"Du!" "Nein du!"

Bahnhof: Verkehrsminister gibt Hold einen Korb

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Der Tunnel unter den Gleisen des Hauptbahnhofes soll nach den Plänen der Bahn verschönert werden, doch sein östlicher Zugang von der Eich soll für Rollstuhlfahrer und Kinderwägen weiterhin ein Hindernis bleiben.

Kempten – Das hatte sich Alexander Hold (FW), Vorsitzender der Stadtratsfraktion Freie Wähler/ÜP und Landtagsvizepräsident anders vorgestellt.

Eigentlich wollte er mit Verkehrsminister Dr. Hans Reichhart am Montagvormittag den Osteingang des Kemptener Hauptbahnhofes in Sachen Barrierefreiheit besichtigen. Doch der hatte kurzfristig abgesagt mit dem Verweis, dass er den Kemptener Bahnhof bereits kenne. Schon seit Längerem gärt in der Stadt der Unmut über die Umbaupläne der Deutsche-Bahn-Tochterfirma DB Station & Service für den Kemptener Hauptbahnhof. In einer Stadtratssitzung im April hatten sich die Vertreter der Firma einiges von den Stadträten anhören müssen (der Kreisbote berichtete). Das Ziel der Barrierefreiheit ist eigentlich ein hehres, doch mit der Umsetzung ist man nicht zufrieden: Die Bahn plant für jeden auszubauenden Bahnhof einen barrierefreien Zugang. In Kempten sieht sie dafür den westlichen Haupteingang vor, für Alexander Hold „eine Farce“. Denn dieser sei bereits seit 1969 barrierefrei. Dagegen ist der Zugang von Osten respektive der Eich, wo sich auch viele Parkplätze befinden, nur über eine lange, steile Treppe zu erreichen.

Im Zuge der Umbaumaßnahmen sollen die zu erneuernden Bahnsteig-Überdachungen auch von derzeit 140 auf 65 Meter gekürzt werden. „Diese orientieren sich an dreigliedrigen S-Bahn-Zügen, das nützt uns hier im Allgäu nichts“, erklärte Hold und spricht von „absehbaren unzumutbaren Situationen im Winter“. Zudem bezweifelt er, dass auf den freien Teilen der Bahnsteige genügend Schnee geräumt werde. Hold hatte den Besichtigungstermin mit Reichhart am Bahnhof anberaumt, weil der Umbau mit Hilfe von Geldern aus einem bayerischen Förderprogramm finanziert wird. 

Das „Bayerische Aktionsprogramm für barrierefreie Stationsinfrastruktur 2021“, kurz: BABSI 21, war 2016 auf den Weg gebracht worden, weil – wie es in dessen Beschreibung heißt – der Staatsregierung „die vom Bund finanzierten Ausbaupläne nicht schnell und nicht weit genug“ gehen. Überhaupt kein Verständnis zeigte Hold am Montag dafür, dass man die Mittel für den einen barrierefreien Zugang nicht für den östlichen verwenden kann. Auch Bau- und Verkehrsminister Reichhart kritisierte: „Ich würde mir wünschen, die Bahn kommt ihren Pflichten nach.“ Er verwies aber auf die Zuständigkeit des Bundes. Die Leistungen, die der Freistaat „für den für uns idealen Ausbau“ beisteuere, seien vollkommen freiwillig und beliefen sich in Kempten auf rund 21 Millionen Euro. Hold darauf: „Es kann nicht sein, dass jeder den schwarzen Peter dem anderen zuschiebt.“ 


Susanne Lüderitz

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