Besucher- und Passantenbefragung

Neue Erkenntnisse für die Museums- und Bibliotheksentwicklung 

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Touristische Anziehungspunkte, die Kemptener Museen und die hier abgebildete Stadtbibliothek standen im Mittelpunkt von Passanten- und Besucherbefragungen.

Kempten – Wie werden die Kemptener Museen und die Stadtbibliothek wahrgenommen? Was wünschen sich Besucher und was potentielle Besucher? Die letzte Befragung liegt zehn Jahre zurück.

Aus Sicht von Museumsleiterin Dr. Christine Müller-Horn Zeit für eine „neue empirische Erhebung“, deren Daten als „absolute Grundlage“ für die Museums- und Bibliotheksentwicklung zu sehen seien. Die Ergebnisse der aktuell durchgeführten Passanten- und Besucherumfragen in den Museen und der Stadtbibliothek wurden diese Woche im Kulturausschuss präsentiert.

Passantenbefragung

In Kooperation mit Kempten Tourismus wurden zwischen Mai und September 2017 vom Mittelstandsinstitut der Kemptener Hochschule 882 Passanten in der Innenstadt mit Fragebogen interviewt. 45 Prozent waren Kemptener, 33 Prozent Tagesbesucher, 14 Prozent Urlaubsgäste im Allgäu und acht Prozent Übernachtungsgäste in Kempten. Allen gemein ist die Wahrnehmung Kemptens als „die Römerstadt im Süden“. Das kulturelle Angebot wird dagegen von Besuchern deutlich positiver bewertet als von Einheimischen.

Während Touristen Kempten vor allem mit einer „schönen Stadt“, mit Altstadt und Bergen verbinden und in erster Linie zum Bummeln und Sightseeing kommen, steht bei Tagesbesuchern klar „Einkaufen“ und das besonders gern im Forum an erster Stelle. Der Besuch von Museen nimmt bei allen Gruppen einen nur marginalen Platz ein: lediglich 1,4 Prozent der Tagesbesucher gaben einen Museumsbesuch an, gerade einmal ein Prozent der Touristen und Einheimische noch deutlich darunter (Basis: 394 Kemptener, 290 Tagesbesucher, 198 Touristen). 

„Da müssen Sie sich etwas einfallen lassen“, wies Prof. Dr. Alfred Bauer von der Fakultät Tourismus an der Hochschule Kempten das Gremium mit Nachdruck darauf hin, dass es ohne Geld in die Hand zu nehmen, nicht gehen werde. Und bei möglichen Anlaufpunkten sah er, abgesehen von beliebten „Hotspots“ wie Wochenmarkt, Basilika oder Residenzplatz, ebenso noch „Luft nach oben“. Enttäuscht seien viele Besucher vom Angebot im Cambomare, was Alexander Hold (FW) insofern nachvollziehen konnte, als zwar in die Saunalandschaft investiert werde, nicht aber ins gerade für Touristen mit Kindern interessante Bad selbst.

Hohen Bekanntheitsgrad genießen durch die Bank vor allem die St.-Mang-Kirche und -Platz sowie der Rathausplatz. Die Burghalde dagegen kennen zwar 96 Prozent der befragten Kemptener, aber nur 35 Prozent der Touristen, ähnlich wie beim Archäologischen Park Cambodunum (APC), der 95 Prozent der Kemptener ein Begriff ist, aber nur 35 Prozent der Touristen. Unter den Museen ist laut Umfrage die Erasmuskapelle „der absolute Renner in Kempten“ und die Stadtbibliothek mit ihrem ganzen Ambiente „wird rauf- und runtergelobt“, wie Bauer es ausdrückte. 

Etwas dazulernen und sich bilden ist die Hauptmotivation für einen Museumsbesuch. Mit besseren Marketingaktivitäten glaubt Bauer auch die immerhin 40 Prozent Kemptener, 38 Prozent Tagesbesucher und 32 Prozent Touristen, die nicht in Museen gehen, zu einem Besuch bewegen zu können. Gegen das oft gehörte Argument „ich habe keine Zeit“, könnte sich Müller-Horn zum Beispiel „Kurzangebote“ vorstellen und über Lehrerfortbildungen möchte sie mehr Schulklassen erreichen.

Besucherbefragung Museen und Stadtbibliothek

Durchgeführt wurden beide Befragungen durch ein auf Kulturevaluation spezialisiertes Büro aus Karlsruhe.

Museen: Zur Museumslandschaft haben gut 1500 Museumsbesucher ab 14 Jahren im Allgäu- und im Alpin-Museum, im APC und in der Erasmus Kapelle eigenständig Fragebögen ausgefüllt. Die überwiegend aus dem gesamten Bundesgebiet stammenden Besucher – lediglich elf Prozent waren Kemptener und nur sieben Prozent aus dem Ausland – verteilten an die von ihnen besuchten Museen gute Noten, über die Hälfte vergab die Note zwei und 40 Prozent sogar eine Eins. 

Der typische Museumsbesucher – respektive die Museumsbesucherin – ist laut Ergebnis der Fragebögen weiblich (58 Prozent), im Schnitt 48 Jahre alt, gebildet, möchte im Museum vor allem etwas dazu lernen und ist durch einen Tipp von Bekannten oder Verwandten, durchs Internet oder Soziale Medien auf das Museum aufmerksam geworden. Thematisch hat Kempten als Römerstadt die Nase vorn, gefolgt von Allgäuer Themen und den Alpen. Vor allem für das Mobilitätskonzept dürfte interessant sein, dass 79 Prozent mit dem Auto angereist sind und das Parkplatzangebot, abgesehen von den Markttagen, als ausreichend angegeben wurde.

Stadtbibliothek: 989 Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren haben sich an der Fragebogenaktion der Stadtbibliothek beteiligt, mit einem weiblichen Anteil von 75 Prozent. Der sich im Ergebnis spiegelnde hohe Anteil an Berufstätigen und Rentnern „entspricht aber nicht unserer Nutzerstruktur“, verwies Bibliotheksleiterin Andrea Graf auf den real hohen Anteil an unter 14-jährigen Schülern. Die laut Graf rund 8000 aktiven Nutzer wohnen zu über 60 Prozent in Kempten und kommen meist regelmäßig – 35 Prozent einmal pro Woche, 34 Prozent mehrmals wöchentlich – für Ausleihen oder, deutlich weniger, zur Nutzung der Online-Angebote: 68 Prozent der Bibliotheksbesucher machen von den Online-Angeboten keinen Gebrauch. Wichtig ist den meisten (59 Prozent) aber, dass sie sich in eine Leseecke oder einen Ruhebereich zurückziehen können.

Wie bei den Museen, kommen auch hier die meisten Leute (67 Prozent) mit dem Auto, wünschen sich aber sowohl ein besseres Parkplatzangebot als auch eine bessere ÖPNV-Anbindung.

Diskussionsbedarf hatten die Mitglieder des Kulturausschusses nach den Vorträgen erst einmal nicht. Erst wolle man die Zahlen „sacken lassen“.

Christine Tröger

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