Beim Tanz fing alles an

Vor 60 Jahren gaben sich Johann und Elfriede Kraus das "Jawort"

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Zur Diamantenen Hochzeit gratulierte dem Jubelpaar Elfriede und Johann Kraus neben Bürgermeisterin Sibylle Knott (li.) auch Tochter Angelika.

Kempten – Dem Jubelpaar überbrachte Bürgermeisterin Sibylle Knott die Glückwünsche der Stadt Kempten. Sie hatte zudem einen prächtigen Blumenstrauß und einen guten Tropfen für das Ehepaar dabei.

Schließlich sei das 60-jährige Ehejubiläum ein besonderer Grund, um darauf – nach den Feierlichkeiten – in trauter Zweisamkeit noch einmal gebührend anzustoßen.

Beim Blick in den regenschweren Himmel erinnert sich Elfriede Kraus an ihren Hochzeitstag vor 60 Jahren. Damals hatte es ordentlich geschneit und war eisig kalt. Bis es so weit war, dass sie und ihr Mann in Sankt Anton vor den Altar traten, haben die beiden manch flotte Sohle aufs Parkett gelegt. Kennen gelernt haben sich die beiden nämlich beim Tanzen in Kempten.

Und dorthin, ins „Stachus“, das es längst nicht mehr gibt, war es für Johann Kraus ein weiter Weg. Er kam bei Wind und Wetter aus Marktoberdorf nach Kempten. Mal zu Fuß, mal mit dem Fahrrad, später mit dem Motorrad. Schließlich „war in Marktoberdorf tote Hose“. Er ließ nicht locker, bis seine Angebetete endlich ja sagte. Elfriede Kraus schmunzelt. „Bei mir war es Liebe auf den zweiten Blick, denn ich wollte mich eigentlich nicht binden, wollte meine Freiheit“.

Die Eheleute erzählen, dass sie während der Zeit des Werbens viel und gerne beieinander waren und die Begeisterung fürs Bergwandern und später auch fürs Reisen miteinander teilten. Nach zwei Jahren gemeinsamer Wanderschaft gab’s in Sankt Anton bei klirrender Kälte dann den kirchlichen Segen für den Bund der Liebe. Das junge Glück zog in die erste gemeinsame Wohnung, gerade mal zehn Quadratmeter groß. Enge war Johann Kraus, der 1928 in Karlshuld bei Neuburg geboren wurde, gewohnt. Er wuchs dort mit 20 Geschwistern auf und war schon als Siebenjähriger als Hütebub zu einem Bauern geschickt worden. Als junger Mann erlernte er den Beruf des Huf- und Wagenschmieds und verdiente seinen Lebensunterhalt später bei der Firma Fendt in Marktoberdorf, bevor er nach der Heirat zur selben Firma nach Kempten wechselte. Bis zu seiner Verrentung 1993 war Kraus noch bei der Bundeswehr beschäftigt.

Elfriede Kraus‘ Vater ist im Krieg gefallen, als sie vier Jahre alt war. Doch ihre Mutter hat später noch einmal geheiratet. „Einen ganz lieben Mann“, den die Jubilarin sehr mochte. Drei Brüder hat sie, mit denen sie eine schöne Kindheit verbrachte und noch heute eng verbunden ist. Die 82-jährige Kemptenerin war „mit Leib und Seele“ gelernte Metzgerei-Verkäuferin. Bis zu ihrem Eintritt in den wohlverdienten Ruhestand 1994 war sie 22 Jahre lang in der Metzgerei Kleiber in Kempten beschäftigt.

Im März 1965 kam Tochter Angelika zur Welt. Der stolze Vater strahlt seine Tochter an. Obwohl er zunächst kein Kind haben wollte, „war Angelika von Anfang an mein ein und alles“. 1972 zog die kleine Familie dann in die Robert-Weixler-Straße, wo das Jubelpaar noch heute wohnt.

Am großen Tisch im gemütlich eingerichteten Esszimmer führen die Eheleute mit ihrer Tochter, dem Schwiegersohn und den beiden Enkeln gerne leidenschaftliche Gespräche. Eine andere große Leidenschaft hegt der Jubilar bis heute: die Liebe zu Motorrädern und Autos. Motorrad fährt er schon lange nicht mehr. Aber einen großen Traum hat sich der leidenschaftliche Autofahrer vor sieben Jahren noch erfüllt: er legte sich einen Sportwagen zu, und den fährt der 90-Jährige noch heute.

Die jugendlich wirkenden Eheleute hatten und haben für eine so lange Zeit des Miteinanders eine feste Devise: Man muss immer miteinander reden, damit auch das Versöhnen funktioniert.

Susanne Duschek

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