Bedingungen erleichtern

Isolde Hafenmayr. Foto: moriprint

Autisten leben in ihrer eigenen Welt, können Gesagtes oft nicht richtig interpretieren, haben Probleme mit sozialen Kontakten, sprechen oftmals nicht. Immer wieder gibt es in den Allgäuer Werkstätten unter den Beschäftigten mit Behinderung Personen mit den Merkmalen von Autismus, in der Vergangenheit allerdings oft nicht diagnostiziert. „Manchmal bringen uns diese Frauen und Männer an die Grenzen unserer Möglichkeiten und Erfahrungen“, weiß Isolde Hafenmayr, Leiterin der Förderstätte. Sie ist gleichzeitig auch die Autismusbeauftragte der AW, wenngleich sie betont: „Eigentlich würde es eine Stelle allein ausfüllen, hier Fachkraft zu sein.“

Derzeit beschäftigt sich die Geschäftsleitung zusammen mit der Autismusbeauftragten um Bedingungen und Möglich-keiten, die den Arbeitsplatz eines Autisten erleichtern könnten. „Wir müssen eine Art Rückzugsgebiet schaffen für den Fall, dass der Beschäftigte nicht in der Lage ist, kontinuierlich in der Gruppe zu bleiben“, erklärt Hafenmayr. Erst vor einiger Zeit brachte ein junger Mann das Team der Förderstätte an seine Grenzen. Er schrie die ganze Zeit sich immer wiederholende Wörter, zerriss seine Kleidung und fügte sich Bisswunden zu. „Er wollte sich einfach über seine Sinne spüren“, versteht Isolde Hafenmayr, aber natürlich gehe es nicht, dass er sich oder andere dabei verletze. „Während man früher von Asperger Autismus, frühkindlichem Autismus und atypischem Autismus sprach, verwendet man heute den Begriff Autismusspektrumsstörung. Dieser bezeichnet die tief greifende Wahrnehmungsverarbeitungsstörung, die allen Autisten zugrunde liegt“, so die Förderstättenleiterin. Töne und Geräusche können so geballt auf einen Autisten einwirken, dass alles mit gleicher Lautstärke bei ihm ankommt. Manche haben einen Tunnelblick, vergleichbar mit einem umgekehrten Fernglas. Einige ertragen es nicht, wenn man sie anfasst, andere hingegen lieben einen festen Griff. Über Kontakte zum Autismuszentrum Schwaben oder zum Autismus-Kompetenz-Zentrum in Nürnberg holt sich Hafenmayr Informationen und Tipps. Ein Workshop in der Förderstätte kam dem ganzen Team zugute. „Hier am Eggener Berg betreuen wir etwa zehn Autisten, in der Außenstelle in der Zeppelinstraße sind es noch mal vier.“ Da Sprache und Sprachfähigkeit eine große Rolle spielten, arbeitet man in den AW verstärkt mit Gebärden und auch Piktogrammen, Symbolen, Fotos und Bildern, um Kommunikation zu ermöglichen bzw. zu verbessern. Oftmals seien die – vielfach intelligenten – Autisten in der Förderstätte unterfordert. „Nachdem ein junger Mann wie schon in der Schule einen Assistenten an seiner Seite benötigen würde, kommt er für einen Werkstattplatz nicht in Frage. Das wird vom Bezirk nicht bezahlt. Jetzt soll er zu uns in die Förderstätte. Dabei ist dieser Platz wesentlich teurer und der Berufsanfänger ist hier nicht richtig platziert“, informierte sie. Ein dringendes Anliegen ist es auch, entsprechenden Wohnraum für autistische Erwachsene zu schaffen. Solche Einrich-tungen gibt es in Buchloe oder Lindau. „Das ist zu weit weg.“ Überhaupt vermutet Hafenmayr, dass der Bereich der Autisten sich in den kommenden Jahren vergrößern wird. „Früher wurde vor allem bei Menschen mit geistiger Behinderung nicht so genau hinge- schaut. Durch eine saubere Diagnostik hat sich das heutzutage gravierend geändert.“

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