Kein neuer Tunnel in der Stadt

"Nicht finanzierbar"

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Offenbar kaum genutzt wird die Freudenbergunterführung. Daher steht jetzt eine Schließung zur Debatte.

Kempten – Die Pläne für den Bau eines Verkehrstunnels unter dem Freudenberg scheinen vom Tisch zu sein: Verschiedene Stadträte sprachen sich im Bauausschuss am Donnerstag für eine Schließung der Unterführung aus – es sei denn, ein Investor übernimmt die Sanierung und sorgt für neue Ladenmieter.

Ein Verkehrstunnel hingegen sei „einfach nicht notwendig und finanzierbar“, lautete der Tenor. Endgültig entschieden wurde allerdings noch nicht.

Nachdem in den vergangenen Wochen vielerorts die Diskussion wieder entbrannte, was mit der 1965 gebauten Freudenbergunterführung geschehen soll, sah sich die Verwal- tung zum Handeln veranlasst und prüfte vier verschiedene Szenarien. Am Donnerstagabend stellte Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann diese im Ausschuss vor (siehe unten). Wie sich zeigte, stehen sowohl die Bauverwaltung als auch die Stadträte dem zuletzt wieder ins Gespräch gebrachten Bau eines Verkehrstunnels (der KREISBOTE berichtete) äußerst kritisch gegenüber: Zu teuer, zu aufwendig, zu lange Bauzeit, lauteten die einhelligen Argumente.

FDP-Stadtrat Bruno Steinmetz, der sich bereits vor Jahrzehnten als Tiefbauamtsleiter mit der Problematik konfrontiert sah, bezeichnete das Vorhaben als „heller Wahnsinn“. „Wenn sich keine Lösung findet, dann muss man sie zumachen und komplett auffüllen“, sagte er. Die einzige Alternative, der er noch sehe, sei eine Sanierung durch einen Investor. CSU-Fraktionschef Erwin Hagenmaier äußerte ebenfalls die Meinung, dass die Unterführung überflüssig sei. Außerdem gab er zu bedenken, dass in spätestens 20 Jahren der Überbau für viel Geld erneuert werden müsse. Daher beantragte er, zu prüfen, wie die Unterführung dauerhaft geschlossen werden könne.

Siegfried Oberdörfer von der SPD verwies auf das Beispiel München. „Unterführungen werden auf Dauer nicht angenommen“, sagte er. „Die Lösung mit einem Investor halte ich für äußerst fragwürdig.“ Zudem sei die Unterführung nicht barrierefrei.

Tiefbauamtsleiter Wiedemann hatte zuvor ebenfalls Bedenken angemeldet. Technisch sei der Bau eines 18 bis 19 Meter langen Tunnels zwar durchaus machbar. Angesichts der Bedeutung der Beethovenstraße für den innerstädtischen Verkehr gleiche der Eingriff aber „einer OP am offenen Herzen“ – bis zu zwei Jahre könnte keine Auto die Kreuzung passieren. Ein bis zwei Jahre Bauzeit sowie vorsichtig geschätzte Kosten in Höhe von 7,5 bis 9,5 Millionen Euro seien darüber hinaus „sehr sehr schwierig und kaum darstellbar“.

OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) sprach sich ebenfalls gegen einen Tunnel aus und hinterfragte den Sinn der Unter- führung grundsätzlich. 1965 sei der Fußgängertunnel gebaut worden, um die Passanten von einer Seite der Straße auf die andere zu bringen. „Aber um die Fußgänger über die Straße zu bekommen, brauche ich heute die Unterführung nicht mehr“, verwies er auf die bestehende Ampelanlage. Sollte ein Investor auf den Plan treten, der die Unterführung ausbauen und mit Geschäften schmücken wolle, „kann er das gerne machen.“ Steuergelder dürfe er dann allerdings keine erwarten, da in diesem Fall kein öffentlicher Zweck vorliege.   Matthias Matz

Vier verschiedene Varianten zur Zukunft der Freudenbergunterführung stellte Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann am Donnerstagabend vor. Die Vorschläge reichten vom Beibehalten des Ist-Zustandes bis zum Bau eines rund 20 Meter langen Verkehrstunnels.

