"Manchmal ein Vakuum"

Behindertenbeirat wünscht mehr Offenheit für barrierefreies Bauen

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Oft stehen Rolli-Fahrer vor unüberwindbaren Hürden.

Noch einigen Aufholbedarf sah Albrecht Hung, Vorsitzender des Behindertenbeirats, in dessen Sitzung vergangene Woche was die Umsetzung von barrierefreiem Bauen betrifft, wie es im Aktionsplan „Miteinander inklusiv Kempten“ (MiK) festgezurrt worden sei.

Denn da gebe es „manchmal ein Vakuum zwischen dem, was geschrieben steht und was umgesetzt wird“. Als Ausnahme lobte er allerdings das Tiefbauamt, „da klappt alles hervorragend“. Die Barrieren machte er aber vor allem im Kopf der Menschen aus, wie bei vielen nicht kommunalen Bauvorhaben, die noch viel zu selten barrierefrei oder behindertengerecht geplant würden. Beispielsweise werde der Großmarkt in der Memminger Straße aufgegeben und woanders zwar mit Behinderten-Parkplätzen und einem Behinderten-WC neu gebaut, „die Verwaltung aber im Obergeschoss ohne Aufzug“.

"Steiniger Weg"

Als Begründung sei gesagt worden, „da gibt es keine Menschen mit Behinderung“. Wie Hung betonte, „müsste es für uns ein Anspruch sein, einen Maßstab zu setzen“, dass aber auch solche Stellen von beispielsweise Menschen im Rollstuhl besetzt werden können, „sonst bleibt Inklusion wie wir sie wollen außen vor“. Bürgermeister Josef Mayr räumte ein, dass es „schon ein steiniger Weg ist, hier möglichst viele Private mit einzubeziehen“. Gut laufe es seines Erachtens aber bei den Wohnungsbaugesellschaften. Ein Problem sah er darin, dass das Thema bei einem 30 Jahre alten Bauherren einfach „so weit weg ist“ und kein Gedanke daran verschwendet werde, dass man zum Beispiel durch Unfall schnell in solch eine Situation geraten könne. Laut dachte er über die Vergabe von Auszeichnungen nach, eventuell auch an Architekten.

Hung kritisierte dagegen, dass „bei manchen einfach keine Offenheit dafür da ist“, wie man beim Restwasserkraftwerk an der Kaufbeurer Straße sehe, das im Untergeschoss nicht barrierefrei sei, „obwohl es einfach möglich gewesen sei“, wie er meinte. Die Begründung der Architekten sei gewesen, „dass es für uns bei Hochwasser zu gefährlich ist“, schüttelte er verständnislos den Kopf. Für Mayr lag die Lösung im Gespräch mit Architekten und mit Bauherren, um sie für das Thema barrierefreies Bauen zu sensibilisieren. Und auch einige positive Beispiele konnte er aufführen, wie den CAP-Markt in Betzigau oder in der Hotellerie.

Lothar Köster (SPD), Beauftragter des Stadtrates für Senioren, Menschen mit Behinderung und Heime, bedauerte die Sparmaßnahmen beim aktuellen Umbau des Zumsteinhauses zum Stadtmuseum. Die für ein Inklusions-Museum nötigen 200.000 Euro seien vom Stadtrat abgelehnt worden, so dass es nun leider nur ein barrierefreies Museum werde.  Christine Tröger

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