Mit "Die Tartuffe Methode" feiert eine weitere Eigenproduktion Premiere im TIK

Verführung, Heuchelei, Frömmelei

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Früher wie heut nie um eine Ausflucht verlegen: Tartuffe wie sein Alter Ego aus der Neuzeit (Michael Miensopust), bloßgestellt durch Elmire oder Assistentin Nadine (Stefanie Kliemkait).

Kempten – Zwei ineinander verwobene Geschichten und schon nach kurzer Zeit wurde klar, dass die Welt vor 350 Jahren zumindest in mancherlei Hinsicht gar nicht so viel anders war als die heutige.

Vergangenen Freitag feierte „Die Tartuffe-Methode“ im ausverkauften TheaterOben mit einem grandiosen Michael Miensopust und der ebenbürtigen Stefanie Kliemkait ihre Uraufführung – und begeisterte. 

Mit dem neuen „Großen Stoff im kleinen Format“ hat das TheaterInKempten (TIK) einmal mehr eine fesselnde Eigenproduktion auf die Bühne gebracht – Stoff zum Schmunzeln und gleichermaßen Nachdenken. Geschickt wurde darin Molières „Tartuffe“ als Vorlage mit der in der Gegenwart spielenden Handlung verwoben. Die Heuchelei, Frömmelei, Verführungskunst und Verführbarkeit aus der Vorlage und natürlich noch viel mehr deren Umsetzung in die Neuzeit erinnert an all die (Skandal-)Geschichten, die heutige Gazetten füllen: Aalglatte Politiker, ausgebuffte Wirtschaftsbosse, süßlich lächelnde Gurus und Konsorten, Reality Shows und Social Media kommen einem in den Sinn. 

 Wechsel der Ebenen 

Die blitzschnellen Wechsel zwischen den Erzählebenen verlangen den Zuschauern einiges an Konzentration ab. Temporeich sind auch die bei zwei Darstellern in zehn Figuren zwangsläufig häufigen, blitzschnellen Rollenwechsel der Akteure, die dem Stück eine eigenwillig-vergnügliche Note verpassen. Zunächst muss Molière aber noch ein bisschen warten, denn statt Tartuffe betritt der schmierig grinsende Erfolgsversprecher und Bestseller-Autor Jean Baptiste Cul (in beiden Rollen Michael Miensopust) die Bühne, um die Zuschauer zu motivieren ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und – sein Buch zu kaufen: „Glauben Sie mir, die ‘Tartuffe-Methode’ wird Ihnen helfen“. Wie der frömmlerische Tartuffe aus Molières Komödie ist auch der moderne Bauernfänger ein scheinheiliger Manipulator und nicht nur moralisch auch ein ziemlich abgehalfterter geiler Bock. Unter dem Deckmantel des Christuskreuzes lässt die „Frommbacke“ im wahrsten Sinne des Wortes die Hosen runter.

 Doppelzüngige Schlange 

Seine Assistentin beziehungsweise Molières Magd Dorine (beides Stefanie Klimkait) darf auch gerne noch einen Blusenknopf mehr öffnen, während sie den Boden auf Knien schrubbt. Entsprechend dem Herrn Tartuffe bei Molière soll der Leiter des Erfolgsseminars den Menschen das geben, was „mein Auto, mein Haus...“ nicht schaffen: Harmonie und Zufriedenheit, einen Sinn des Lebens. An willigen Opfern jedenfalls herrscht in beiden Erzählebenen kein Mangel. Aber auch die Seminar-Assistentin Nadine Maigret entpuppt sich am Ende nicht als Opfer, sondern als doppelzüngige Schlange, die ihrerseits mit der Lebenshilfe „Die Maigret-Methode“ ihren Beitrag für das Seelenheil unters Volk zu bringen versucht. Was es damit auf sich hat ist noch in zwei Vorstellungen am heutigen Mittwoch, 15. Mai, sowie Donnerstag, 16. Mai, zu ergründen.

Christine Tröger

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