Variante 1: Status Quo

Nach aktuellen Zählungen wird die Fußgängerunterführung derzeit mittags lediglich von neun Prozent der Passanten genutzt. 91 Prozent nehmen den oberirdischen Weg. Bauwerksprüfungen haben ergeben, dass eine Teilsanierung diverser Schäden in nächster Zeit anstehe. „Die festgestellten Schäden bestehen hauptsächlich in der Durch- feuchtung der Wände und Treppenaufgänge sowie Abplatzungen in diesem Bereich“, berichtete Wiedemann. Die Unterführung selbst sei bis auf kleinere Schäden in Ordnung. Eine Schätzung der Kosten könne aber erst nach einer turnusmäßigen Einzelprüfung, die heuer anstehe, erfolgen. In der Unterführung selbst befinden sich vier kleine Ladenräume, von denen drei leer stehen. Dazu jeweils ein Ausgang des Drogeriemarktes Müller, des Zentralhauses und des Illerkaufs, die derzeit allerdings alle geschlossen sind. Der Müller-Ausgang dient dabei auch als Notausgang. Die Stromkosten pro Jahr betragen 7000 Euro.

Variante 2: Schließen der Unterführung

Angesichts der geringen Frequentierung durch Passanten liege eine Schließung der Unterführung nahe. Voraussetzung sei jedoch, dass der Ausgang des Drogeriemarktes Müller in die Unterführung als Notausgang erhalten bleibe. „Dies lässt sich durch einen Gang gewährleisten, welcher Richtung Illerkauf und dort über den bestehenden Gang Richtung Freudenberg ins Freie führt“, erläuterte Wiedemann. So blieben die Ausgänge Illerkauf und im Bereich des Asia-Ladens weiterhin benutzbar. Die Treppenaufgänge würden abgebrochen und aufgefüllt. Die Unterführung könnte dann ein Hohlraum bleiben, der wie jedes Brückenbauwerk regelmäßig überprüft werden müsste. Der Zugang würde über den Notausgang erfolgen.

Variante 3: Erweiterung der Angebote

Um den optischen Eindruck zu verbessern, wäre eine Umgestaltung und Umnutzung durch eine Erweiterung der Untergeschossfläche denkbar. So könnten Cafés, kleine Läden und öffentliche Toiletten untergebracht werden. Die drei Zugänge zu Müller, Zentralhaus und Illerkauf könnten dabei wieder geöffnet werden. Erste Überlegungen eines Investors lägen bereits vor. „Bei diesem Konzept“, so Wiedemann, bliebe die Unterführung nur während der Öffnungszeiten der Geschäfte geöffnet.

Variante 4: Verkehrstunnel

Da es sich um eine Bundesstraße handle, müsse eine Durchfahrtshöhe von 4,5 Metern gewährleistet werden. Für die Fahrbahn sind fünf Meter Breite angedacht, dazu kämen zwei Streifen für Radfahrer mit einer Breite von jeweils 1,25 Metern. Sollten allerdings Lkws den Tunnel passieren, sei es unvermeidlich, dass die Schutzstreifen vom Autoverkehr mitgenutzt würden. „Eine Alternativlösung mit halbhoch geführtem Radweg ist aus Platzgründen nicht umsetzbar“, betonte Wiedemann. Unbedingt beachtet werden müssen auch die Feuerwehrzufahrt an den Illerkauf oberhalb KiK, die Eingänge von Zentralhaus und Drogeriemarkt Müller sowie die Vorgabe, noch vor der Linggstraße (Parktheater) wieder die ursprüngliche Straßenhöhe zu erreichen. Das maximale Gefälle der Tunnelzufahrt würde – ähnlich dem Freudenberg – neun Prozent betragen. „Um die geforderte Höhe im Bereich der Kreuzung zu erhalten und trotzdem noch vor der Kreuzung Linggstraße wieder die Bestandshöhe zu erreichen, muss der Kreuzungsbereich Bahnhofstraße und Fischerstraße ca. 0,7 Meter angehoben werden“, so Amtsleiter Markus Wiedemann. Dadurch gebe sich im Verlauf der Fußgängerzone ein Anstieg von bisher 4,5 auf acht Prozent. Außerdem müsse der Busverkehr aus der Bahnhofstraße bedacht werden. Hinsichtlich der Bauzeit geht der Tiefbauamtsleiter von ein bis zwei Jahren aus. Die Kosten schätzte er am Donnerstag im Bauaus- schuss auf 7,5 bis 9,5 Millionen Euro. 

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