Milch, Gülle, Wolf

BBV: Mit den ersten Wolfsrissen hat sich die Welt für Weidebetriebe verändert

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Kreisbäuerin Monika Mayer gab einen Rückblick über das Jubiläumsjahr „70 Jahre Landfrauen Bayern“.

Sulzberg/Landkreis - Viele Themen kamen bei der Jahresversammlung des Bayerischen Bauernverbands (BBV) Oberallgäu in Sulzberg auf den Tisch. Aber keines erhitzte die Gemüter so sehr wie der Wolf.

Aber keines erhitzte die Gemüter so sehr wie der Wolf. Einen breiten Strauß an Themen schnitt Kreisobmann Alfred Enderle bei der Jahresversammlung des Kreisverbandes Oberallgäu im Bayerischen Bauernverband (BBV) an. Er machte deutlich, auf welchen Baustellen der Berufsverband seine Mitglieder und Landwirte vertritt. Bei seinem Jahresrückblick erläuterte Enderle die aktuelle Situation auf dem Milchmarkt. Er erklärte, dass sich der Markt weltweit zweigeteilt zeigt. Neben einigen Regionen, die mit der Dürre zu kämpfen hatten und die Milchmenge dadurch sinkt, liefern andere Regionen, wie z.B. Neuseeland oder Irland, mehr Milch. Aus diesem Grund wird sich nach Ansicht von Enderle der Milchpreis auf dem aktuellen Niveau halten und bis ins nächste Jahr weiterentwickeln. Für das Jahr 2018 soll in Bayern ein durchschnittlicher Milchpreis von etwa 36 Cent pro Kilogramm erreicht werden, so der Kreisobmann.

Mit Besorgnis nimmt er zur Kenntnis, dass die Auflagen des Lebensmittelhandels gegenüber Molkereien und Landwirten immer mehr zunehmen und so Druck aufgebaut wird. Vor allem die aktuell wieder aufflammende Diskussion um die ganzjährige Anbindehaltung von Seiten des Handels kann Enderle nicht nachvollziehen. Preisabschläge für Milch von Kühen aus Anbindehaltung sind für ihn nicht akzeptabel. „In Bayern besitzen noch rund 50 Prozent der Betriebe einen Anbindestall. Für diese Landwirte wollen wir uns einsetzen“, so Enderle weiter.

Ein weiteres Reizthema des letzten Jahres war die Dünge-Verordnung. Der Obmann erklärte, dass die Technikvorgaben darin hauptsächlich der NEC-Richtlinie geschuldet seien. Diese besagt, dass bis zum Jahr 2030 der Ammoniakausstoß um bis zu 29 Prozent reduziert werden muss. Für den Landkreis sind nun die ersten Karten vorhanden, in denen die Wasserqualität ersichtlich ist. „Ich bin froh, dass das ganze Oberallgäu als grünes Gebiet eingestuft wurde und wir keine Wasserprobleme haben“, so Enderle. Nichtsdestotrotz müsse alles unternommen werden, dass die Technikvorgaben für Berggebiete und für das Grünland verbessert werden.

Daneben stellte der Kreisobmann die neuesten Ergebnisse aus den letzten politischen Entscheidungen vor. Bei den „benachteiligten Gebieten“ fällt das ganz Oberallgäu nun in das Berggebiet. Neu wird auch sein, dass es bei der Förderung der Gebiete eine Degression nach Betriebsgröße gibt. Bei der Ausgestaltung der europäischen gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) gibt es aktuell große Diskussionen ums Geld, nachdem der Brexit beschlossen ist. Aktuell geht man davon aus, dass die erste Säule um vier Prozent, die zweite Säule um 15 Prozent gekürzt wird, so Enderle.

Wolf erhitzt Gemüter 

Das große Reizthema an dem Abend auf der Versammlung. Nachdem auch im Oberallgäu in diesem Sommer die ersten Wolfsrisse nachgewiesen wurden, hat sich die Welt für die Weidebetriebe verändert. Mit der Rückkehr des Raubtiers kommen auf die Landwirte und die Region noch große Probleme zu, darin ist sich Enderle sicher. In diesem Zug bedankte er sich bei allen Teilnehmern der verschiedenen Aktionen, wie zum Beispiel die 22 Mahnfeuer im Allgäu oder die Demonstration beim Söder-Besuch in Wertach. Aktuell gibt es rund 1000 Wölfe in Deutschland. Für Enderle ist es jetzt an der Zeit, politisch die Weichen zu stellen, damit die Wolfspopulation reguliert werden kann.

