Sparkassenquartier statt den Arkaden?

Besorgte Bürger fordern einen sensiblen Umgang mit historischen Baudenkmälern

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Ansicht der Häuserzeile (li.) Promenadestraße in Richtung Residenzplatz, angefangen bei Hausnummer 1, dann 3, 5, 7 und das ehemalige Grünwald-Haus am Eck mit der Nummer 9.

Vergangene Woche war es so weit: Die Abgabefrist für den offenen Planungswettbewerb zur Umgestaltung des Stadtparks, der bekanntlich um die benachbarten Flächen des Königsplatzes, Linggparkes und der ZUM als Ideenwettbewerbsteil erweitert wurde,

ist vergangene Woche, exakt am 13.09.2017 um 17 Uhr, abgelaufen.

Viele Diskussionen und Gegenvorschläge zum Vorstoß von OB Thomas Kiechle, eine neue Bibliothek als Pendant zum erst kürzlich eingeweihten neuen Hauptsitzgebäude der Sparkasse zu bauen, hat es ja – wie berichtet – schon im Vorfeld reichlich gegeben. Anders für die Bebauungsüberlegungen des in der Auslobung als „Sparkassenquartier“ bezeichneten Bereiches Königs-, Horchler-, Promenadestraße – ein ebenso umstrittenes Vorhaben.

Als Kerngruppe haben sich 20 besorgte Kemptener, darunter auch mehrere aktive wie ehemalige Stadträte verschiedener Fraktionen, schon im Juli dieses Jahres erstmals zusammengesetzt. Eine der Teilnehmerinnen ist Marianne Krug, die in der Promenadestraße aufgewachsen ist und sich ebenfalls um den Erhalt der hier – wie sich zunehmend herauskristallisiert – reichlich vorhandenen historischen Gebäudesubstanz sorgt. 

"Massives Bauvorhaben" in der Kritik

Sie ist Miteigentümerin des – nur als Nachbargebäude von den Plänen betroffenen – Haus Nummer 1. Vor allem das „massive Bauvorhaben“ der Sparkasse Allgäu ist ihr ein Dorn im Auge. Laut Auslobungsunterlagen und wie auch bei besagtem Treffen festgehalten wurde, plant das Geldinstitut die kleinteilige Baustruktur gegebenenfalls abzureißen und durch einen neuen, vierstöckigen Block zu ersetzen. Darin soll es vor allem Gewerbe geben. Die Rede ist von großflächigem Lebensmittel-Einzelhandel, einem Fitness-Studio, Praxisräumen, Büros und in geringerem Umfang auch Fläche für Wohnungen.

Bauhistorische Untersuchung angelaufen

Sie sei „nicht prinzipiell gegen eine Bebauung einzelner Teile“, wie Krug im Gespräch mit dem Kreisboten betont, wenn diese auf die kleinteilige Struktur eingehe und vorhandene Baudenkmäler nicht zerstöre. Bedenken habe sie nicht nur, weil das Viertel bislang noch gar nicht umfassend auf bauhistorische Relikte untersucht worden sei. Das werde erst jetzt durch die Historikerin Birgit Kata nachgeholt, deren Ergebnisse dann in die Entscheidung des Landesdenkmalamts zum Denkmalwert einfließen. Irritierend findet Krug, dass die Untersuchungen erst nach dem Wettbewerb stattfinden und somit der Denkmalschutz im Auslobungstext nur mit der allgemeinen Aussage gestreift werde: „Bei der Neubebauung müssen die Belange des Ensembleschutzes berücksichtigt und eine denkmalrechtlich verträgliche Lösung vorgeschlagen werden.“ Da frage sie sich, „wie die Architekturbüros und Stadtplaner die Besonderheiten dieses sensiblen Viertels zwischen Altstadt und Stiftsstadt denn berücksichtigen sollen“ und auch, wie diese Auflage mit dem Bau eines angestrebten Renditeobjekts mit Tiefgarage vereinbar sei. Nicht nur bei ihr seien Erinnerungen an „ähnliche Strategien bei Bausünden der 1960er Jahre“ wach geworden, die kaum als städtebaulich gute Lösungen gelten könnten.

