Ein Fest der Begegnungen

Unterschiede treten in den Hintergrund

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Ausgelassene Stimmung herrscht beim Tanzen.

Munter und fröhlich ging es am Samstagabend im Pfarrzentrum von St. Ulrich zu. Einheimische und Migranten aßen, spielten, tanzten und sprachen miteinander.

Beim Begegnungstag der Asylunterstützergruppe „Kempten Ost“ kamen sich Menschen aus vie-len verschiedenen Kulturen näher. 

Es war der erste Begeg-nungstag dieser Art in Kempten. Die Idee dazu hatte der Helferkreis „Kempten-Ost“, der im November 2014 auf Initiative der hiesigen Diakonie und des örtlichen Caritasverbands entstanden war. „Verschiedene Kulturen sollen miteinander ins Gespräch kommen und ihre Nachbarn kennenlernen“, sagte Mitorganisator Christian Wilhelm vom Pfarrgemeinderat St. Ulrich über das Ziel des Begegnungstags. Mit Nachbarn meinte er die Flüchtlinge aus den Unterkünften in der Kaufbeurer Straße, der Reinhartser Straße, dem Siedlerweg und dem Rübezahlweg. 

Dieses Kennenlernen lief auch über den Magen. Gäste brachten Speisen aus verschiedenen Ländern für das Buffet mit. So gab es als Spezialitäten aus Eritrea Injira, eine Art Pfannkuchen aus Weizenmehl, Lentinis, einen Brei aus Tomaten, Zwie-beln und Paprikas, sowie Zigini, ein scharfes Gericht mit Fleisch, Eiern, roten Paprikas und Toma-ten. Syrien war durch Taboulé, einen Salat aus Bulgur, Petersilie, Tomaten und Zitronen, sowie durch Huhn mit Reis vertreten. Als Köstlichkeiten aus Sri Lanka konnten die Besucher Fischrollen und Vada, frittierte Snacks mit Linsen, genießen. 

Fröhliche Gespräche 

„Es schmeckt alles wunderbar – teilweise scharf, teilweise mild, mit viel Gemüse, etwas Huhn, etwas Fisch. Auch optisch ist es sehr ansprechend“, meinte Sibylle Fischer. An den Tischen kamen die rund 60 Gäste dann beim Essen tatsächlich ins Plaudern. Es wurde viel und laut gelacht, keiner hatte Berührungsängste. 

Als Ausgleich zur körperlichen Stärkung war Bewegung angesagt. Kinder und Erwachsene ließen Luftballons umherfliegen. Sie warfen sie sich zu und zeigten damit ihre Fuß- und Kopfballkünste. Junge Männer aus Afrika spielten mit- und gegeneinander Kicker. Die Partie verlief ziemlich hitzig, aber alle blieben letztlich friedlich. 

Beim gemeinsamen Tanzen erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt. Ausgelassen und unbekümmert bewegten sich die Feiernden zu orientalischen und afrikanischen Rhythmen. Immer wieder reichten sie einander die Hände. Die Unterschiede zwischen den Kulturen spielten überhaupt keine Rolle mehr. 

Die Gäste konnten verschiedene Musikinstrumente wie Keyboard, Triangel, Bongos, Djembé, Cajon und Tröte ausprobieren. Das erfreute sich besonders bei den Kindern großer Beliebtheit. 

Nebenher gab es Informationen. Martin Haertle vom Verein „Rolli-Mobil“, einer Selbsthilfe-gruppe von Menschen mit Behinderung, hatte einen Stand zum Thema Inklusion. „Behinderte Menschen werden genau wie Flüchtlinge oft noch ausgeschlossen“, erklärte Haertle. „Es wird schon viel getan, aber es ist noch nicht genug.“ Dies gelte zum Beispiel für den Be-reich Schule. Haertle wünschte sich hierbei mehr Inklusionsklassen. 

Anke Heinroth von der Diakonie Kempten informierte an ihrem Stand unter anderem über den vielfältigen ehrenamtlichen Einsatz für Flüchtlinge. 

"Wieder glücklich" 

Bei den Asylsuchenden kam der Begegnungstag gut an. „Ich habe hier schon neue Freunde getroffen. Am besten gefällt mir, dass die Leute sehr höflich sind und es keine Unterschiede gibt“, erzählte Asad Raza Rana aus Pakistan. Er lebe seit einem Monat in Deutsch-land. „Das ist der beste Ort, an dem ich je gewesen bin“, sagte der 18-Jährige über seine neue Heimat. „Die Leute sind so gut zu mir.“ Über Libyen und Italien sei er nach Deutschland ge-kommen. „In Libyen wohnte ich mehrere Jahre. Meine Mutter, all meine Geschwister und eine Schwägerin starben dort bei einem Autounfall.“ Doch mittlerweile sei er trotz dieses schweren Schicksalsschlags wieder glücklich.  Franziska Kampfrath

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