Rindt, Oberbürgermeister Thomas Kiechle für die Stadt Kempten, Landrat Anton Klotz für das Oberallgäu, Michael Lucke als Geschäftsführer des AÜW, Bürgermeister Arno Zengerle für die Gemeinde Wildpoldsried und Martin Langenmaier für die Sozialbau. Alle Beteiligten äußerten die Vorstellung, dass die Zukunft der Energienetze dezentral sein wird. Sobald Gleichstrom aus Batterien mit Wechselrichtern vor Ort schnell und effizient in Wechselstrom gewandelt werden kann, steigen die Chancen Strom aus erneuerbarer Energie am Verbrauchsort zu produzieren und in die Haushalte einzuspeisen, bei gleichzeitiger Entlastung des zentralen Stromnetz. Ziel der Projektteilnehmer ist es, das „zweite Leben“ einer mobilen Autobatterie sowohl wirtschaftlich als auch technisch in mehreren stationären Pilotprojekten zu erproben und diese zukunftsweisende Technologie bis zur Marktreife weiter zu entwickeln. Gleichzeitig finden Pilotprojekte dieser Art sowohl in Deutschland als auch in England, Spanien, Frankreich und Italien statt.

In einem abschließenden Rundgang in drei Gruppen konnten sich die Gäste der Projekt-Präsentation selbst ein Bild vom „lokal produzierten Strom zum Anfassen“ machen.

Jörg Spielberg

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