Nach spanischem Vorbild

Bauernmarkt in der Allgäuhalle? - Otto Wölfle wünscht sich »Un mercado de agricultores para Kempten!«

Allgäuhalle Kollage Nutzung als Markthalle
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Wie könnte die Allgäuhalle zukünftig genutzt werden? Neben der Idee eines Künstlerquartiers bringt der Kemptener Otto Wölfle eine Nutzung als Bauernmarkt ins Spiel.

Kempten – Wer schon Spanien und Portugal bereiste, der kennt sie nur zu gut. In vielen Städten gibt es die Mercados, öffentlich zugängliche Gebäude in kommunalem Besitz, meist in Hallenbauweise errichtet, die den Bauern der Gegend erlauben, dort ihre Waren Einheimischen wie Touristen anzubieten. Häufig sind diese lokalen Märkte täglich geöffnet und stellen somit eine starke Konkurrenz zu den großen Supermarktketten dar. Aufgrund der Vielfalt der dargebotenen Lebensmittel und des authentischen Lokalkolorits sind die Mercados nicht zuletzt bei Touristen auch als Fotomotive sehr beliebt. Der Kemptener Otto Wölfle möchte, dass auch seine Stadt eine solch täglich geöffnete Markthalle bekommt, und hat dafür die Allgäuhalle ins Visier genommen.

„Die Stadt Kempten hat die einmalige Gelegenheit, zwei denkmalgeschützte Gebäude, die seit Jahr und Tag der Landwirtschaft dienen, ohne allzu hohe Umbaukosten wieder der Landwirtschaft zur Verfügung zu stellen, – und zwar zur Vermarktung ihrer biologisch und umweltfreundlich erzeugten Produkte“, sagt Wölfle. Der engagierte Bürger meint, die Allgäuhalle wäre der ideale Ort, um dem Endverbraucher sowohl tierische wie pflanzliche Produkte aus der Region anzubieten. Ein Kriterium zur Zulasssung zum täglichen Bauernmarkt sollte die umweltfreundliche und nachhaltige Erzeugung der Lebensmittel sein.

Faire Preise

Nach Ansicht des Bürgers Wölfle sollte der direkte Weg zum Verbraucher, neben der klassischen Schiene Einzelhandel mit Discountern und Supermärkten, aber in jedem Fall auch der traditionelle Bauernmarkt in einer Stadt sein. Hier, so Wölfle, haben die Erzeuger der Produkte die Möglichkeit, ihre Waren zu besseren und fairen Preisen direkt an die Verbraucher zu verkaufen. Und ein solcher Ort könnte nach seiner Vorstellung eine renovierte Allgäuhalle sein. So schwebt Wölfle ein Markt mit Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Käse, Honig sowie Brot und Backwaren vor. Ergänzt werden könnte das Angebot um u. a. Pflanzen und Blumen oder eine Milchbar mit Frischmilchverkauf und Milchmixgetränken. Auch ein Speiseeisverkauf wäre möglich, wie Wölfle meint. Den Markt beleben könnte seines Erachtens auch ein Gastronomiebetrieb, der zugleich eine Tafel für Bedürftige bereithalten könnte. Nach der Vorstellung Wölfles müssten die Hauptgebäude entkernt werden, um Platz für Stände und Lagerung zu schaffen. Als Ergänzung sollen saisonal auch Produkte aus anderen Regionen angeboten werden dürfen, sei es u. a. vom Bodensee oder aus Südtirol. Zudem könnte rund um die Allgäuhalle ein Garten mit Bewirtschaftung entstehen.

Diskussionswürdiger Einwurf?

Um aus der Umklammerung der Lebensmittelindustrie und des allmächtigen Handels zu kommen, sollten die Bauern nach Vorstellung Wölfles den Weg der Direktvermarktung suchen. Nur im Kontakt zum Endverbraucher ist es möglich, einen besseren Preis für die eigenen, nachhaltig produzierten Lebensmittel zu erzielen. Ein täglich geöffneter Bauernmarkt würde hier als Plattform dienen. In unmittelbarer Nähe zur ehemaligen Viehzuchthalle gäbe es ausreichend Parkplätze, zumal auf dem Telekomgelände an der Bahnhofstraße der Bau eines neuen Parkhauses geplant ist. „Der Standort für den Wochenmarkt auf dem Hildegardplatz ist eben aufgrund des dortigen Durchgangs- und parkplatzsuchenden Verkehrs problematisch.“ Die Allgäuhalle in einen Ort rein für moderne Kunst umzufunktionieren, wie es die Initiative KQA (KulturQuartierAllgäuhalle) fordert, beurteilt Wölfle kritisch. Er sieht aufgrund der Historie das Recht auf eine weitere Nutzung der ehemaligen Tierzuchthalle zuerst bei der heimischen Landwirtschaft. Auch wenn die Idee einer Nutzung der Allgäuhalle als Bauernmarkt Fragen aufwirft – Was passiert mit dem Wochenmarkt auf dem Hildegardplatz? Wer wird zukünftig die Parkplätze an der Allgäuhalle nutzen dürfen und was geschieht mit dem dort beheimateten Flohmarkt? – wirft Wölfle seinen Gedanken mit in den Ring für mögliche Nachnutzungen. Seine Idee eines Bauernmarktes hat er deshalb bereits an 2. Bürgermeister Klaus Knoll in schriftlicher Form übergeben.

Jörg Spielberg

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