"Ich mache alles, wozu es keine Weihe braucht"

Benedikt Wildegger absolviert ein FSJ bei der Pfarreiengemeinschaft Kempten-West

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FSJler Benedikt Wildegger

Kempten – „Ich bin hier in der Pfarrei so etwas wie ein universell einsetzbares Schweizer Taschenmesser“, beschreibt Benedikt Wildegger seine vielfältigen Aufgaben in der Pfarreiengemeinschaft Kempten-West mit trockenem Humor.

Der 20-Jährige absolviert seit 1. September bis zum 31. August 2020 ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Pastoral und macht während dieser Zeit überall mit, „wozu es keine Weihe braucht“, so der Abiturient. 

Erstmals bietet die Diözese Augsburg diese Form eines FSJ an – der junge Kemptener ist einer von insgesamt Dreien und der Erste im Dekanat Kempten, der dieses Angebot nutzt. „Die Idee für ein solches FSJ kam aus der Gruppe der Gemeindereferenten heraus, um jungen Menschen dieses Feld zu eröffnen“, berichtet die Ausbildungsleiterin für Gemeindereferenten/-innen, Heidelinde Hentschke vom Fachbereich Personalgewinnung und Ausbildung im Bistum Augsburg. „Wir machen sehr gute Erfahrungen und bieten das FSJ in der Pastoral auch in diesem Jahr wieder an“, fährt sie fort. Wichtig sei zu wissen, dass die Pfarreien dabei keinerlei Kosten und keinen administrativen Aufwand haben. Lediglich eine qualifizierte Anleitung durch einen pastoralen Mitarbeiter müsse für die jungen Menschen im Alter zwischen 16 und 27 Jahren garantiert sein. Vor dem Abitur, das er an der Kemptener Fachoberschule nach der 13. Klasse ablegte, wusste Benedikt Wildegger nicht so recht, was er danach machen wollte.

 „Über meine Heimatpfarrei habe ich von der neuen Möglichkeit des FSJs in der Pastoral erfahren und mich für die Stelle in der PG Kempten West beworben“, erinnert sich der Kemptener. „Ich wusste, dass mir das taugt“, sagt der FSJ‘ler. Der junge Mann engagiert sich schon seit vielen Jahren in der Pfarrei St. Lorenz und leitet dort eine eigene Ministranten-Gruppe. „Kirche hat bei vielen jungen Menschen kein gutes Image“, weiß er auch aus seinem Umfeld. Doch seine Familie unterstützt ihn voll bei seiner Entscheidung. Nach dem Treffen mit dem leitenden Pfarrer der PG-West, Rupert Ebbers, und der Gemeindereferentin Monika Schiller klappte es mit seiner Bewerbung. Seit September sind die beiden auch seine Ansprechpartner während des FSJs.„Hier in der Pfarrei mache ich alles, was anfällt. Dem Hausmeister helfe ich acht Stunden wöchentlich. Ich unterstütze die Jugendarbeit, habe die Sternsinger begleitet, einen Workshop und Teile des Wortgottesdienstes beim Begegnungstag aller Generationen mitgestaltet. Die Kindergärten der Pfarreiengemeinschaft unterstütze ich, wann immer Personalmangel herrscht“, zählt er einige seiner Tätigkeiten auf. 

„Ein FSJ in der Pastoral ist für jeden etwas, der bereit ist Initiative zu zeigen. Dann kann man aus dem Jahr etwas mitnehmen“, stellt Wildegger klar, der in seiner Freizeit gern liest oder in den Bergen unterwegs ist zum Skifahren, Mountainbiken und Wandern. Ein Thema liegt Benedikt Wildegger seit einiger Zeit besonders am Herzen: „Ich möchte den Blickwinkel der Ministranten gegenüber armen Menschen weiten und schauen, wie wir helfen können!“ Das soll mit einem Projekt der Pfarrei St. Hedwig und der Caritaseinrichtung der „Tafel“ geschehen. Gespräche mit der zuständigen Koordinatorin, Ursula Böck, habe es bereits gegeben. Er würde sich freuen, wenn daraus eine dauerhafte Kooperation entstünde, meint er weiter. Für ihn persönlich haben die letzten Monate mehr Klarheit darüber gebracht, wie es in Zukunft weitergehen soll. Viele, sehr fruchtbare Gespräche mit seinen Ansprechpartnern in der Pfarrei haben ihm dabei weitergeholfen. „Ich würde gern Theologie und Journalistik studieren“, erzählt der junge Mann.

Sabine Verspohl-Nitsche

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