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Infoveranstaltung zu »Hinterbach-Nord« vor Ostern geplant

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Bebauungsplan "Hinterbach-Nord" © Stadt Kempten

Kempten – Gut besucht war die letzte Sitzung des Stadtrats nicht nur wegen der Standgebühren auf dem Wochenmarkt. Das Baugebiet „Hinterbach-Nord“ hatte viele Anwohner aus dem Ortsteil in den Zuschauerreihen des Sitzungssaales Platz nehmen lassen, von wo aus sie die Diskussion – bis zum Hinweis von OB Thomas Kiechle, dass die Geschäftsordnung jegliche Art von Zuschauerkommentaren verbiete – zum Teil lautstark mitverfolgten.

Das erhöhte Verkehrsaufkommen durch die Baustelle und später durch die Bewohner der entstehenden bis zu 23 Einfamilien- und vier Doppelhäuser plus Um- bzw. Ausbau der ehemaligen Hofstelle Jakob-Zeller-Straße 1 in ein Mehrfamilienhaus hatte die dortigen Anwohner aufgeschreckt. Erschlossen werden soll das Baugebiet nämlich nur von Süden über die Hinterbacher Straße. Nach Einschätzung des Tiefbauamtes ist die Verkehrsbelastung durch geschätzt maximal 1400 Fahrzeugen pro Tag vertretbar, wie auch die circa 25 Prozent zusätzliche Belastung für die Anwohner, da es sich vorwiegend um Ziel- und Quellverkehr der Bewohner aus dem Ortsteil selbst handeln werde. 

Der Forderung von Hinterbacher Bürgern nach einer zweiten Zuwegung von Norden her, steht Baureferent Tim Koemstedt aus mehreren Gründen kritisch gegenüber. Unter anderem weil die Erschließungskosten für die rund 350 Meter lange Straße „sehr teuer“ käme; Kosten, die auf die wenigen Anwohner umgelegt werden müssten und die Grundstückspreise entsprechend in die Höhe treiben würden. Hans-Peter Hartmann (Freie Wähler) wies darauf hin, dass der „Bewegungsverkehr hier extrem ist“ und zudem mangels Parkmöglichkeiten auf öffentlicher Fläche entlang der Straße geparkt werde. Um die Situation zu entspannen, regte er an, mit dem Landwirt zu sprechen, ob der Feldweg als Baustellenzufahrt aufgeschüttet und für den LKW-Verkehr befestigt werden könnte; ein Vorschlag, den die Verwaltung prüfen will und Erwin Hagenmaier (CSU) eine „elegante Lösung“ nannte. 

Nicht ohne Kritik 

Scharfe Kritik aus den Reihen des Gremiums hagelte es aber vor allem, weil von der einstigen Absicht, fortschrittlich und damit energetisch optimiert zu bauen, „nichts mehr übrig ist“, wie Grünen-Stadtrat Thomas Hartmann es formulierte. „Die Vorgehensweise ist, wie sie vor 50 Jahren hätte stattfinden können“, schimpfte er und forderte ein Gesamtkonzept, wie es viele andere Städte hätten, mit Grünflächen, Erholungsräumen, Straßen, Bauweisen etc. Michael Hofer (ÖDP) störte sich besonders am hier angewandten beschleunigten Verfahren nach §13b, das er deshalb nicht für sinnvoll halte, „weil nur eine Zufahrt auf Dauer nicht geht“ und „wir eine Änderung des Bebauungsplans brauchen“. Auch seien die Grundstückszuschnitte – laut Planung ca. 360 Quadratmeter pro Doppelhaushälfte und ca. 980 Quadratmeter pro Einfamilienhaus, wobei hier der wesentliche Anteil zwischen 440 und 640 Quadratmeter liegen soll – „nicht mehr zeitgemäß“ und „viel zu groß“. Die Größe sei aber gerade deshalb nötig, wie sein Stadtratskollege Hagenmaier ihm erklärte, dass die Leute nicht wie andernorts ihre Fahrzeuge „auf öffentlichem Raum abstellen müssen“. 

Nicht nur Dominik Spitzer (FDP) mahnte bei der Verwaltung „Anreize für Bauherren“ an, ökologisch und umweltbewusst zu bauen. Da wünschte sich Regina Liebhaber (SPD) auch „etwas mehr Elan“ seitens der Verwaltung. Aus Sicht des Baureferenten wäre das Erarbeiten eines gemeinsamen Energiekonzeptes für dieses Baugebiet „überschaubar“ und möglich. Aber „wir können es nicht verbindlich einfordern“, sondern nur eine Anreiz damit schaffen. Das wollte Hans Mangold (Die Grünen) nicht so stehen lassen, denn zum Beispiel in Tübingen würden „bei der Vergabe privatrechtliche Verträge gemacht“. Auch diese seien, klärte ihn Koemstedt auf, „nicht verbindlich“. „Wir werden den Vorschlag weiterverfolgen“, beschwichtigte OB Thomas Kiechle und schätzte die „Wahrscheinlichkeit hoch“, dass ein entsprechender Anreiz auch „angenommen wird“. Mit drei Gegenstimmen wird der Bebauungsplan aufgestellt. Noch vor Ostern soll eine Infoveranstaltung dazu stattfinden.

Christine Tröger

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