Anfänge als stiftischer Fischweiher

Der Bachtelweiher

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Der Bachtelweiher hießt früher Dolders-Weyher. Die Karte zeigt ihn um 1770. Damals war er noch größer und reichte über den Bahndamm hinaus.

Kempten – Den Sommer über konnten viele von uns in den Badeanstalten sowie in den bekannten Weihern und Seen in der Umgebung Kemptens ihrem Vergnügen nachgehen. Vor einigen Wochen noch deuteten Pressemeldungen darauf hin, dass in den nächsten Jahre in Kempten mit einem sanierten Bachtelweiher ein neues Freibad hinzukommt. Diese Hoffnungen, besonders für Badefreunde aus den Stadtteilen Ludwigshöhe, Kempten Ost und Lenzfried, wurden aber leider durch die neuesten Beschlüsse des Umwelt- und Bauausschusses enttäuscht. Denn um den Bachtelweiher wieder als Badegewässer nutzen zu können, wären aufwändige Sanierungsmaßnahmen erforderlich.

Somit bleibt gerade älteren Lenzfriedern und Ostbahnhöflern nur noch die Erinnerung an vergangene Zeiten, als man sich im Sommer gerne am beliebten Bachteilweiher zum Schwimmen und Erholen traf. 

Der Bachtelweiher, wie wir ihn kennen, hat eine Länge von ungefähr 300 Metern, eine Breite von ca. 160 Metern und eine maximale Wassertiefe von 3,8 Metern. Im Ostbereich liegt der Hauptzufluss, der von Richtung Autobahn herkommt. 

In diesem Bereich befindet sich auch ein großer Schilfgürtel und es gibt hier auch einige größere Seerosenfelder im Weiher. Kein Wunder also, dass sich verschiedene Wasservogelarten und sogar seit einiger Zeit Bieber im Bachtelweiher sehr wohl fühlen. 

Hoher Fischbedarf durch Fastentage 

Den Bachtelweiher ließ die Kemptener Abtei im 13. Jahrhundert als Fischgewässer einrichten. Daneben konnte man mit dem abfließenden Weiherbach auch noch die Bachtelmühle antreiben, um Mehl für die damaligen Bewohner zu mahlen. 

Die Bachtelmühle ist erstmals 1293 erwähnt, die ein „Cuonrat der Müller“ auf „dem Tuffinbach“, also dem heutigen Bachtelbach betrieb. Bereits unter Abt Eberhard I. (1012-1044) hatte man im Stiftgebiet Fischgruben und Fischweiher auf dafür geeigneten Wasserläufen oder Feuchtgebieten angelegt, indem man vorhandene Gewässer, Moore oder Sümpfe höher staute. 

Fischweiher benötigte man damals sehr viele, denn das Kloster hatte einen enormen Fischbedarf. Wegen der vielen Fastentage, die es damals gab, verzehrte man große Mengen an verschiedenen Fischarten. So betrug die jährliche Fangmenge zwischen den Jahren 1756 und 1769 durchschnittlich 20.000 bis 30.000 Fische und erreichte in Spitzenzeiten sogar an die 40.000 Stück Fisch. 

Kein Wunder also, dass das Stift fast jeden Illerzufluss für die Anlage von Teichen nutzte und später verstärkt dazu überging, auch vorhandene landwirtschaftliche Nutzflächen – oft sehr zum Unmut der Bauern – zu fluten, um somit vermehrt Teiche zu gewinnen. Denn Fischgewässer warfen seinerzeit einen deutlich höheren Ertrag ab als die besten Wiesen. 

Des Öfteren erhielten die Bauern für das Land, das sie dafür hergeben mussten, eine mehr oder weniger ausreichende Entschädigung. Aber nicht immer, wie es das Beispiel des Eschacher Weihers zeigt, den Fürstabt Rupert von Bodman im Jahre 1693 anlegen ließ. Durch den Bau einer kleinen Staumauer kam es dort zur Aufstauung kleinerer Zuflüsse und es entstand auf vormals genutzten landwirtschaftlichen Flächen der Eschacher Weiher. Obwohl er hauptsächlich der Wasserversorgung diente, nutzte man ihn auch zur Fischzucht. 

Beim Bau des Weihers ging das Stift recht rücksichtslos gegen seine Untertanen vor, da es die Bauern ohne entsprechenden Ausgleich enteignete. Als sich die Eschacher dagegen wehrten, wurden sie mit folgenden Worten zur Räson gebracht: Man könne mit den „leibeigenen Leuten nach Belieben umgehen und ihnen die Kutteln aus dem Leibe heraushaspeln“ oder ihnen gar die „Fußsohlen vom Fuß schneiden“. 

Auch aus anderen Gründen brachte die Errichtung eines Fischgewässer für die Bauern oft große Nachteile. Schon bei der Errichtung der Weiher wurden die Bauern eingespannt, um zusätzliche Fronarbeit zu leisten, bei der sie zunächst mühsam viele Kubikmeter Seegrund ausschaufeln, dann Kies und Erde herankarren mussten, um die Dämme anzulegen. 

