Lösung in Sicht: Das Gewässer soll in kommunalen Besitz gebracht werden

Bachtelweiher neu diskutiert

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Kempten – Schon allein die Initiative der Freien Wähler, die sowohl die Sanierung des Bachtelweihers als auch die Entfaltung des Naherholungsgebietes seit langer Zeit vorantreibt, zeige „die Komplexität des Themas“; ein Umstand, auf den neben Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann auch OB Thomas Kiechle in der gemeinsamen Sitzung von Planungs- und Bauausschuss mit dem Ausschuss für Umwelt und Klima wiederholt hinwies

Es ist eines der Dauerthemen in den Gremien, bei dem nicht nur die hohen, auf 1,4 Millionen Euro geschätzten Sanierungskosten immer wieder gebremst hatten, sondern auch die Besitzverhältnisse. Es sei nicht vermittelbar, hieß es immer wieder, so viel Geld in Privatbesitz zu stecken. So war in der Sitzung vergangene Woche erstmals eine neue Marschrichtung vorgegeben und auch einstimmig beschlossen worden: den Erwerb des Weihers, vorrangig durch den Zweckverband Naherholungsgebiete Kempten und Oberallgäu, notfalls auch durch die Stadt selbst, anzustreben

Von Zeit zu Zeit verlandet der Weiher, unter anderem wegen des Schilfbewuchses. Um zu verhindern, dass das Gewässer inmitten eines für den Kemptener Osten, Sankt Mang und Lenzfried wichtigen Naherholungsgebietes über Kurz oder Lang vollkommen verschwunden sein wird, hat die Stadtverwaltung ein Konzept erarbeitet, das Wiedemann vorstellte.

Bei der fünf Hektar großen Fläche des Bachtelweihers „kommt natürlich schon einiges an Fracht“ – Schlamm, organischer Eintrag aus der Landwirtschaft und auch mineralischer – vor allem bei Hochwasser. Wiedemann sprach von 85.000 Kubikmeter Nassschlamm, mit einem Anteil von 80 Prozent an Wasser. Für den Abtransport der trockenen Restmasse seien immer noch 14.000 LkW-Ladungen erforderlich. Um die Verschlammung künftig zu vermeiden sieht das Konzept ein Absatzbecken im Zulauf vor, wodurch der Wasserzufluss langsamer werde und sich die Stoffe im Becken absetzen. Zudem soll sich der Nährstoffeintrag verbessern, wofür die Landwirte der angrenzenden Flächen bereits eine andere Bewirtschaftung zugesagt hätten. Mit einer Summe zwischen 400.000 und 600.000 Euro bezifferte Wiedemann die Kosten für die Teilentschlammung im Badebereich. Die Kosten für das Absetzbecken liegen bei 600.000 bis 780.000 Euro und der jährliche Unterhalt (u.a. Entschlammung und Schilfrückschnitt) zwischen 10.000 und 15.000 Euro. Da Teile des Weihers in Privatbesitz seien, könnten Fördergelder des Freistaates nur für das Absetzbecken beantragt werden. 180.000 Euro seien hierfür zumindest „in Aussicht gestellt“. 400.000 Euro sind für die Sanierung des Bachtelweihers im städtischen Haushalt 2021 eingestellt. Die weiteren Jahre sind noch offen.

Bezüglich des Badebetriebs wies Wiedemann darauf hin, dass das Haftungsrisiko besonders bei einer Badesanstalt mit Steg etc. hoch sei – ein Problem, das derzeit viele Kommunen hätten. So lautete seine Empfehlung, die Stege zurückzubauen und dem Ganzen möglichst keinen Charakter einer Badeanstalt zu geben

Erwin Hagenmaier (CSU) räumte ein, dass der Bachtelweiher zwar „sicher bedroht ist“, darüber aber der ebenfalls verlandende Stadtweiher völlig aus dem Fokus geraten sei. Darin könne der Schwan mit seinen nicht eben langen Beinen nämlich inzwischen schon stehen, unkte er; seines Erachtens „kommt das von der nicht ordnungsgemäßen Bewirtschaftung“. Das „A und O“ beim Bachtelweiher liegt für ihn darin „dass wir in den Besitz des Weihers kommen“. Der Freistaat investiere nur in Eigentum, aber „wir würden in privates Eigentum investieren“, schüttelte er den Kopf. „Dem kann ich so nicht zustimmen.“ Auch OB Thomas Kiechle sah einen Anteil der Stadt in Höhe von rund einer Million Euro in Privateigentum als „nicht zu vertreten“. Aber der Kemptener Osten habe „Nachholbedarf“ in Punkto Naherholung. Deshalb solle die Verwaltung Verhandlungen zum Erwerb des Weihers führen und die Mittel für die Umsetzung der Maßnahmen in den Haushalt einstellen. Theo Dodel-Hefele (Die Grünen) beschäftigte vor allem die Frage, „wenn wir nicht in Eigentum kommen, tun wir auch nichts?“. Anders könne es nicht gehen, so Kiechle, „es geht nicht eine Million in Privatbesitz zu investieren“.

Christine Tröger

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