Zufahrt von Süden

Baugebiet Hinterbach Nord: Bauausschuss billigt Aufstellungsbeschluss

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Zwei Vollgeschosse mit Ausbaumöglichkeit in der Ebene des Satteldaches sind für die meisten der geplanten Häuser vorgesehen.

Kempten – Der Bebauungsplan für das Neubaugebiet Hinterbach Nord wird bereits mit Spannung erwartet. Vor knapp einem Jahr hatten die Hinterbacher ihre Sorgen und Wünsche zur Neubausiedlung geäußert (Der Kreisbote berichtete). Am Donnerstag vergangene Woche billigte der Bauausschuss einstimmig den Aufstellungsbeschluss. Morgen steht das Thema im Stadtrat an. Eine nördliche Zufahrt zum Baugebiet, wie sie die Mehrheit der Hinterbacher mit einer Unterschriftenliste gefordert hatte, ist in diesen Plänen erst einmal nicht vorgesehen.

Um 23 Einfamilien- und vier Doppelhäuser soll Hinterbach am nördlichen Ortsrand wachsen. Hinzu kommt auch der Um- bzw. Ausbau der ehemaligen Hofstelle an der Jakob-Zeller-Straße mit acht Wohneinheiten. Die meisten Grundstücke werden zwischen 440 und 640 Quadratmeter groß sein. Zu ihren Häusern gelangen die Bewohner über eine Ringstraße, die an die Hinterbacher Straße angeschlossen ist. Quer durch diesen Ring soll ein Fußweg zum nördlichen Ortsrand führen, wo ein Spielplatz für sechs- bis zwölfjährige Kinder entstehen soll. Dort sind auch Rückhalteflächen und Wasserspeicher vorgesehen, um einen nach Norden fließenden Bach nicht zu überfluten. Den bisher verrohrten Bach, will die Verwaltung als nördliche Begrenzung des Baugebiets öffnen und begrünen. 

Zwar ist für landwirtschaftliche Fahrzeuge eine Zufahrt zu den Wiesen nördlich des Baugebiets vorgesehen, doch erst einmal soll diese nicht nach Norden bis an die Altusrieder Straße fortgeführt werden, wie es sich viele Anwohner wegen der beengten Straßenverhältnisse in der Hinterbacher Straße wünschen. „Die Argumente liegen noch nicht auf dem Tisch“, sagte Stadtplanungsamtsleiterin Antje Schlüter. Im Flächennutzungsplan (FNP) ist noch eine Umgehung am nord-westlichen Rand von Hinterbach eingezeichnet, die eine weitere Straße in diese Richtung überflüssig machen würde. Allerdings ist noch nicht klar, ob und wann die Staatsstraße kommt, wie Dieter Zacherle (FW) erklärte. Und weil sich eine Änderung des Flächennutzungsplans über Jahre hinziehe, schlug Schlüter vor, mit dem Thema Nordausfahrt noch zu warten. 

Nach Meinung der Stadtverwaltung wäre das Straßenstück vom Baugebiet nach Norden bis zur Altusrieder Straße samt neuem Knotenpunkt sehr teuer und würde durch den fehlenden Anschluss nach Süden Umwege verursachen. Die Wieseneinfahrt könne aber für ein etwaiges späteres Baugebiet im Norden weitergeführt werden. Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann führte Verkehrszählungen ins Feld. Mit dem Neubaugebiet nutzen 200 Fahrzeuge mehr als bisher die Hinterbacher Straße. Das bedeute 130 bis 140 Autos pro Stunde und zu Spitzenzeiten zweieinhalb Autos pro Minute. „75 Prozent des Verkehrs fließen Richtung Innenstadt“, sagte Wiedemann, „eine Straße nach Nord-Osten wäre eine Straße für drei bis vier Autos.“ Er sprach sich aber für verbesserte Sichtverhältnisse an der bestehenden Kreuzung aus. Der Fußweg zur Bushaltestelle wird bereits verlegt, damit die Schulkinder nicht bis zum Knotenpunkt auf der Hinterbacher Straße gehen müssen. 

Auf „den Knackpunkt“ machte Freie-Wähler-Mitglied Hans-Peter Hartmann aufmerksam: Die Zeit der Bebauung, wenn Betonmischer und andere Baufahrzeuge die Hinterbacher Straße blockieren. 

Um die Situation zu entschärfen, sind zehn bis 15 öffentliche Parkplätze im neuen Baugebiet vorgesehen, wie Schlüter erklärte. Diese könnten von bereits Ansässigen genutzt werden, die momentan ihre Autos in der Hinterbacher Straße abstellen müssen. Während Michael Hofer (ÖDP) mögliche Kreuzottern im anvisierten Gebiet und die unbefriedigende Parkplatzsituation in der Hinterbacher Straße Sorgen bereiteten machte Richard Hiepp (CSU) auf die Möglichkeit aufmerksam, das Baugebiet über Erdsondenbohrungen mit Wärme zu versorgen. 

Um schnell Wohnraum zu schaffen, soll das Verfahren wie bei den neuen Baugebieten in Lenzfried (der Kreisbote berichtete) nach Paragraph 13b des Baugesetzbuchs beschleunigt ablaufen. Dadurch entfallen umweltbezogene Ausgleichsmaßnahmen, die frühzeitige und förmliche Beteiligung der Öffentlichkeit sowie Umweltprüfung und Umweltbericht. Trotzdem sei noch vor den Osterferien eine Informationsveranstaltung geplant. Damit sollen die Bürger in den Planungsprozess miteingebunden werden. „Sollten tatsächlich Kreuzottern gefunden werden, ist das weitere Vorgehen aufgrund der artenschutzrechtlichen Fragen auf jeden Fall ein anderes“, erklärte auf Nachfrage des Kreisbote Antje Schlüter, „allerdings rechne ich nicht damit.“ Auch bei einer FNP-Änderung wäre das Verfahren kein beschleunigtes.

Susanne Kustermann

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