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Bald fahren Kemptener und Oberallgäuer Busse mit einheitlichem Tarif 

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Von: Helmut Hitscherich

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Blauer Bus bei Tag
Der Kemptener Finanzausschuss hat zugestimmt, dass die Kemptener und Oberallgäuer künftig zu den gleichen Tarifen fahren und über bisherige Netzgrenzen hinaus. Die Stadt gibt eine Finanzspritze für mehrere Tickets. Schon jetzt, im Oktober und November gibt es an den Wochenenden jeweils ein Tagesticket zu 50 Cent für die Buslinien im Oberallgäu und in Kempten. © Gutsmiedl

Die Tarifharmonisierung im Mona-Areal Kempten und Oberallgäu ist bringt Ermäßigungen und Übersichtlichkeit für die Kunden.

Aktuell gibt es innerhalb des Mona-Areals drei verschiedene Tarifgebiete. Die Stadt Kempten mit dem nördlichen Oberallgäu, das südliche Oberallgäu (VGOA) und das Ostallgäu mit der Stadt Kaufbeuren (OVG). In jedem dieser Gebiete wird bislang ein eigenständiger Tarif angewendet. Für Fahrten darüber hinaus müssen aktuell mehrere Tickets erworben werden. Hinzu kommen unterschiedliche Tarifangebote und Tarifbestimmungen, die den Zugang zum ÖPNV zusätzlich erschweren. Dies ist für den Fahrgast kompliziert, unübersichtlich und nicht zuletzt auch teuer. Die Mona GmbH hat daher die konzeptionelle Entwicklung einer Tarifharmonisierung in Begleitung eines externen Gutachterbüros angeregt. Lange waren auch Kaufbeuren und das Ostallgäu mit im Boot, die kurzfristig abgesprungen sind. Für das Oberallgäu und Kempten gibt es jetzt Genaueres zu den neuen Verbesserungen. Das war Thema im Kemptener Haupt- und Finanzausschuss. Mit der Tarifharmonisierung soll eine einheitliche Tarifstruktur sowie aufeinander abgestimmte Tarifangebote geschaffen werden. Hieraus entwickelte sich ein Gemeinschaftsprojekt von 18 Verkehrsunternehmen und vier Aufgabenträgern unter der Federführung der Mona und Stadtrat Helmut Berchtold (CSU).

Viele Ermäßigungen sind geplant

Das Projekt wird im Rahmen einer LEADER-Förderung gefördert. Antragsteller und Förderungsempfänger ist die Mona GmbH. Im Ergebnis wurde ein neues harmonisiertes Ticketsortiment ausgearbeitet, welches für das Gebiet der Stadt Kempten, des nördlichen sowie des südlichen Oberallgäus umgesetzt werden soll. So soll es künftig ermäßigte Einzel- und Mehrfachfahrkarten sowie Tagestickets Bus/Bahn geben, ferner Wochen- und Monatskarten für Erwachsene und Azubis. Ein ermäßigtes Tagesticket für Familien soll ebenfalls eingeführt werden sowie eine ermäßigte AboCard und JobCard für Erwachsene und für Schüler ein Aboticket pro Schuljahr. Die Zeitkarten ab einer einmonatigen Gültigkeitsdauer haben zusätzlich Netzgültigkeit. Dies stellt eine erhebliche Verbesserung. für die Kunden dar. Netzgültigkeit bedeutet, dass die Zeitkarten für das gesamte Netzgebiet (Oberallgäu und Kempten) gültig sind und nicht – wie bisher – nur auf einer vorher festgelegten Strecke. Die Netzgültigkeit gilt unter der Woche ab 10 Uhr und am Wochenende ganztags. Die Gesellschafter der Mona GmbH haben der Beantragung des harmonisierten Tarifs bei der Regierung von Schwaben zum 1. September 2022 zugestimmt. Sie haben sich also darauf geeinigt, den Tarif ab erfolgter Genehmigung und nach technischer Umsetzung anzuwenden.

