Klangschönstes Geläute im Allgäu

Bald läuten die Altusrieder Glocken in der katholischen Pfarrkirche wieder

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Kirchenpfleger Wilfried Kiechle (l.) und Mesner Siegfried Bösele zeigen die restaurierte Patroziniumsglocke.

Altusried – Die Glocken der katholischen Pfarrkirche St. Blasius und Alexander läuten seit Ende Januar nicht mehr, die großen Zeiger der Kirchturmuhr bewegen sich nicht und stehen immer auf derselben Stelle.

Der Grund dafür sind die Renovierung der im Jahr 1777 gegossenen Patroziniums-Glocke und die Erneuerung des Glockenstuhls im 700 Jahre alten Turm des Altusrieder Gotteshauses. Nach technisch bedingten Verzögerungen rechnen Kirchenpfleger Wilfried Kiechle und Mesner Siegfried Bösele Ende Mai mit dem Abschluss der Arbeiten. Bereits Ende 2016 war die „Renovierung des Glockenstuhls“ für die katholische Kirchengemeinde St. Blasius ein Thema.

Der Glockensachverständige des Bistums Augsburg, Pater Stefan Kling, stellte bei seiner Begutachtung neben einem Defekt an der Patroziniums-Glocke zusätzliche Probleme mit der Aufhängung, den Stahlträgern und der überalterden Antriebstechnik für die insgesamt sechs Bronzeglocken fest. Die Stahlkonstruktion des Glockenstuhls belaste die Struktur des Turmes, habe Kling den Verantwortlichen um den leitenden Pfarrer Anton Zech mitgeteilt. „Er hat einen Glockenstuhl aus Holz vorgeschlagen“, erklärt Kirchenpfleger Kiechle. Im Sommer 2018 wurde nach Neuberechnungen durch die Firma Dr. Schütz Ingenieure in Kempten schließlich die Renovierung beschlossen.

Die Firma „Glockengießerei und Glockenbautechnik“ Perner aus Passau erhielt den Zuschlag für die baulichen Maßnahmen, im Glockenschweißwerk der Firma Lachenmeyer in Nördlingen wurde die Patroziniums-Glocke repariert. Die Kosten belaufen sich auf rund 165.000 Euro und müssen komplett von der Pfarrei aufgebracht werden. Im Jahr 1952 hatten die Altusrieder vier Bronzeglocken in Lauingen gekauft, um das Geläut nach dem Zweiten Weltkrieg wieder zu komplettieren. Die Dreifaltigkeitsglocke (Ton „h“) misst im Durchmesser 164 Zentimeter und wiegt 2700 Kilogramm (kg), die Marienglocke (Ton „e“) hat einen Durchmesser von 122 Zentimetern und bringt 1120 kg auf die Waage, die Heilig-Kreuz-Glocke (Ton „a“) weist 91 Zentimeter Durchmesser und 470 kg auf und die Schutzengel-Glocke ist mit 81 Zentimeter und 330 Kilogramm Gewicht die kleinste im Geläut. 

Die Motoren des Antriebs stammten aus dem Jahr 1952, die Technik allerdings sei noch aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, berichtet Siegfried Bösele. Die vier neuen Bronzeglocken ergänzen die im Krieg nicht zerstörten Exemplare, die Zwölfer-Glocke (Ton „fis“) aus dem Jahr 1524, die 108 Zentimeter im Durchmesser groß ist und 725 kg wiegt, sowie die Patroziniums-Glocke (Ton „d“), die 1777 in Memmingen gegossen wurde. Diese ist bei 145 Zentimetern Durchmesser 1810 Kilogramm schwer und hatte schadhafte Stellen. „Obwohl sie immer gedreht wurde, hat die Anschlagstelle irgendwann einen Riss bekommen, der geschweißt werden musste“, schildern die beiden Altusrieder. Im Anschluss an die Reparatur im Spezialbetrieb in Nördlingen wurde die Glocke bereits wieder in den Turm gebracht. Der Abbau des alten Stahl-Glockenstuhls erfolgte Ende Februar. Für das Einbringen der schweren Stahlträger musste ein Kran eingesetzt werden. Für Maurer- und Malerarbeiten wurde zudem ein Gerüst aufgebaut. Nach dem Einbau der Eichenholz-Konstruktion, die auf den Stahlträgern liegt, werden die Glocken nun an ihre zugeordnete Position gebracht. „Sie dürfen sich gegenseitig nicht behindern“, erklärt der Mesner. Neu ist außerdem der Anschlag, der die Bronzeglocken künftig mit einer Art Bolzen zum Klingen bringen wird. Der Klang der Glocken mische sich übrigens erst draußen zu einem harmonischen Geläut, erklärt er weiter: „Hier im Turm ist das eher ein lauter Krach.“ Und nach der Renovierung werde das Zusammenspiel der Glocken, das vom Videokanal „Glockenfampf“ als eines der „klangschönsten Geläute im Allgäu“ bewertete wurde, wieder weithin zu hören sein. 


Sabine Verspohl-Nitsche

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