Die Belastungen steigen

Die Empfänger des Staatlichen Ehrenzeichens in Gold und Silber zwischen Stadtbrandrat Andreas Hofer (links) und OB Dr. Ulrich Netzer (rechts): Klaus Freymann (v.l., Gold), Daniel Skarke (Silber) und Peter Weber (Gold). Fotos: Spielberg

Ist es wirklich nötig, bei ein bisschen ausgelaufenem Öl nach Autounfällen zu erscheinen und dieses mit drei Schaufeln Löschsand zuzuschaufeln, übergelaufene Toiletten instand zu setzen oder bei einem Feueralarm in einer Firma gleich in ganzer Batallionsstärke anzurücken, nur um dann feststellen zu müssen, dass man durch mangelnde Wartung der Brandschutzanlage einem Fehlalarm aufgesessen ist? Diesen und anderen Fragen widmete sich am vergangenen Freitagabend Brandstadtrat Andreas Huber vor „versammelter Mannnschaft” und geladenen Gästen der Polizei, der Notärzte und dem Stadtrat bei der Mitgliederversammlung der Feuerwehr Kempten.

Wurden zu dieser Gelegenheit in der Vergangenheit die Feuerwehrleute und Gäste durch musikalische Klänge des Spielmannszuges der Wehr willkommen geheißen, so blieb es heuer zu Beginn der Veranstaltung ungewohnt still. Kein Klangspiel war zu vernehmen und Andreas Hofer kam gleich zu Beginn seiner Rede auf die Ursache zu sprechen: Er wies auf die personelle Ausdünnung des Spielmannzuges hin und räumte ein, dass hier genau wie im aktiven und passiven Dienst die Zeiten eines Überangebotes an geeigneten Bewerbern wohl vorbei seien. Zu wenige Kandidaten hätten sich in der Vergangenheit gefunden, um einen vernünftigen Spielbetrieb der Kapelle auf die Beine zu stellen, und so hätte man sich im Zuge dieser Entwicklung zu einem Neuanfang durchgerungen. „Marching Band” heißt das Zauberwort, und in Person des musikalischen Leiters Florian Aicher wurde den Versammelten mittels eines kleinen Vortrags und Videoclips erläutert, wohin die „Reise musikalisch geht”. Die Auftritte des Spielmannzuges werden zukünftig „amerikanischer” werden, das heißt die musikalische Besetzung, die Marschformationen und das Repertoire werden sich der heutigen Zeit und Standards anpassen. Gelegenheiten für solche Auftritte gibt es im Laufe eines Jahres genug, wie Andreas Hofer deutlich machte. Äußerst erfolgreich bewertete er den Auftritt der Freiwilligen Feuerwehr am Aktionstag im Oktober des letzten Jahres und verwies ebenso wie OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) auf die Bedeutung solcher Events für die Neu-Rekrutierung von Freiwilligen. In diesem Zusammenhang stellte Hofer aber auch klar, dass durch die massive Anhäufung von öffentlichen Ereignissen wie Festwoche und Stadtfest oder Veranstaltungen in der bigBOX und dem Theater, die Freiwilllige Feuerwehr in Punkto Sicherheitswachen personell an ihre Grenzen stößt. Waren es zu früheren Zeiten einige außergewöhnliche Ereignisse im Laufe eines Jahres, die die Anwesenheit der Feuerwehr erforderten, so sind es heuer fast jedes Wochenende irgendwelche Veranstaltungen, die eine Wache notwendig machen. Für manchen Ausrichter sei es in diesem Zusammenhang halt günstiger, die 112 zu verständigen, als selbst für einen Sicherheitsdienst aufzukommen. Wehrler werden fit gemacht Allerdings hatte Hofer am Freitagabend auch einige positive Aspekte aus dem vergangenen Jahr zu vermelden: Vier hochmoderne, neue Löschfahrzeuge werden den bestehenden Fuhrpark der Feuerwehr Kempten ergänzen. Die Einrichtung einer Laufsportgruppe im Rahmen der „Fit for Fire fighting”-Bewegung durch den Feuerwehrarzt und Stadtrat Dr. Dominik Spitzer erweise sich zunehmend als Erfolg, um die allgemeine körperliche Verfassung der ehrenamtlichen Feuerwehr-Rekruten zu verbessern und auch die Präsentation des neuen Logos einer damit einhergehenden Imagekampagne befindet sich nun auf der Zielgeraden. Die Verantwortlichen erhoffen sich dadurch eine höhere Wahrnehmung und Wertschätzung der Leistungen einer lokalen Feuerwehr durch die Öffentlichkeit, in deren Verantwortungsbereich eben doch mehr fällt, als reine Brandbekämpfung und Hilfeleistungen bei Verkehrsunfällen. Von diesen Anlässen zum Ausrücken der diversen Züge gab es auch im Jahr 2011 genug: Insgesamt konnte er an diesem Abend eine Einsatzzahl von 718 mit einer Einsatzzeit von rund 17 000 Stunden für den Zeitraum 2011 bekannt geben. Das entspricht einer Steigerung von 88 Prozent bei den geleisteten Stundenzahlen und knüpft an die Problematik der bereits erwähnten personellen Überbeanspruchung der etwa 440 freiwilligen Helfer an. Auch im Bereich der Sicherheitswachen kam es zu einer höheren Beanspruchung des Personals – und zwar um rund 32 Prozent. Hier tun sich für die nahe Zukunft noch zu lösende Aufgabenfelder für alle Beteiligten auf. Im Ganzen aber zeigte sich Stadtbrandrat Andreas Hofer zufrieden mit der Zusammenarbeit zwischen seinen Kameraden in Aktion und den lokalpolitischen Amtsträgern, die er in Person von Stadtdirektor Wolfgang Klaus und dem zuständigen Amtsleiter Stephan Rudolph am Freitagabend im Kornhaus ausdrücklich dankend hervorhob. Auch das Bürgermeisteramt habe für die vorgebrachten Probleme stets ein Ohr, wenn natürlich nicht immer gleich eine sofortige Lösung parat, lobte der Stadtbrandrat. Verschiedene Auszeichnungen Ganz der Feuerwehr-Tradition geschuldet, kam es schließlich zum Ende der Veranstaltung zur Ehrung der vollen Dienstjubiläen und Auszeichnung der Träger von Ehrenspange und staatlichen Ehrenzeichen in Silber und Gold (siehe Infokasten). Bevor zumindest der offizielle Teil der Mitgliederversammlung sein Ende fand, ließ es sich OB Dr. Ulrich Netzer nicht nehmen, jedem einzelnen der Kemptener Brandbekämpfer für seinen Einsatz zu danken und hob vor allem ihren vorbildhaften „Dienst am Nächsten” hervor.

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