Erntedankfest des Bayerischen Bauernverbandes in Kempten

"Wer dankt, der denkt"

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Stellvertretende Landrätin Gertrud Knoll bei ihren Ausführungen zur Lage der bayerischen Landwirtschaft.

Kempten/Landkreis – „Eine Spitzenidee”, so urteilte Kemptens Oberbürgermeister Thomas Kiechle und meinte damit das Zusammentreffen des Kreisverbandes Oberallgäu des Bayerischen Bauernverbandes anlässlich des Erntedank. Gefeiert wurde am Montagabend in Kemptens guter Stube, dem Kornhaus.

Zahlreiche Landwirte waren erschienen. Zudem gab es ein Stelldichein regionaler politischer Größen und auch Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller ließ es sich nicht nehmen, der Veranstaltung beizuwohnen. Natürlich waren alle wichtigen landwirtschaftlichen Verbände mit ihren Vorsitzenden vertreten. So bemerkte Kiechle, die Grußworte wären wohl kürzer ausgefallen, hätte man die nicht Anwesenden benannt. Und so bat auch der erste Redner Alfred Enderle, Präsident des Bezirksverbandes Schwaben des BBV, das Publikum möge erst am Schluss die Grußworte mit Applaus belegen. Des weiteren würdigte Enderle das lange Bemühen der bayerischen Landwirte sich nach vielen Jahren der Aufspaltung in verschiedene Organisationen am Ende unter dem gemeinsamen Dach des BBV zusammen gefunden zu haben. Schließlich lassen sich die mannigfaltigen Herausforderungen im Bunde besser meistern.

Probleme bereiteten heuer weniger die heißen Sommermonate als vielmehr eine eintretende Preisdruckphase nach Abschaffung der Milchquote als auch das Russlandembargo und eine anhaltende Nachfrageschwäche Chinas. In diesem Zusammenhang verwies Enderle aber auf eine sich allmählich einpendelnde Milchproduktion hin, trotz starker Wettbewerber wie den Niederlanden, Irland und Dänemark. Durch politische Eingriffe seien die Landwirte heuer viel mehr in die Pflicht genommen, sich marktkonform zu verhalten. Enderle mahnte trotz Internet und Industriedominanz, dass immerhin noch jeder siebte Arbeitsplatz im Freistaat von der Landwirtschaft abhänge.

andwirtschaft abhänge. Der zweite Redner am Pult, OB Thomas Kiechle, war voll des Dankes nicht nur für die Mühen der Veranstalter sondern eben auch für eine gute Ernte. Es sei die Gelegenheit im Jahr „Danke” zu sagen, nicht nur für eine ertragreiche Ernte sondern unter anderem auch für eine 70 Jahre andauernde Phase des Friedens. „Dank” sei auch der Tatsache geschuldet, in einem funktionierenden sozialen Miteinander leben zu können. Ein herzliches „Vergelt's Gott” richtete Kiechle dann abschließend an die vielen Pfarrgemeinden in denen noch die gute Ernte gewürdigt und gefeiert würde.

Als dritte Rednerin erschien in Vertretung von Landrat Anton Klotz die stellvertretende Landrätin Gertrud Knoll am Pult. „Erntedank, alles wie gehabt?”, diese Frage stellte Knoll in den voll besetzten Saal und mahnte den Wertewandel an. „Viele haben den Bezug zur Landwirtschaft verloren”, urteilte die Stellvertretende Landrätin, die ihren Vortrag durchweg in Allgäuer Mundart hielt. Deshalb sei es umso wichtiger die eigenen Werte zu bewahren und diese bewusst zu leben. Knoll sprach auch die Flüchtlingskrise an und sagte, diejenigen die sich vor fremden Gauben fürchteten, sollten den eigenen bewusster leben. Zugespitzt formulierte die Landrätin: „Erntedank, wer dankt, der denkt.”

Als letzte Rednerin erschien Eva Maria Bäuml, die amtierende bayerische Milchprinzessin, am Rednerpult. Auch sie sprach in Mundart, wenngleich Oberbayrisch, was aber die Wirkung ihrer Ausführungen auf charmante Weise eher verstärkte als schwächte. Dann wurde zur Hälfte der Veranstaltung zu einer deftigen Brotzeit geladen, die durch gespendete Lebensmittel verschiedener Allgäuer Molkereien realisiert werden konnte.

Im Anschluss wurde der Hilfsorganisation Terra Humana e.V. die Gelegenheit gegeben, ihr soziales Projekt „Erdbebenhilfe für Nepal” mittels audiovisueller Medien dem Saalpublikum vorzustellen. Nach einem schweren Erdbeben in der Region hilft Terra Humana nun das größte Leid der Menschen vor Ort zu lindern.

Ebenfalls in die Richtung Entwicklungshilfe vor Ort ging es beim Höhepunkt des Abends, dem Fachvortrag „Eine Welt ohne Hunger”, der von Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller gehalten wurde. Bei einer stetig wachsenden Weltbevölkerung, Müller nannte die Zahl von 80 Millionen neuen Erdbewohnern pro Jahr, würden große Herausforderungen an die Landwirtschaft entstehen. Erschwerend komme hinzu, dass die landwirtschaftliche Produktion in den wohlhabenden Ländern wachse, in den ärmeren hingegen oftmals abnehme. Am Ende des Erntedank gab es dann in Form der „Goldenen Sonnenblume” noch zwei Auszeichnungen an Personen, die sich um die Allgäuer Landwirtschaft verdient gemacht haben, wie der Sonthofener Landwirt Johann Dauser.

Jörg Spielberg

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