Beginenhaus auf Eis gelegt

Gezerre um das Baudenkmal nimmt kein Ende

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Das Gezerre um das Beudenkmal nimmt kein Ende.

Kempten – Einsam hatte Thomas Hartmann (Die Grünen) seinen Antrag „zur zeitnahen Realisierung des Sanierungsprojektes Beginenhaus mit Nonnenturm und Erreichung des Zugänglichkeit des historischen Gebäudes für die Öffentlichkeit“ gestellt.

Mit Siegfried Oberdörfer, Katharina Schrader (beide SPD) und Helmut Hitscherich (UB/ÖDP) hatte er bei der Abstimmung im Haupt- und Finanzausschuss, trotz einiger offen gebliebener Fragen, dann immerhin drei Unterstützer um sich scharen können.

Umso hitziger verlief die Diskussion, die sich im Grunde nicht wesentlich von denen der letzten – sind es schon 20? – Jahre unterschied: zu teuer, kein tragfähiges Nutzungskonzept, kein übriges Geld im Stadtsäckel, aber wieder einmal ganz wichtig: ungeachtet des Verlustes von in Aussicht gestellten Fördergeldern, muss die Fassade des „Schandflecks“ – ganz nach Vorbild Potemkinscher Dörfer –möglichst bald getüncht werden. Selbst eine mögliche Wohnnutzung wurde diskutiert, wozu man das Denkmalamt befragen wolle.

Da half es auch wenig, dass Hartmann auf die weit überregionale historische Bedeutung des Gebäudeensembles sowie mögliche Fördergelder in Höhe von zwei bis drei Millionen Euro hinwies. Sein Vorstoß, das Ensemble in die Hand der Sozialbau zu legen, um „das Projekt wenigstens in Bewegung“ zu bringen, statt den Beginenhausverein Jahr für Jahr zu vertrösten, stieß auf wenig Echo im Gremium. Aus Sicht von OB Thomas Kiechle „eine Idee“, ohne dass sich die Sozialbau bislang näher mit einer Nutzungsmöglichkeit für das Objekt befasst habe. Dabei sei klar, dass für die Sozialbau eine „Refinanzierung“ erforderlich sei. Für ihn jedenfalls sei es nicht vertretbar, die erforderlichen sechs bis sieben Millionen Euro in den Haushalt einzustellen, solange Themen anstünden, „die in Summe für unsere Stadt wichtiger sind“, wie die Stadtbibliothek, die vhs und das Römermuseum. Natürlich könne man den „Schandfleck“ auch nicht weitere zehn Jahre „so stehen lassen“, sondern sollte mit der Sanierung „in kleinen Schritten“ starten. “Wir haben immer 500.000 Euro für so ein Haus“, auch mal eine Million, „aber keine acht Millionen“, sagte Kiechle. Er sei durchaus bereit „mal eine Million zu setzen“, um dann aber auch wieder ein paar Jahre Pause einzulegen; sozusagen einen ersten Schritt zu gehen, „unabhängig von einem Nutzungskonzept“.

"Verhärtete Fronten"

Schrader sah „verhärtete Fronten“ zwischen Verein und Verwaltung, die vielleicht ein externer Moderator aufbrechen könne, während Erwin Hagenmaier (CSU) einflocht, „das Licht am Horizont nie gesehen“ zu haben. Inzwischen sei zwar das zweite und dritte Konzept im Kulturausschuss „für gut befunden worden“, im Haupt- und Finanzausschuss habe aber keines bestehen können. Sozialbau-Chef Herbert Singer verschließe sich zwar keiner Aufgabe, sei aber auch „ein scharfer Rechner“. Hartmann betonte keine Millionenbeträge einstellen zu wollen, sondern lediglich 100.000 Euro in 2019, um sich mit der Sozialbau abzustimmen und dann weiter zu schauen. Das brachte Harald Platz (CSU) auf die Palme, da hier „schon so viel Geld für Planungen ausgegeben“ worden sei.

Christine Tröger

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