Krank oder einfach nur im Weg?

Die Allee zwischen Dietmannsried und Heising ist weg

+
Auf die Frage, ob denn neue verkehrsrechtliche Bestimmungen die jetzige Fällung der teils mehr als hundertjährigen Bäume erzwungen hätten, antwortet der verantwortliche Abteilungsleiter im Landratsamt: „Zu der Zeit, von der Sie sprechen, waren die Leute noch mit Pferdefuhrwerken unterwegs. Da waren die Bäume wichtig als Schattenspender.“ Und heute?

Dietmannsried – Autofahrern, die häufiger auf der OA19 zwischen Heising und Lauben unterwegs sind, ist es vielleicht aufgefallen: Seit einigen Tagen sind bis auf einen alten Ahorn sämtliche der zum Teil über 100 Jahre alten Bäume entlang der Kreisstraße nicht mehr da.

Ein Anwohner der Straße, auf der tagtäglich Hunderte Fahrzeuge mit Tempo 100 zwischen den Gemeinden entlangrasen, erinnert sich: „In meiner Kindheit standen hier mehr als 30 Bäume. Das weiß ich so genau, weil ich damals immer entlang der Straße nach Dietmannsried zur Schule laufen musste und jeden einzelnen gezählt habe.“ Im Lauf der Jahre fielen immer mehr Bäume der Säge zum Opfer. Jetzt ist von der damaligen Allee nur noch ein einziger, einsamer Baum übrig.

Im Rathaus der Gemeinde Dietmannsried war man im Vorfeld nicht über die Baumfällaktion unterrichtet worden, denn die Pflege der Kreisstraße obliegt dem Landkreis. Vom Sachgebietsleiter des Tiefbauamtes am Landratsamt Christoph Wipper ist auf Nachfrage nach dem Warum zunächst zu erfahren, die Bäume seien an Eschentriebsterben erkrankt gewesen. Warum dann auch die Linden, Ahorne und Eichen entfernt wurden? Diese seien „vermutlich schadhaft gewesen, hätten Zwillingswuchs oder Anfahrschäden“ aufgewiesen. Ohnehin dürften im Hinblick auf die Verkehrssicherheit die ersten 7,5 Meter neben der Fahrbahn der Kreisstraße keinerlei Hindernis aufweisen. Und zu alledem komme die Tatsache, dass die OA 19 in einigen Jahren neu gebaut und verlegt werde (derKreisbote berichtete), wobei die Bäume dann „wahrscheinlich sowieso entfernt“ worden wären.

Einer, der den Kahlschlag bedauert und die genannten Ausführungen mit einigem Zweifel betrachtet, ist Stephan Sichler, Vorsitzender des Vereins für Gartenbau und Landschaftspflege im Dietmannsrieder Ortsteil Überbach, auf dessen Gemarkung besagte Allee stand. Der 43-Jährige moniert: „Erst im vergangenen Herbst präsentierte der Kreisverband für Obst und Gartenbau zu Recht zwölf markante und landschaftsprägende Bäume im Landkreis Oberallgäu. Diese waren von einer Expertenkommission aufwändig ausgewählt worden. Landrat Anton Klotz lobte und beglückwünschte damals die Eigentümer für deren Pflege und Erhalt. Im Nachhinein muss ich sagen: Das waren alles Sonntagsreden.“ Er bedauert: „So viele Bäume, die über hundert Jahre nicht gestört haben, müssen plötzlich sang- und klanglos weg. Ersatzlos. Die Gründe sind immer dieselben: Vorgeschobene Krankheit und angebliche Beschädigungen sind so überzeugend und augenfällig, dass die Wurzelstöcke oft schon taggleich weggefräst werden müssen.

So wird die öffentliche Hand ihrer Vorbildfunktion nicht gerecht“, findet er und fügt sarkastisch hinzu: „Die Gartenbauvereine können ja dann wieder in einem Gewerbegebiet einen ‚Baum des Jahres‘ pflanzen oder ihre Mitglieder zur Landesgartenschau nach Würzburg schicken. Man könnte meinen, der Verlust von Heimat, das Insektensterben, der Rückgang der Singvögel und die Feinstaubbelastung finden nur im Fernsehen statt.

Sabine Stodal

Auch interessant

Meistgelesen

Kreisbote Festwochengaudi 2018 lockt vor die Linse
Kreisbote Festwochengaudi 2018 lockt vor die Linse
Kreisbote Festwochengaudi: Das erste Wochenende macht Laune 2
Kreisbote Festwochengaudi: Das erste Wochenende macht Laune 2
Der Montag lief bei der Kreisbote Festwochengaudi gemächlich an
Der Montag lief bei der Kreisbote Festwochengaudi gemächlich an
Video
So finden Sie den richtigen Boden für Ihr Zuhause
So finden Sie den richtigen Boden für Ihr Zuhause

Kommentare