AboCard und JobCard werden günstiger 

Die Stadt Kempten leistet bislang bereits Zuschüsse zur AboCard, der JobCard, der AzubiCard, dem Tagesticket Bahn/Bus und dem Schülerticket. Mit der Tarifharmonisierung werden auch weiterhin Zuschüsse für diese Ticketangebote vorgesehen. Hinzu kommen Zuschüsse für die neu eingeführten Mehrfahrtenkarten. Für AboCards und JobCards soll sich der städtische Zuschuss künftig auf ein Drittel der Kosten einer Monatskarte belaufen. Bislang wurden 26,67 Prozent gewährt. Für den Bürger bedeutet dies, dass eine AboCard und eine JobCard zu einem günstigeren Preis erworben werden können. Die Mehrfahrtentickets sollen künftig mit rund 17,65 Prozent bezuschusst werden. Für den Kemptener Bürger heißt dies wiederum, dass er bei dem Erwerb einer 10er-Mehrfahrtenkarte einen Endpreis von sieben Einzelfahrten zahlt. So kostet beispielsweise eine JobCard künftig statt 15,03 Euro dann 10,20 Euro, die AboCard Erwachsene statt 29,58 Euro 24,20 Euro und die JobCard Azubi statt 13,04 Euro nur 7,20 Euro. Durch die Einführung des harmonisierten Tarifs und die Übernahme der Zuzahlung entstehen für den Haushalt der Stadt Kempten ab dem Jahr 2023 Mehrkosten in Höhe von 110.000 Euro.

Damit erhöhen sich die Zuschusszahlungen auf 550.000 Euro. Die Beihilfen für die Schülertickets, welche auch angehoben werden, werden seitens des Amts für Kindertagesstätten, Schulen und Sport eingeplant. Für die Kunden gibt es somit etliche Verbesserungen: ein Einheitliches Ticketsortiment für das gesamte Gebiet des Landkreis Oberallgäu und der Stadt Kempten, ein Ticket für Reisen über bisherige Tarifgebietsgrenzen hinaus, günstigere Jahresabonnements durch die Anpassung der Zuzahlungsmodalitäten sowie die Netzgültigkeit für Zeitkarten (Monats-Ticket, AboCard, JobCard, Schülerticket). Für Josef Mayr (CSU) ist das ein Quantensprung: „Wie kommen diese Neuerungen an die Zielgruppen, damit das auch ein Erfolg wird?“, wollte er wissen. Andreas Kibler (FW-ÜP) interessierte, wie viel künftig die Schülertickets kosten. Laut Helmut Berchtold (CSU und Stellvertretender Vorsitzender der Mona) wurden seitens der Mona alle Maßnahmen vorbereitet. „Die Schülertickets sind ganz nah an den anderen Preisen.“ Berchtold (CSU) bedauerte, dass Kaufbeuren und das Ostallgäu kurz vor dem Ziel ausgestiegen sind, weil sie die Verbundintegration vorziehen.

„Frustrierende Verhandlungen“

„Die letzten fünf Monate waren für mich hochfrustierend.“ Man habe fünf Jahre an diesem Projekt gearbeitet, „und jetzt das“. Wer Verbundintegration wolle, müsse wissen, dass die Bahn an Bord geholt werden muss, so Berchtold. „Was können wir uns als Kommune überhaupt leisten? Jetzt sind es 110.000 Euro Zusatzkosten, in der Verbundintegration sind es sechs Millionen Euro.“ Oberbürgermeister Thomas Kiechle bedauerte den Ausstieg von Kaufbeuren und dem Ostallgäu ebenfalls. „Wichtig für uns ist es, die Tarifharmonisierung Kempten-Oberallgäu umzusetzen. Dem Marketing kommt eine wichtige Aufgabe zu. Auf Dauer können wir nicht Millionenbeträge zuschießen.“

Die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses beschlossen einstimmig, dass die Stadt Kempten die Umsetzung der Tarifharmonisierung umsetzt, um so einen Beitrag zur Attraktivitätssteigerung des ÖPNV in der Region zu leisten. Der Einführung zu den genannten Konditionen wurde zugestimmt. Ebenso, dass ab dem Jahr 2023 ein Betrag in Höhe von 550.000 Euro im Haushalt des Amt 18 bereitgestellt wird. Ferner wurde die Verwaltung beauftragt, die erforderliche allgemeine Vorschrift abschließend zu erarbeiten. Kiechle wurde ermächtigt, die allgemeine Vorschrift zu unterzeichnen.

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