Krug, der selbst noch einige historische Relikte in den Häusern der Promenadestraße in Erinnerung sind, hat die fachkundige Ortsbegehung durch Kata vergangene Woche begleitet. Sie berichtet von einer spätmittelalterlichen – und bereits in der Denkmalliste vermerkten –

Säule in Haus Nummer 5, in dem sich auch eine original erhaltene Holzdecke wohl aus dem 16. Jahrhundert sowie eine intakte Biedermeier-Decke befinde. Als „Clou“ bezeichnet sie den „Fund“ in der ehemaligen „Stadtwirtschaft“ (Haus Nummer 7): Auf zwei Geschossen (Keller und Erdgeschoss) „ein nahezu quadratischer mittelalterlicher Wohnturm mit einer Wanddicke von über 1,30 Metern“ und alten Gewölben, der vielleicht sogar älter als die Stadtmauer sei. Ferner gebe es, wegen des Efeu-Bewuchses zwar „kaum erkennbar“, aber „gesichert“, ein Stück der Stadtmauer hinter dem Haus Nummer 5 und auch von „alten Gewölbekellern“ im ehemaligen Grünwald-Haus an der Ecke Promenade-/Horchlerstraße berichtet Krug. Insgesamt stamme einiges im Bestand aus dem 16. Jahrhundert, wie sie bei der Begehung erfahren habe, auch wenn es „öfters umgebaut“ worden sei.

Wie auch einige ihrer Mitstreiter fürchtet sie, dass es für den Denkmalschutz erhebliche Abstriche geben könnte, da dessen Belange erst nachträglich berücksichtigt würden und es am Ende auf eine vor allem wirtschaftlich orientierte Entscheidung hinauslaufen werde.

Bislang nur "konzeptionelle Überlegungen"

Auf Nachfrage des Kreisboten betonte Sparkassen-Vorstand Manfred Hegedüs, dass es „derzeit keine Pläne“ gebe, sondern lediglich „konzeptionelle Überlegungen“, die skizziert worden seien. „Wir werden niemals sagen, es ist uns egal, wenn Denkmal- oder Ensembleschutz besteht“, versicherte er. Falls wirtschaftlich darstellbar, sei anstelle der fokussierten großflächigen Bebauung auch eine kleinparzellige denkbar.

Als Motivation für das Vorhaben nennt er das Wissen, dass die aus den 1950er Jahren stammenden Sparkassen-Arkaden entlang der Königstraße „für uns eine Zeitbombe“ darstellen, und eine Machbarkeitsstudie zum Abbruch rate. Da liege es nahe, weiterzudenken und mehr daraus zu machen. Also habe man die umliegenden Häuser nach und nach gekauft, was sich auch mit den Verkaufsinteressen der Hausbesitzer gedeckt habe.

Einige der Mieter seien inzwischen auch schon ausgezogen, mit anderen sei man im Gespräch. Mindestens für die Läden kann er noch „kein grünes Licht“ vermelden. „Charmant“ findet er indes die Idee einer Tiefgarage unter dem Objekt in Verbindung mit der bestehenden Sparkassen-Tiefgarage – falls es im Wettbewerb befürwortet werde. Das allerdings werde nur möglich sein, wenn und „wo abgerissen wird“, fügt Hegedüs an.

Gefallen findet er auch an einer Idee, die ihm Dieter Schade von den Altstadtfreunden in einem Gespräch nahegelegt habe: Den einstigen Verlauf der Stadtmauer bei den Arkaden wieder sichtbar zu machen. „Wir wissen, dass Denkmalschutz wichtig ist“, verweist Hegedüs auf das Weidlehaus, aber das müsse nicht „Museum“ bedeuten, sondern könne auch mit Nutzung verbunden sein.

Denkbare Alternativen

Falls es jetzt nicht zu einer auch für die Sparkasse Allgäu sinnvollen Lösung kommen könne, gebe es, so Hegedüs, immer noch die Option, erst einmal alles so zu belassen und die bestehenden Gebäude vorerst wieder zu vermieten.

Und dann ist da noch das Haus, mit dem mehreren Generationen vertrauten Käseladen, dessen Besitzerin das Dach über dem Kopf lieber ist als das Geld auf der Bank. Wie Hegedüs einräumt, bedaure er das zwar, aber auch dafür gebe es einen Plan B: „Dann bauen wir eben darum herum.“

Am heutigen Samstag steht das „Sparkassenquartier“ als eines der Themen auf der Agenda für die Altstadtbegehung der Altstadtfreunde mit OB Thomas Kiechle. Treffpunkt ist um 11 Uhr vor dem Rathauseingang.

Christine Tröger

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