Aus der Badetraum

Aus dem Bachtelweiher wird so schnell wohl kein Badegewässer

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Optisch hat sich der Bachtelweiher mittlerweile gemausert. Doch seine Karriereaussichten als Badegewässer sind derzeit trübt – so trüb wie sein Wasser.

Kempten – Ernüchterung hat sich letzte Woche wohl nach der Sitzung von Bauausschuss und Umweltausschuss bei der Bachtelweiher-Initiative breitgemacht.

Die Hoffnung, aus dem Bachtelweiher, einen echten Badeweiher machen zu können, hat erst einmal einen Dämpfer bekommen. Die Stadträte äußerten sich skeptisch über die nötigen Maßnahmen.

Noch vor wenigen Wochen war die Vorfreude ungetrübt gewesen. Die Freie-Wähler-Fraktion und die Bachtelweiher-Initiative hatten zum Fest am See geladen. Neben Stockbrot, Minigolf, Football Training, Kutschfahrt und Erinnerungsfotos hatte die Initiative auch Informationen über die Problematik am Bachtelweiher geliefert: „Rund 85.000 Kubikmeter Schlamm haben sich hier über die Jahre angesammelt und müssen ausgebaggert werden“, erklärte Walter Stockinger vom Eschacher Fischereiverein den Besuchern, „für eine langfristige Lösung und einen intakten Badeweiher braucht es die Unterstützung der Stadt.“

Seit letztem Jahr hat sich auch schon einiges getan. Die Freien Wähler hatten einen Antrag auf Verbesserungen gestellt. Der Zugang zum Weiher ist nun ein besserer, der Bauhof schneidet am Bewuchs. Große Freude bescherte der letztes Jahr neu eingeweihte Badesteg (der Kreisbote berichtete).

Der entscheidende Punkt: Wie kann der Schlamm nachhaltig entfernt und somit der Nährstoffeintrag im Weiher vermindert werden? Der Runde Tisch mit den Eigentümern, der benachbarten Gastronomie, der Fischerei und der Stadt hatte jüngst ein Gutachten beim Ingenieurbüro Dr. Koch dazu in Auftrag gegeben. Landschaftsarchitektin Tina Grossmann vom Tiefbauamt stellte es den zuständigen Stadträten vor.

Mehrere Maßnahmen seien nötig. Dreh- und Angelpunkt des Konzeptes sind drei Absetzbecken, in denen der Schlamm abgefangen wird, bevor er in den See gelangt. Zwei dieser Becken werden dabei durchströmt und klären das Wasser mit Pflanzen. Auf 350.000 Euro plus Baunebenkosten, diversen Untersuchungen und Flächenkauf bezifferte Grossman den Bau der Behälter.

Dann könne man daran denken, den See auszubaggern. Dabei werde nicht alles entfernt, weil die schützenswerten Bereiche wie die Seerosen unangetastet bleiben. Nach der Trocknung des Schlamms müssten noch 140.000 Kubikmeter entsorgt werden, was die Stadt 250.000 Euro kosten würde, „sofern es sich um unbelastetes Material handelt“, schränkte Grossmann ein.

Als weitere Maßnahme stellte sie das Mähen des Schilfes mit einem Mähboot vor: „Kürzt man das Schilf im Sommer, entfernt man gleichzeitig Nährstoffe.“ Das funktioniert aber nur auf mehrere Male, um die Tiere nicht zu gefährden. Auf 20.000 Euro beläuft sich die Aktion pro Jahr.

Neben einem Filterdamm, extensivierten Böschungslagen, Pufferstreifen, dem Rückbau von Drainagen und dem Ablassen des Weihers im Winter sprach Grossmann auch die Extensivierung der umliegenden Landwirtschaft an, durch die Nährstoffe in den See gelangt.

Nüchtern betrachteten die Stadträte die Angelegenheit. Michael Hofer (ÖDP) sah eine Bademöglichkeit für den Kemptener Osten als sehr zu begrüßen. „Aber unsere Finanzlage!“, wendete er sogleich ein. Umweltbeauftragter des Stadtrats Richard Hiepp (CSU) sprach von einer „unendlichen Geschichte“ und wies darauf hin, dass die Flächen im näheren Einzugsgebiet bereits nur von Biobetrieben bewirtschaftet werden. „Die Landwirtschaft wird immer intensiver.“ Wie der Rückbau von Drainagen bewerkstelligt werden solle, war ihm „ein Rätsel; die Dahinterliegenden freuen sich.“ Außerdem bezweifelte er, dass von der nahegelegenen Autobahn keine Schadstoffe in den Weiher gelangen.

„Die Ökologie ist eine sehr komplexe Angelegenheit“, meinte Siegfried Oberdörfer (SPD). Er könne nicht beurteilen, wie nachhaltig die Maßnahmen sind. Seit einigen Jahren wolle man in Bayern auch die Badegäste reduzieren, erklärte Oberdörfer mit dem Hinweis auf die Problematik Sonnencreme. Er wollte sich alle Seiten anschauen.

Klaus Knoll von den Freien Wählern, die sich stark für das Projekt einsetzen, interessierte sich für Fördermöglichkeiten. Wie Wirtschaftsreferent Dr. Richard Schießl erklärte, sei es bei Privateigentum schwierig, Fördertöpfe anzuzapfen. „Der Fischerverein Eschach und die Eigentümer würden sich aber durchaus in einem fünf- bis sechsstelligen Betrag an den Kosten beteiligen“, sagte er.

Die Grünen schüttelten den Kopf. Barbara Haggenmüller sagte zunächst „begeistert“ gewesen, jetzt aber „in der Realität angekommen“ zu sein. Theo Dodel-Hefele sah es als sehr problematisch, den Landwirten Vorschriften zu machen, zumal die fraglichen Landwirte aus dem Duracher Einzugsgebiet stammten. Er wollte „eher Abstand nehmen“. Roland Sauter vom Amt für Umwelt- und Naturschutz pflichtete bei. In früherer Zeit habe die Stadt bereits bei Duracher und Kemptener Landwirten für Extensivierung entlang der Bachstreifen geworben. „Sage und schreibe ein Bauer von 40 hat mitgemacht“, so Sauter.

Auch Oberbürgermeister Thomas Kiechle setzte eine ernste Miene auf. Er nannte die Eigentumsverhältnisse, die 1,3 bis 1,4 Millionen Euro plus Folgekosten und die Unsicherheit bei der Wirksamkeit als Gründe für seine Zweifel.

Stefan Keppeler, als Mitglied der Bachtelweiher-Initiative und Stadtjugendring-Vorsitzender findet es „schmerzhaft, so ein schönes Projekt auf die lange Bank zu schieben“. Aber Vorrang hätten derzeit nunmal andere Projekte. Der Stadtjugendring hätte am Bachtelweiher gerne ein Naturerlebniszentrum und einen Jugendzeltplatz errichtet, „somit wäre das Projekt zwar noch teurer, aber auch nachhaltig geworden“, so Keppeler.

kb/Susanne Lüderitz

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