Wirtschaftlichkeit versus Feingefühl

Alles noch offen: Bebauung des ehemaligen Schulgeländes Lenzfried

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Links das ehemalige Schulgebäude, das einer Neubebauung weichen soll – rechts das tiefergelegene ehemalige Klostergebäude.

Kempten – Nachdem im Januar letzten Jahres erstmals die „Marschrichtung“ für das Gelände mit ehemaligem Schulhaus am Gerhardingerweg 4 im Gestaltungsbeirat ausgelotet worden war, wobei die recht unterschiedlichen Vorstellungen von Investor und Gremium für die Bebauung deutlich wurden, stand das Objekt seitdem auch zum Verkauf auf einer Immobilienplattform im Internet. 

Dennoch wurde nun eine neue Vision mit mehreren Varianten der nach wie vor gleichen Eigentümer erneut im Gestaltungsbeirat vorgestellt – und stieß einmal mehr auf wenig Begeisterung. Manches Gesicht zeigte fast schon einen Zustand von „Schockstarre“, als das Modell von Beirat und Publikum besichtigt wurde. Nach wie vor ist eine Wohnbebauung angedacht, auch die Lösung der seinerzeit bereits kniffligen Frage der Grundstücks- und geplanten Tiefgaragenzufahrt scheint noch nicht abschließend geklärt zu sein. 

Angedacht ist sie durch Grundstückskauf über den Parkplatz des nördlich angrenzenden Lebensmitteldiscounters. „Man muss schauen, wie viele Stellplätze der Discounter bereit ist herzugeben“, meinte Wolff Stottele, Architekt BDA des mit den Planungen beauftragten Büros Elwert & Stottele. Aufgrund der schwierigen Topographie könne es „aus unserer Sicht keine typische Wohnbebauung geben“, die hier „übertragen werden könnte“. Er bedauerte, dass die festgesetzten Abstandsflächen keinen großen Spielraum bei der Bebauung zuließen.

Die Varianten zeigen einen Mix aus drei-, vier- und fünfgeschossigen Wohnblöcken bzw. -türmen in unterschiedlichen Kombinationen, die sich als Viereck um einen Innenhof gruppieren. In der Basis gestaltet sich der Wohnkomplex aus vier Kuben, die sich jeweils um die Ecken des Innenhofs ziehen, und Durchgänge zwischen den einzelnen Trakten lassen. Sie staffeln sich von Dreigeschossigkeit auf der rasch stark abfallenden Hangseite zum Kloster hin nach hinten über vier bis zu fünf Geschossen.

Bei allem Verständnis für die von BreFa-Mitarbeiter Thomas Engelbrecht vorgebrachte Begründung einer wirtschaftlichen Bebauung, wollten sich die Mitglieder des Gestaltungsbeirats auf eine derart wuchtig-massive Bebauung in historisch sensiblem und ansonsten ländlich strukturiertem Gebiet nicht einlassen. Auch erinnerte der neu gewählte Gestaltungsbeiratsvorsitzende Werner Binotto daran, dass bislang seitens des Gestaltungsbeirats immer nur von drei Geschossen die Rede gewesen sei. Der Vorschlag seitens Gestaltungsbeirat: die Grundflächenzahl (sie gibt prozentual die Fläche an, die von der Gesamtfläche bebaut bzw. versiegelt werden darf) zu erhöhen, um einen kleinteiligeren Gebäudebau zu ermöglichen und die Bauhöhe zu reduzieren. Da dadurch auch Grünfläche verloren geht, soll dies durch Begrünung beispielsweise der Dächer ausgeglichen werden. Als Anregung wurde dem Investor unter anderem das Quartier de Beaumont in Freiburg mit auf den Weg gegeben.

Christine Tröger

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