Bedeutung im Alltag

Keiner kommt an ihnen vorbei, denn sie umgeben uns täglich: Bauwerke. Sie erfüllen Funktionen, ästhetische Ansprüche, wirken in sich und in ihrer Umgebung harmonisch oder provokant, vermitteln Wohlgefühl oder Aversion. In der aktuellen Wanderausstellung „Neues Bauen in den Alpen“, erarbeitet vom Institut für alpine Architektur (IFAA), zeigt das Architekturforum Kempten Aufnahmen von 31 Bauwerken aus dem Alpenraum, die von der Südtiroler Initiative „Sexten Kultur“ für ihre beispielhafte Architektur im Jahr 2006 ausgezeichnet wurden.

Bezeichnend sei, so Franz-Georg Schröck, Vorsitzender des Architekturforums Kempten, in seiner Einführungsrede, dass es bei den bereits zum vierten Mal vergebenen Auszeichnungen „bislang noch kein preisgekröntes Werk aus dem deutschen Raum gegeben hat“. Zwar werde im Allgäu viel getan, aber anders als in der Schweiz oder Österreich, hafte Bauten aus der Tourismusbranche bei uns dennoch meist den „Jodlerstil“ an. Im Vordergrund der Ausstellung stehen Bauten, die Bedeutung im Alltag haben, wie Einkaufsgebäude, Energie- und Betriebsgebäude, landwirtschaftliche, touristische und soziale Infrastrukturen. Aber auch einem dem Allgäu und Bregenzerwald gemeinsamen Thema verschaffte Bürgermeister Josef Mayr (CSU) bei der Eröffnung Gehör: Der Sorge um die Zunahme leer stehender Bauernhöfe, „die im Wohnteil nicht mehr genutzt werden“ und früher oder später wohl abgerissen würden. Wo möglicherweise das Geheimnis der meist als innovativ und ansprechend wahr genommenen Architektur in Vorarlberg liegen könnte, erläuterten Gastwirt Dietmar Nussbaumer und Schreiner Markus Faißt in ihrem Vortrag über den Umbau des Gasthof Krone in Hittisau. Dass die Baukultur im Bregenzerwald weniger mit Trend als vielmehr mit Tradition zu tun hat, wurde dabei deutlich. „Der Alltag wird kultiviert“, brachte Fässler es auf den Punkt. Dabei werde Bewährtes neu ausgerichtet, regional Erprobtes eingebracht aber auch über den Zaun geschaut und „gearbeitet um der Arbeit selbst willen“. Statt Hotelausstatter zu bemühen, habe er auf regionale Handwerker des „werkraum Bregenzerwald“ zurückgegriffen, erklärte Nussbaumer, was ihn entgegen der landläufigen Meinung nicht teurer gekommen sei. Dafür habe er „Betten aus Vollholz, die ohne Metall zusammengesteckt sind“ oder eigens angefertigte Polstermöbel. Lange Tradition Die Stärke des Bregenzerwaldes liege nicht darin, immer das Neueste zu haben – „da könnten wir nicht mithalten“ – sondern in der qualitativ hohen Handwerkstradition, zeigte er sich überzeugt. Viele interessante Lösungen sind unter den 31 gezeigten Bauten zu finden, die oft in schwierigem Gelände umgesetzt werden mussten, wie unter anderem das Haus „Nembrini-Bertogliati“ im Schweizer Ticino verdeutlicht. Allerdings verzichtet die Ausstellung auf Hintergrundinformationen zu den Bauwerken, die nur mit dem Erwerb des Ausstellungskatalogs „Neues Bauen in den Alpen“ zu bekommen sind. Dafür gewährt aber eine Video-Präsentation interessante Einblicke in Arbeit und Philosophie der renommierten schweizer Architekten Gion A. Caminada und Peter Zumthor. Die durch zahlreiche Zusatzveranstaltungen bereicherte Ausstellung ist noch bis 30. November in der Kunsthalle in der Memminger Straße zu sehen. Geöffnet ist sie dienstags bis freitags jeweils von 14 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 bis 16 Uhr.

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