Das Loch soll weg

Stadt will Tempo machen

Kempten – „Zuspitzung der Verhältnisse”, „unsäglicher Vorgang”, „wir müssen hart bleiben”. Wenn die Kemptener Stadträte derart die Empörten und Entrüsteten geben, kann es derzeit nur um ein Thema geben: das „große Loch” in der Bahnhofstraße.

Am Donnerstagabend informierte Baureferentin Monika Beltinger die Räte über die neuesten Sicherungsmaßnahmen Anfang vergangener Woche (der Kreisbote berichtete).

Außerdem deutete sie an, dass die Bauverwaltung sich intern offenbar mit einer Zuschüttung des großen Baulochs beschäftigt. „Wir müssen alle technischen Möglichkeiten zur Sicherung prüfen”, erklärte Beltinger gegenüber dem Kreisboten auf Anfrage. Das Loch zuzuschütten, sei allerdings nur eine davon.

OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) kündigte darüber hinaus gegenüber den Stadträten an, dass die Kemptener Stadtverwaltung Druck auf die Investoren ausüben werde, um zumindest an ihr Geld für die Ersatzvorleistungen wie die Sicherung der Grube oder die Straßensperrungen zu kommen. Bei den Sicherungsmaßnahmen oder einem eventuellen Zuschütten müsse die Verwaltung jedoch äußerst behutsam vorgehen und genau abwägen: „Ich darf nicht stärker eingreifen als zur Sicherung unbedingt nötig ist”, betonte Netzer.

Wie hoch die Kosten für die neuesten Sicherungsmaßnahmen tatsächlich sind, konnte Beltinger am Donnerstagabend zwar noch nicht beziffern. Sicher sei indes, dass die Stadt alles daran setze, um ihr Geld von der Ritter&Kyburz GbR zurück zu bekommen. „Wir werden die Kosten notfalls vollstrecken”, betonte OB Netzer. Eine Möglichkeit in diesem Zusammenhang wäre ein Zwangshypothek, erklärte er. „Sobald wir einen vollstreckbaren Titel haben, werden wir zur Vollstreckung übergehen.” Hans Mangold, Stadtrat der Grünen, interessierte unterdessen der strafrechtliche Aspekt der Angelegenheit. Das werde man innerhalb der Verwaltung klären, gab ihm Netzer mit auf den Weg.

In der anschließenden Diskussion offenbarten sich keine neuen Aspekte: Die Schweizer sind die Bösen, die Kemptener Stadträte die Guten. „Wir können noch so viel Positives tun, der Bürger nimmt nur das Loch war”, ärgerte sich Dieter Zacherle (FW). „Wir sollten den Bauwerbern klipp und klar sagen – so geht man mit uns nicht um.” CSU-Fraktionschef Erwin Hagenmaier ging auf die neuesten Verkehrseinschränkungen an der Baustelle ein. „Die Kemptener sind frustriert über diese Lösung”, meinte er. Durch die Straßensperrung sei „der Schwarze Peter vermeintlich wieder bei der Stadt.” Ziel müsse sein – auch wenn er erfahrungsgemäß Zweifel habe – „die Behinderung vor dem Winter wieder zurücknehmen zu können.” Thomas Hartmann (Grüne) plädierte dagegen für eine Enteignung der Eidgenossen. „Eigentum verpflichtet”, betonte er. Seine Fraktionskollegin Erna-Kathrein Groll bedauerte: „Dieser Investor hat uns aufs Glatteis geführt.” Alexander Hold gab kund: „Ich höre mit Freude, dass aufs Tempo gedrückt werden soll”, und Siegfried Oberdörfer (SPD) gab die Parole aus: „Wir müssen hart bleiben.”

Zunächst aber einmal müssen als nächster Schritt die Ankerköpfe des Berliner Verbaus gesichert werden, wie Baureferentin Beltinger ankündigte. Das sollte am vergangenen Freitag geschehen. „Diese Maßnahme ist gemäß der Stellungnahme der TU München in jedem Fall erforderlich, bevor Menschen die Baugrube betreten können für alle weiteren Maßnahmen”, erläuterte sie. Die Bauherren würden und wurden bisher laut Beltinger über sämtliche Maßnahmen an der Baugrube per Bescheid informiert. 

Auch bis Freitag waren die Schweizer sowie ihr Anwalt nicht zu erreichen.

Matthias Matz

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Schüler zeigen Einsatz
Schüler zeigen Einsatz
Indien trifft Allgäu
Indien trifft Allgäu
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben

Kommentare