Deftiges Derblecken

Nur wenig Lokalkolorit

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Ivan Sterk alias „Müllmann Ivan“ war heuer in Dietmannsried fürs Derblecken zuständig. Damit ihm bei seiner rund vierzigminütigem Festrede die Kehle nicht austrocknete, gab´s hin und wieder einen Schluck Bockbier.

Dietmannsried – Kurz vor dem Finale der Fastenzeit hatten die Dietmannsrieder Ortsverbände und der Kreisverband der CSU am Wochenende in die Dietmannsrieder Festhalle zum traditionellen CSU-Bockbierfest geladen.

Viele waren dem Ruf gefolgt, so auch der Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, Thomas Kreuzer. Er begnügte sich allerdings damit, den dunklen Gerstensaft zu genießen und überließ das Wort dem eigens aus Berlin angereisten Staatssekretär Dr. Gerd Müller. Das Derblecken übernahm heuer erstmals der „Müllmann Ivan“. Für den musikalischen Rahmen an diesem Abend sorgte die Musikkapelle Dietmannsried. 

Schon bei der Eröffnung des Abends warf das bevorstehende Wahljahr seine Schatten voraus, als sich die drei Allgäuer Listenkandidaten für Bezirk, Land und Bund – Renate Deniffel, Eric Beißwenger und Dr. Christian Schwarz – kurz vorstellten. Ebenfalls kurz und bündig, dabei aber völlig unpolitisch hielt Bürgermeister Hans-Peter Koch seine Begrüßungsworte. „Es nützt gar nichts, wenn wir jetzt Wahlreden halten, nach ein paar Bockbier wissen sie eh nicht mehr, wer der Kandidat ist“, flachste das Gemeindeoberhaupt. Gerd Müller kommentierte den Kurzauftritt des in diesem Jahr nach 24 Jahren aus Altersgründen scheidenden Rathauschefs: „Hans-Peter macht`s kurz. Der hat das Maßband nämlich schon am Hosenband. Thomas Kreuzer, ich halte es für nicht fair, dass man die 65+-Generation nicht mehr kandidieren lässt!“ 

Danach widmete er sich aktuellen Themen wie der von der CSU abgelehnten Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften, Pferdefleischskandal, Breitbandausbau, Betreuungsgeld, Mütterrente und Euro-Krise, zu der er kalauerte: „Das Thema stabile Finanzen ist ein ganz zentraler Punkt. Und da können sie den Schwarzen mehr trauen, als allen anderen. Denn: Schwarze schreiben schwarze Zahlen, Rote schreiben rote Zahlen!“

 Berliner Realität

 Kritik gab es an der Verschleuderung von Steuergeldern aus dem Länderfinanzausgleich. „Jetzt richten die mit unserem Geld auch noch Unisex-Toiletten ein für diejenigen, die nicht wissen, ob sie beim Männlein oder Weiblein reingehen sollen. Das ist kein Witz, das ist Berliner Realität“, so Müller. Das letzte Wort hatte Ivan Sterk alias „Müllmann Ivan“, der mit oranger Latzhose und roter Mülltonne heuer erstmals die Fastenrede hielt. Lokale oder regionale Themen blieben dabei leider völlig außen vor. 

Dafür nahmen bissige Kommentare zu den Kostümen der Politprominenz beim Veitshöchheimer Fasching Anfang Februar viel Raum ein. Politische Gegner wie auch Parteigenossen bekamen bei einem Rundumschlag ihr Fett weg. So wurde SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück zum „König der Fettkübel“, Horst Seehofer zur „politischen Denise Biellmann. Der vollführt 180-Grad-Wendungen so schnell, das daraus 360 Grad und mehr werden. Sauschnell, kein Schwein kommt dabei mit.“ In Berlin sei Gerd Müllers Eingreifen gefragt. „Lieber Gerd Müller, wie hältst du es in einer Stadt mit dem schönen Klaus nur aus? Du hast doch eine kaufmännische Ausbildung, gib doch dem Kläuschen Nachhilfe“, so die Forderung. „Wenn du es schaffst, ihm beizubringen, dass Geld nicht auf Bäumen wächst, bist du der erste Kandidat für das Bundesverdienstkreuz an sämtlichen nur möglichen Bändern.“ Am Schluss des mit mehr Schmunzeln als Lachern quittierten Vortrags von Ivan Sterk stand der – angesichts des tiefschwarzen Publikums sicher auf fruchtbaren Boden fallende – Aufruf: „Lasst die schwarzen Herzen kräftig schlagen und macht alles richtig in Bund und Land! Wählt schwarz und erzählt euren Freunden den Bibelspruch: `Gehet hin und tuet desgleichen´! Angela, Horst, Gerd, Thomas und der gütige Vater im Himmel werden es euch lohnen.“ Sabine Stodal

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