Mehrarbeit für die Bauern 

Auch wenn der Weiher angelegt war, endete die Fronarbeit der Bauern nicht, da sie neben ihrer üblichen landwirtschaftlichen Arbeit auch noch die Wartung der Weiher zu übernehmen hatten. Obwohl sie selber aber keine Fische fangen durften, mussten sie beim Abfischen mithelfen. 

Hielt sich ein Bauer nicht an das Fischfangverbot und man erwischte ihn beim Schwarzfischen, dann musste er mit empfindlichen Geldstrafen rechnen. Die Aufsicht über die Fischgewässer hatte ein Fischherr nebst seinen vier Hoffischern. Daneben arbeiteten 43 Bach- und Weiherwarte und ihre Familien für das Fürstäbliche Fischereiwesen einschließlich der Fischzucht. 

Wenn man historische Karten aus dem Stiftgebiet betrachtet, stellt man fest, dass es seinerzeit über 80, heute vielfach vergessene Teiche, Weiher und See gab, die der Fischerei sowie der Entenund Blässhuhnjagd dienten. 

Der heutige Bachtelweiher, der seinerzeit noch größer war und im Norden über den heutigen Bahndamm hinausging, trug ab dem 17. Jahrhundert den Namen Dolders-Weyher. 

Der Name Dolder leitet sich ab von „Dolders Gut oder Tolders (beim Tolder)“ und ist 1627 erstmals erwähnt. Der Name „Dolder“ oder „Tolders“ ist vielleicht ein Hinweis auf die vielen Buschwipfel oder Blütenbüschel, die vor der Anlage des Weihers hier in der Gegend gewachsen sind. Im Fischereibuch des Fürststifts Kempten ist offiziell auch ab Mitte des 18. Jahrhunderts noch vom „Dolders-Weyher“ die Rede. 

In diesem Werk sind die näheren Daten dieses Teichs zu lesen. Darin ist er als „Besazungs-Weyer“ beschrieben, der jenseits der Iller in der Pfarrei Lenzfried liegt. Er hatte drei Zuläufe im Osten und zwei Abläufe auf seiner Westseite, sowie einen größeren Ablauf mit einem V-förmigen Stauwerk auf der Nordseite. Die Tiefe betrug damals 13 „Schuhe“ (ein Schuh entspricht ungefähr 30 Zentimetern), also ähnlich wie heute fast vier Meter und er wurde mit „Sözling (Setzlingen), wie Höcht (Hecht), Raufisch (Fische minderer Qualität) und Orten“ oder Orfen (karpfenartigen Fischen) besetzt. 

Wasser ablassen zum Fischen 

Um an die begehrten Fische zu kommen, mussten die stiftischen Fischherren den Weiher in der Regel alle drei Jahre ablaufen lassen. Nach einer Ablaufdauer von zwölf Tagen konnte man die Fische, denen nichts anderes übrigblieb, als sich im Restwasser vor dem Hauptabfluss zu sammeln, bequem aus dem seichten, aber schlammigen Ablauf des „Dolders-Weyher“ abfischen. 

Schon damals wurde der Boden des Gewässers als sehr morastig beschrieben, aber die Beschaffenheit des Wassers hatte zu dieser Zeit, ganz im Gegensatz zu heute, „mehrertheils Bronnenwasser“-Qualität. Am 12. Juli 1757 ging bei den Fischherren Benedicto v. Schö- nau und Carl Andreas Freiherr von Hornstein Griningen „nebst Zuziehung des Pfleegs Verwalther Sigwein“ eine Beschwerde des Schloss-Bauern auf Letten ein. Darin vertrat der Schloss-Bauer die Meinung, dass das vor Jahren errichtete Wehr einschließlich des Rechens, also der Teil des Wehrs, der zum Auffangen von Treibgut diente, zu hoch gebaut worden sei. Die dadurch hervorgerufenen jährlichen Überschwemmungen hätten seine Wiesen arg ramponiert. 

Nach einer genauen Prüfung gaben die Verantwortlichen dem Bauern recht und ließen das Wehr „in seine rechte Distanz setzen“, also zurückbauen, so dass die Wasserhöhe abnahm. Im Jahre 1773 mussten kleinere Sanierungsarbeiten am Dolders Weiher durchgeführt werden, die 153 fl. (Gulden) und 46 kr. (Kreuzer) gekostet haben. 

Den heutigen Namen Bachtelweiher muss das Gewässer kurze Zeit später erhalten haben, denn auf den offiziellen Karten ab 1828 findet sich dann die Bezeichnung Bachtelweiher. Wie man auf der Karte sehen kann, die den Bachtelweiher vor dem Bau der Eisenbahnstrecke zeigt, hatte sich nicht nur die Form des Weihers geändert, es wurde auch der Abfluss von der Nordseite auf die Westseite verlegt und ein neues Wehr gebaut. 