Bei der anschließenden Diskussion zeigte sich, dass dieses Thema die Landwirte sehr bewegt. Sie fordern einen Abschuss der Wölfe, da Herdenschutzmaßnahmen im Berggebiet nicht möglich seien. Auf jeden Fall sollen weitere Veranstaltungen und Aktionen zum Thema Wolf in der nächsten Zeit folgen.

Praktikable Lösungen im Umgang mit dem Wolf forderte auch Landrat Anton Klotz in seinem Grußwort. Er bezeichnete die aktuelle Lage „als Ruhe vor dem Sturm“. Auch wenn es derzeit leise um das Raubtier geworden ist, seien nach wie vor Sichtungen und Beobachtungen zu verzeichnen.

Weitere wichtige Themen von Seiten des Landratsamtes sind erneute TBC-Untersuchungen im Raum Oberstdorf sowie ein geplantes Rotwildmonitoring zusammen mit Vorarlberg und Tirol. Tier- und Umweltschutz sei ebenso immer wieder ein Thema.

Konfliktpotential 

Gerade in diesem Jahr häuften sich laut Klotz anonyme Anzeigen gegen Landwirte in diesem Bereich, die der Landkreis verfolgen muss. Er machte deutlich, dass viele Bürger mit wachsamen Augen beobachten und genau hinsehen.

Ein weiteres heißes Eisen ist die steigende Zahl von Freizeitbeschäftigungen im Oberallgäu, mit alle ihren Auswirkungen. Klotz zeigte auf, dass schon jetzt zum Teil Bereiche gesperrt werden mussten, weil Überlastungserscheinungen oder zu viele Konflikte auftraten. Auch sei die Frage der Haftung immer wieder zu klären und sorge für große Verunsicherung bei Grundstücksbesitzern. Doch das alles kann und muss in der nächsten Zeit organisiert werden, so der Landrat abschließend.

Kooperation anstatt Konfrontation

Passend dazu hielt Rolf Eberhardt, Geschäftsführer vom Naturpark Nagelfluhkette e.V., einen Fachvortrag mit dem Thema „Kooperation anstatt Konfrontation“. Eberhardt sieht im Naturpark die Balance gegeben zwischen Nützen, Schützen und Vorbildlandschaft. Die Tätigkeiten der sechs Mitarbeiter und drei Naturparkranger liegen zu zwei Drittel bei der Bildungsarbeit vor allem mit Schulen. Rund ein Viertel der Zeit wird für die Besucherlenkung im Naturparkgebiet aufgewendet.

Das Konzept der Naturparkschulen ist für den Geschäftsführer sehr wichtig, da hier ein neutraler Blick auf die Kulturlandschaft ermöglicht wird. Verschiedene Partner unterstützen dieses Projekt, wie auch der BBV-Kreisverband Oberallgäu mit verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben. Eberhardt hofft, weiterhin neue Zweige der Umweltbildung zu etablieren und die partnerschaftlichen Kooperationen weiter auszubauen.

Bei der Besucherlenkung im Park gehe es nicht nur um die Ruhe für Wildtiere, sondern auch für die Nutztiere, so Eberhard. Die angestellten Ranger suchen hierbei Brennpunkte auf und versuchen diese zu entschärfen, zum Teil mit Beschilderungen und Kontrollen. Wichtig für Eberhardt ist aber, für die Freizeitsuchenden Angebote und Bereiche zu schaffen, in denen sie sich bewegen können. Die größten Herausforderungen dabei sieht er vor allem in den Bereichen Mountainbiking im Berg, Camping und Iglu-Bau sowie Parkplatzprobleme im Berggebiet. „Es ist an der Zeit, klare Regeln aufzustellen und Raumkonzepte zu definieren“, forderte Eberhardt abschließend, um die Probleme jetzt anzugehen.

Öffentlich präsent 

Die Arbeit der Landfrauen im Kreisverband Oberallgäu stand im vergangenen Jahr ganz unter dem Motto „70 Jahre Landfrauen in Bayern“, erklärte Kreisbäuerin Monika Mayer in ihrem Rückblick. Dazu wurden diverse Veranstaltungen organisiert, wie zum Beispiel der Landfrauentag in Dietmannsried und eine Jubiläumsfeier mit allen aktuellen und ausgeschiedenen Ehrenamtlichen.

Aber auch in der Öffentlichkeit zeigte man sich als Verband rege. Sei es beim Gesundheitstag im Landratsamt, der Alpen-Genuss-Wanderung in Wertach mit allen Partnern der Alpwirtschaft oder auf dem Messestand der Allgäuer Festwoche unter dem Schirm von „Unsere Bayerischen Bauern“.

kb

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