Frauenbrezen, Rednerpult und Wunschbox

Bayerische Grüne setzen sich  mit Roadshow für mehr Frauen in der Politik ein

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Über mangelndes männliches Interesse am Infotruck mussten sich die Grünen-Politikerinnen nicht beklagen. Auch die Herren konnten sich am Rednerpult des virtuellen Landtags als Politiker ausprobieren. Für alle Passanten gab es das Frauensymbol als Breze, wie sie hier Stadträtin und Landtagskandidatin Erna-Katrhein Groll zeigt.

Kempten – Männer putzen, gehen in Elternzeit, machen Wäsche. Es hat sich viel getan in Sachen Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Die Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern sind aber nach wie vor gravierend. Frauen sind stärker betroffen von Altersarmut, weil sie viel öfter in schlecht bezahlten Branchen und in Teilzeit arbeiten. „Um mehr Gleichberechtigung durchzusetzen, brauchen wir mehr weibliche Politikerinnen“, sagt die Stadträtin und Landtagsabgeordnete der Kemptener Grünen Erna-Kathrein Groll. „Die Hälfte der Macht den Frauen!“, lautete das Motto, unter dem eine Roadshow der Bayerischen Grünen in Kempten Halt machte.

Ein Ziel: In den Parlamenten sollen künftig gleich viele Männer und Frauen sitzen. Dem Bayerischen Landtag gehören derzeit 28 Prozent weibliche Abgeordnete an. Auch im neuen Bundestag sind es mit 30,7 Prozent nicht viel mehr und im Kemptener Stadtrat gerade einmal 23 Prozent. 

Warum gehen so wenige Frauen in die Politik? Die ehemalige Stadträtin Elisabeth Brock sieht einen Grund im „weiblichen Harmoniebestreben“. Schon in der Partnerschaft brauche es Überwindung, immer wieder Gerechtigkeit bei der Hausarbeit einzufordern und „schlechte Laune zu verbreiten“. „Und als Politiker ist man stark der Kritik ausgesetzt“, sagt sie, „davor schrecken Frauen eher zurück.“ Exponiere sich eine Frau, schaue man aber auch viel genauer und kritischer hin, weiß Groll. Viele Frauen scheuten das Rampenlicht. Wie es sich anfühlt, als Parlamentarier/-in eine Rede zu schwingen, konnten Damen am Infotruck direkt ausprobieren. Vor der eingeblendeten Kulisse des Bayerischen Landtags stand ein Rednerpult auf der Ladefläche.

Ein Schlüssel liege in der Erziehung von Jungen und Mädchen. Mädchen müssten viel mehr in ihren „forschen“ Eigenschaften bestärkt werden, fordert Gerti Epple, Wildkräuterfrau und Vorstandsmitglied bei den Oberallgäuer Grünen. Anstatt ängstlich zu reagieren, wenn ein Mädchen auf den Baum klettert, sollte man sie darin bestärken, sich etwas zuzutrauen. Und für Jungs sollte es selbstverständlich sein, beim Abwasch mitzuhelfen und alle nötigen Haushaltsarbeiten zu beherrschen, findet Groll.

Für ausgeglichene Geschlechterverhältnisse sorgen könnte auch eine Quote. Derzeit läuft eine Popularklage des Aktionsbündnis „Parité in den Parlamenten“ gegen den Freistaat Bayern. Die Klägerinnen und Kläger wollen durchsetzen, dass die Wahllisten der Parteien paritätisch mit Männern und Frauen besetzt werden. Das was der Freistaat im Moment für die vom Gesetz her geforderte Gleichberechtigung tut, ist dem Aktionsbündnis zu wenig. „Eine Quote allein regelt es aber nicht“, kommentiert Groll, „wir brauchen auch Leute, die sich aufstellen lassen.“

Einkommen entscheidet über Erziehungszeit

An „Kundschaft“ mangelt es am Info-Truck jedenfalls nicht. Die Aktivistinnen sind ständig in Gesprächen mit Männern und Frauen. Interessant findet Groll, wie viel Unterstützung ihnen gerade von älteren Herren zugesprochen werde. Gerade redet die Stadträtin mit drei Schülern der Wittelsbacher Schule. Sie alle unterstützen die Ziele der Frauen und finden Gerechtigkeit wichtig, wie sie sagen.

Trotz der Fortschritte in den Köpfen sind es aber immer noch die Mütter, die sich in Erziehung, Hausarbeit und Pflege engagieren. Dass es immer noch vor allem die Frauen sind, die im Job zurückstecken, liege vor allem am Geld. „Wer bleibt denn zuhause?“, empört sich Erna-Kathrein Groll, „doch der mit dem schlechteren Gehalt – und das sind nun mal die Frauen.“ 21 Prozent beträgt der durchschnittliche Unterschied der Bruttolöhne von Männern und Frauen. 

Auch die Passanten treibt das Thema um. In einer gläsernen Urne vor dem Truck stapeln sich bereits viele Karten mit Wünschen. „Gleiche Löhne“, „Echte Honorierung der Familienarbeit mit Rentenpunkten und Einkommen“, „gerechte Verteilung von bezahlter und unbezahlter, aber gesellschaftlich notwendiger Arbeit“, „mehr Möglichkeit auf Teilzeitarbeit für Mütter und Väter“, ist auf Karten zu lesen. 

Susanne Kustermann

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