Die Ursache dürfte in der Säkularisation, also in der Auflösung des Stifts und in der Verstaatlichung ihres Besitzes gelegen haben. Nach der Klosterauflösung ging der Weiher zunächst in Bayerischen Besitz. Der Bedarf an Fischen nahm rapide ab. 

Einen größeren Flächenverlust erfuhr der Bachtelweiher beim Bau der Eisenbahnstrecke von München nach Kempten in den Jahren 1852 bis 1853, denn ab da durchschnitt die Bahntrasse den nördlichen Bereich des Weihers. Seinerzeit nutzten die Menschen den Weiher aber noch nicht als Badegewässer, da den meisten Zeitgenossen Baden und Schwimmen noch völlig fremd war. 

Dies änderte sich aber im 20. Jahrhundert, als Schwimmen, auch bei Zivilisten immer mehr in Mode kam. Eine Ursache lag in der militärischen Ausbildung der Soldaten, bei der Schwimmkurse, so im Kemptener Volksbad – entstanden im Jahr 1846 als erstes Schwimmbad der Stadt Kempten an der Lenzfrieder Straße –, für Soldaten verpflichtend waren. Somit kam Schwimmen bei allen Bevölkerungskreisen immer mehr in Mode. Daher nutzten schon ab den 1930er-Jahren manche Badegäste aus Lenzfried den Bachtelweiher als Naturbadegelegenheit.

Aus dem See wird ein Freibad 

Im Jahre 1950 begannen die Arbeiten zur Errichtung einer Badeanstalt am Bachtelweiher. Er sollte besonders für die Badefreunde aus Lenzfried und die nach dem Krieg neu errichteten neuen Wohngebiete, wie der Bachtelmühlsiedlung und Kempten-Ost, relativ schnell erreichbar sein. Das Ufer auf der Westseite erhielt eine betonierte Einfassung mit einer Treppe, damit die Badegäste leichter ins Wasser gelangen konnten. Zwei Sprungbretter mit einer Höhe von einem und drei Metern sowie eine Kaltwasserdusche mit Wasser aus dem Weiher wurden auf der Westseite des Gewässers errichtet. Auf der Südseite kamen ein betoniertes und mit Holzgattern umzäuntes Kinderbecken sowie ein sogenanntes Nichtschwimmerbecken hinzu, das nur mit einem Drahtseil vom tieferen Schwimmerbereich getrennt war. 

Im Sommer 1951 konnte die neue Badeanstalt den Badefreunden übergeben werden. Im ersten Jahr durften die Gäste das Bad noch ohne Eintrittsgeld benutzen. In der Folgezeit wurde auf der Nord- und Südseite ein Zaun errichtet und ab diesem Zeitpunkt mussten die Besucher auch Eintritt bezahlen. Dabei entstanden auf der nordwestlichen Seite des Weihers hölzerne Umkleidekabinen und ein Kioskhäuschen. 

Toilettenabfluss in den Bach 

Hier wurden neben den Eintrittskarten den Badegästen auch Getränke, Süßigkeiten und einfachere Speisen angeboten. Zur sportlichen Betätigung gab es zwei Tischtennisplatten, die gegen eine geringe Gebühr genutzt werden konnten. Es gab sogar Toiletten, die aber ihr Abwasser nicht in die Kanalisation, sondern in den abfließenden Bachtelbach entließ. 

1965 erfuhr die Badeanlage eine Erweiterung, indem auf der Nordseite weitere Umkleidekabinen hinzukamen. 1974 pachtete die Stadt den Badebetrieb, doch eine geplante Renovierung unterblieb aus Kostengründen. Schon in den 1970er Jahren begann die Wasserqualität des Bachtelweihers durch die zunehmende Nährstoffeintragung stark abzunehmen. 

Als ab 1984 der Bau der Autobahn A 7 fertiggestellt war, kam es im Jahr 1998 östlich des Bachtelweihers zum Bau eines Rückhaltebeckens, in dem sich die Abwässer der Autobahn setzen sollten, bevor sie in den Bachtelweiher fließen konnten. Der Bachtelbach sowie ein kleiner Zufluss im Norden wurden renaturiert. Trotzdem nahmen die Abwasserbelastungen so zu, dass die Wasserqualität für Badende nicht mehr ausreichte und er zu den höchsten mit Nährstoffen belasteten Stehgewässern im Allgäu zählt. 

Wegen der schlechten Wasserqualität verlor der Bachtelweiher als Badeanstalt seit den 1970er-Jahren an Bedeutung und die einfachen Holzgebäude wurden abgerissen. Trotzdem ist der Bachtelweiher mit seiner nebenliegenden Mini-Golf-Anlage und dem „Bachtelweiher Garten“ heute ein beliebtes Naherholungsgebiet. Bänke, die am Weiher aufgebaut sind, bieten die Möglichkeit zur Erholung und auf gut ausgebauten Wegen kann man den Weiher in knapp einer Stunde umrunden.

Dr. Willi Vachenauer

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