Grün, grün, grün sind fast alle Dächer

Bauausschuss stimmt für begrünte Firmendächer im Bereich Bühl Ost

+

Kempten – Eine Diskussion ist im jüngsten Bauausschuss darüber entbrannt, ob die Fachschule für Milchwirtschaft und Molkereiwesen das Dach ihres geplanten Anbaus begrünen muss. Auf der Tagesordnung stand die Aktualisierung des dortigen Bebauungsplans, der jetzt „Bühl Sonder- und Gewerbegebiet“ heißt und neben der Schule auch die Gelände der Firmen Gea, Cancom, Sontheim, Seitz sowie Dachser umfasst.

Die Fachschule für Milchwirtschaft und Molkereiwesen soll in Richtung Norden und Osten Zuwachs erhalten. Neu ist, dass der Bebauungsplan eine höhere Bauhöhe als bisher zulässt. „Die Ansicht des Gebiets in der Nähe des denkmalgeschützten Spitalhofs ändert sich, aber dadurch sparen wir Fläche“, sagte Stadtplanungsamtsleiterin Antje Schlüter. Im neuen Plan sind nun auch die veränderten Grundstücksverhältnisse, der Park- und-Ride-Parkplatz, die verlegte Hauptgasleitung und bereits gebaute Straßen verzeichnet.

Angestoßen wurde das Thema Dachbegrünung von Theo Dodel-Hefele (Grüne), der auf den großen Erfolg des Volksbegehrens Artenvielfalt hinwies. „Eine Dachbegrünung ist immer eine extensive Fläche mit einem tollen Nahrungsangebot für Insekten“, sagte er. Auch von der Dachlast her sei eine Begrü- nung machbar. Aus den Schwarzen Reihen wisperte es: „Das ist doch Populismus.“ Unterstützung fand der Anstoß bei Siegfried Oberdörfer (SPD), Hans-Peter Hartmann (Freie Wähler) und Michael Hofer (ÖDP). Wie Stadtplanungsamtsleiterin Antje Schlüter erklärte, sei in den Bebauungsplänen „Bühl-Ost“ und „Auf dem Bühl – 3. Änderung Molkereifachschule“, die nun zum neuen Bebauungsplan zusammengefasst werden, jeweils eine Begrünung vorgesehen gewesen, um Niederschlagswasser zurückzuhalten. Bisher habe der Bauausschuss die Bauherren aber stets davon befreit und die finanziell günstigere Bauweise gewährt. Es hat sich gezeigt, dass das Rückhaltebecken genügend Volumen umfasst, sodass in diesem Vorentwurf auf die Dachbegrünung verzichtet worden sei. Vom Tisch sei das Thema spätestens dann, wenn ein geneigtes Dach entstehe, sagte Schlüter und verwies darauf, dass bei der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange sowieso Einwände kommen werden. CSU-Fraktionsvorsitzender Erwin Hagenmaier interessierte sich dafür, wer von der Regelung dann betroffen sei, schließlich gelte für bereits erbaute Gebäude Bestandsschutz. Dies seien die Schule und Firma Sontheim, die ebenfalls eine Erweiterung plant. OB Thomas Kiechle brachte die Problematik auf den Punkt: „Ist die Ökologie oder die Gleichbehandlung wichtiger?“. Sicher war er sich, dass das Thema Artenschutz – auch durch den jüngsten Runden Tisch – künftig mehr in den Fokus rücken und auch Auswirkung auf die Stadtpolitik haben werde. Baureferent Tim Koemstedt rief die Vorteile einer solchen Begrünung ins Gedächtnis. Neben der Feinstaubbindung, dem Regen-Rückhalt und der Artenvielfalt sei ein dahingehender Beschluss auch ein Signal an die Öffentlichkeit. Und so kam es dann auch: Mit drei CSU-Gegenstimmen von Hagenmaier, Karl Sperl und Franz Mayr wurde die Dachbegrünung in den Vorentwurf des Bebauungsplans aufgenommen. Für die parallel laufende Änderung des Flächennutzungsplans wird die Öffentlichkeit noch bis 26. März frühzeitig beteiligt.

Susanne Kustermann

Auch interessant

Meistgelesen

Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!
Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!
1800 Gäste reisen zum Grünen Aschermittwoch mit Robert Habeck nach Sulzberg
1800 Gäste reisen zum Grünen Aschermittwoch mit Robert Habeck nach Sulzberg
Polizeipräsidium Schwaben Süd-West kündigt für 2020 mehr Polizeikontrollen an
Polizeipräsidium Schwaben Süd-West kündigt für 2020 mehr Polizeikontrollen an
Bündnis "Seebrücke Kempten" informiert Bürger über die Realitäten der Flüchtenden
Bündnis "Seebrücke Kempten" informiert Bürger über die Realitäten der Flüchtenden

Kommentare