Stadt will bei verpachteten Flächen künftig genauer hinsehen

Kurz bevor der Bebauungsplan "Gewerbegebiet Leubas Süd" verabschiedet wird, brandet Diskussion um Ausgleichsflächen auf

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Anstatt Bäumen und Saum würde Theo Dodel-Hefele von den Grünen lieber eine Streuobstwiese als Ausgleichsfläche zwischen Leubas und Ceratizit sehen.

Kempten – Nachdem die Wasserrechtsverfahren und die Thematik der Retentionsflächen etwas länger gedauert hatten, wollten Verwaltung und Bauausschuss vor zweieinhalb Wochen endlich den Bebauungsplan für das Gewerbegebiet Leubas Süd inklusive der dortigen schon fast fertiggestellten Kreuzung mit einem Satzungsbeschluss festzurren. Doch daraus wurde nur bedingt etwas. Theo Dodel-Hefele von den Grünen zeigte sich unzufrieden mit den vorgesehenen Ausgleichsflächen zwischen Ceratizit und dem südlichen Ortsrand von Leubas.

Weil eine Wiese bebaut wird, in der nach Regenfällen immer wieder Wasser steht, das langsam versickert, soll auch die Ausgleichsfläche einen Wasserrückhalteraum bieten. Geplant ist eine Mulde mit einer blütenreichen Feuchtwiese, an deren Rändern Gehölzinseln stehen. Der Rest des Ausgleichs wird auf das Ökokonto der Stadt gebucht. Theo Dodel-Hefele gefällt dabei nicht, dass zum Anlegen der Mulde Humus abgeschoben werden muss. „Gerade bei einer Ausgleichsfläche halte ich das für total schräg“, sagte er. Beim Umbruch von Wiesen wird CO2 freigesetzt, weshalb Landwirte auch das sogenannte „Umbruchverbot“ einhalten müssen. Dodel-Hefele sprach sich im Bauausschuss stattdessen für eine Streuobstwiese aus, die nach mehreren Jahren von selbst zur Blühwiese werde. Der Landwirt, der die dortigen Wiesen im Moment in Pacht hat, könne die Flä- che pflegen, dazu hätte er sich bereit erklärt. „Somit hätten wir auch viel weniger Aufwand und Pflegekosten“, argumentierte der Stadtrat. 

Mittlerweile habe die Stadt auf der anderen Seite der Leubaser Straße, direkt an der Autobahn, ein Grundstück erworben, das „man wunderbar als Feuchtwiese hernehmen“ könne. Die Verwaltung zeigte sich von dem Vorschlag ganz und gar nicht angetan, da „schnell mal ein Vierteljahr vergehen“ könne, bis die neuen Ausgleichsflächen mit großem Aufwand (neuer Umweltbericht, neue Planungsziele,...) in den Plan eingearbeitet, ausgelegt und mit allen Behörden abgestimmt seien. Außerdem hätten die Ausschreibungen für die Arbeiten schon begonnen. 

Von Seiten der anderen Räte wollte man auf keinen Fall die laufenden Baumaß- nahmen verzögern oder diese gar gefährden. Umweltbeauftragter Richard Hiepp bemängelte, dass die Auswirkungen auf die Pächter-Landwirte zu Beginn der Planungen zu wenig beachtet worden seien. „Wir haben schon zweimal festgestellt, dass die Kommunikation mit den Landwirten nicht richtig funktioniert hat“, sagte Erwin Hagenmaier (CSU). Er wollte die Sache noch einmal prüfen lassen. 

So stimmten schließlich auch alle seine Bauausschuss-Kollegen: Der Bebauungsplan wurde als Satzung beschlossen, welche Auswirkung eine Ausgleichsflächen-Änderung haben könnte, sollte noch vor der Stadtratssitzung untersucht werden. Das Stadtratsgremium wollte es in seiner Sitzung dabei belassen und für diesmal keine Änderung mehr vornehmen. Dodel-Hefele pochte aber darauf, „dass Ausgleichsflächen künftig und breiter diskutiert werden“, auch zusammen mit den Landwirten, mit Bund Naturschutz, Vogelschutzbund und ähnlichen Akteuren. Unterstützung erhielt er von Richard Hiepp (CSU), der bedauerte, dass man vor zwei Jahren versäumt habe „das frühzeitig zu behandeln“. Bürgermeister Josef Mayr regte die Aktivierung von Moorflächen auf städtischem Gebiet an, was seines Erachtens „viel mehr bringt“, als „diese kleinen und Kleinstsituationen, die wir momentan haben“.

Christine Tröger/Susanne Lüderitz

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