Weder allmächtig noch allgegenwärtig, im Unterschied zum Menschen aber – unsterblich

Götter für den Alltag

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Der jugendliche Apollon, Anführer der Museen.

Kempten – „Den Göttern und mir wird’s gefallen“, meinte OB Thomas Kiechle beeindruckt von der Ausstellung „Beim Zeus! Geschichten von Göttern und Helden, Griechenland – Rom - Cambodunum“, die Mitte dieser Woche der Presse schon vorab vorgestellt wurde. Es ist die erste Kooperation der Kemptener Museen mit den Staatlichen Antikensammlungen und der Glyptothek München und, laut Kiechle, die erste „Ausstellung dieses Formats im Allgäu“ und – die erste Sonderausstellung in der dafür „hervorragend geeigneten Räumlichkeit“ der ehemaligen Alpenländischen Galerie.

Angedacht war das Museumsprojekt schon seit langer Zeit und für die dahinterstehende Triebfeder Dr. Gerhard Weber, Kulturamtsleiter i.R., wurde es schließlich vor zwei Jahren endlich auch greifbar. Trotz Ruhestand ist er natürlich mit von der Partie bei diesem Aufgebot an Gottheiten der Griechen und Römer: 110 „erstklassige Objekte“ aus München, worauf der Leitende Sammlungsdirektor der dortigen Kooperationspartner, Dr. Florian Knauß, explizit hinwies, die durch 20 bis 25 römische Funde aus Kempten ergänzt werden. Letztere zeigen am Beispiel der Römerstadt Cambodunum die Offenheit der Griechen und, wie in diesem Fall, ebenso der Römer, die diese für Gottheiten aus fremden Regionen hatten und sie einfach in ihren Kosmos integrierten. So auch die alteingesessenen keltischen Gottheiten unserer Region. Eine Besonderheit bei der Religion der Griechen sah Knauß darin, dass sie „von Dichtern, nicht von Philosophen“ begründet worden sei. „Die inhaltliche Beziehung zu Kempten ist mit Händen zu greifen“, meinte der Experte aus München, der sich eine Fortsetzung dieser erstmaligen Kooperation gut vorstellen kann. Die am heutigen Samstag startende Ausstellung beschäftige sich im Wesentlichen mit Götterbildern, die, im Gegensatz zu den Etruskern und Römern, fast alle Griechen gehabt hätten. Erst als die Römer in „intensiven Kontakt mit den Griechen“ gekommen seien, sei auch bei ihnen das Bedürfnis entstanden, „ihren Göttern Gestalt zu geben“, wie es zuvor schon die Etrusker getan hätten. Nicht die Schrift habe die große Rolle gespielt, sondern die Macht und der Einfluss der Götter im Alltag der Menschen. Von diesen Gottheiten habe es so viele gegeben, dass schon die antiken Autoren eingeräumt hätten, nicht alle zu kennen. Diese uns fremde Religion „kann man in der Ausstellung ganz lebendig erfahren“, versprach Knauß.

Kemptens Museumsleiterin Dr. Christine Müller-Horn bekräftigte, dass ihr die Vermittlungsebene von Anfang an sehr wichtig gewesen sei und, vor allem, „dass die Vermittlung auch Spaß macht“. Umgesetzt wurde das Anliegen unter anderem beim Aktivpfad für Besucher ab acht Jahren, für den zusammen mit Alexandra Konda, Projektkoordinatorin, und Doris Hefner, Produktion Aktivpfad, Riech-, Hör- und Fühlstationen eingerichtet wurden. „Leo“, der sich schon in zwei Publikationen zur Kemptener Geschichte mit seiner Zeitmaschine auf den Weg gemacht hatte, bekommt hier neben seiner visuellen Präsenz (gezeichnet von Roger Mayrock) eine Stimme, um per Audioguide auch junge Besucher intensiver in die antike Götterwelt eintauchen zu lassen. Es ist die erste große Ausstellung für Müller-Horn als Museumsleiterin in Kempten und, wie sie betonte, wolle sie hier zeigen, „welchen Standard ich auch zukünftig umsetzen möchte“. Großen Respekt zollte Kulturamtsleiter Martin Fink seinem Amtsvorgänger für dieses Projekt, das auch sein Archäologenherz sichtlich höher schlagen lässt.

Beim Rundgang durch die Ausstellung fasziniert schon allein das Betrachten der filigranen Exponate: antike Vasen, Steinplastiken, Weihgaben aus Ton, Schmuckstücke... Viel spannender aber wird es, wenn es dazu Hintergrundinformationen gibt. Zum Beispiel, dass die Griechen „sehr körperbetont waren“ und Götter immer nackt dargestellt wurden – Göttinnen interessanterweise aber bedeckt! – eben „wie ein idealer Menschenkörper“, erklärte die Kuratorin Griechenland und Rom der Münchner Leihgeber, Dr. Astrid Fendt, zu den Abbildungen auf Vasen & Co. Viele interessante Informationen liefert aber auch die umfangreiche Begleitbroschüre zur Ausstellung.

Geöffnet ist „Beim Zeus! Geschichten von Göttern und Helden“, Griechenland – Rom – Cambodunum“ beginnend am heutigen Samstag bis 13. November 2016, dienstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr, im Alpin-Museum, Landwehrstraße 4. Infos zum vielfältigen Rahmenprogramm unter www.museen-kempten.de.

Christine Tröger

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