"Rares und etablierte Schlachtrösser"

Benjamin Schmid über "Wandlung und neue Vielfalt" beim Classix-Festival

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Neuer künstlerischer Leiter des Kammermusikfestivals Classix ist Benjamin Schmid.

Kempten – Das Kammermusikfestival Classix, das am 22. September wieder startet, hat ein neues Gesicht bekommen – das zeigt sich in der thematischen Ausrichtung und in der Person des neuen künstlerischen Leiters Benjamin Schmid, ein international

erfolgreicher Geiger aus Österreich und Preisträger verschiedener renommierter Auszeichnungen.

Benjamin Schmid hat mit dem Classix-Programm ein klares Ziel vor Augen. „Das Kemptener Publikum soll beides bekommen: Die großen, etablierten Schlachtrösser, aber auch Unbekanntes und Rares.“ Mit dem diesjährigen Motto „Wandlung und neue Vielfalt“ sei die Marschrichtung schon früh vorgegeben gewesen. „Wandlung im Sinne von Spartenöffnung“, verspricht Schmid, er sei selbst ein „verkappter Jazzer“. Schmid kennt das Kemptener Publikum von zahlreichen Auftritten als Solist und Kammermusiker, kann also gut einschätzen, was die Kemptener wollen, was Anklang finden könnte. Mittlerweile steht er seit gut 30 Jahren auf der Bühne, ist gut vernetzt und kann diesen Zugang zu großen Musikern für das Festivalprogramm wunderbar nutzen.

Dabei seien ihm große Freiheiten eingeräumt worden, sagt er über die Zusammenarbeit mit der Organisation. Dr. Franz Tröger vom Freundeskreis Classix-Konzerte sei für ihn schon immer einer der innovativsten Konzertveranstalter gewesen. Schmid hat sich für den Auswahlprozess der sieben Konzerte Zeit gelassen und hat sich sorgfältig an Kriterien orientiert, mit denen er sich selbst gut auskennt, „damit ich für die Auswahl bürgen kann.“ Ziel sei gewesen, nur allerbeste Musik auszuwählen, über die man qualitativ nicht streiten könne oder müsse. Schmids umfangreiche Bühnenerfahrung hat ihn zu einem weiteren Kriterium geführt, das im Alltagsgeschäft sicher oft unberücksichtigt bleibt: „Das Zusammenwürfeln von Musikern ist nicht der Idealfall. Ich habe deshalb mehr auf stehende Produktionen, feste Formationen gesetzt.“ Beide Varianten haben ihre Faszination, sagt er, aber aus Sicht eines Musikers gäbe es ganz klar einen Vorteil, das Repertoire einer Saison nicht zu groß werden zu lassen, sondern sich in die Stücke stärker zu vertiefen. 

Eröffnet wird das Festival mit einem „sehr etablierten Projekt, das mit Max Bruchs Streichoktett ein ungewöhnliches, „sehr erfrischendes“ Werk zeigt. Mit dem zweiten Konzert, Schmid im Duo mit seinem Meisterschüler Ziyu He, habe sich Schmid einen Traum verwirklicht. „Das Publikum kann hier ein Supertalent bestaunen.“ Auch zum dritten Konzert, Curtis on Tour, hat Schmid eine ganz besondere Verbindung: Er hat selbst am renommierten Curtis Institute of Music studiert – ebenso wie prominente Abgänger wie Komponist Leonard Bernstein oder Pianist Lang Lang. Nach bekannten Stücken im ersten, spielen die Musiker im zweiten Teil des Konzerts Werke von Ned Rorem. „Das ist zeitgenössische amerikanische Musik, die sehr zugänglich ist, dabei aber über moderne Tonsprache verfügt.“ 

„Mit unserem Superstar Klaus Maria Brandauer wird es einen schönen Mozartabend geben“, verspricht Schmid. Die Schauspielikone schaffe gemeinsam mit einem Pianisten die Verbindung zwischen Literatur und Musik. Die „Anfänge einer großen Karriere“ können beim fünften Konzert beobachtet werden, so Schmid. Der US-Amerikaner Joshua Brown, gerade einmal 20 Jahre alt, hat in diesem Jahr den Leopold-Mozart-Violinwettbewerb Augsburg gewonnen – wie Schmid im Jahr 1991. Schmid zeigt sich begeistert: Joshua Brown kann alles auf der Geige.“ „Das ist sicher der verrückteste Programmpunkt“, so beschreibt Schmid das Konzert des Janoska Ensemble. 

„Das sind vier Männer, miteinander verwandt, die etwas spielen, das sich zwischen Klassik und Salonmusik ansiedelt. Ein ganz neuer Zugang zur klassischen Musik, der sehr vergnüglich anzuhören ist.“ Schmid habe „sehr viel Respekt“ vor dieser Art der Musikbearbeitung: „Das ist eine ganz neue Art von Kunst.“ Das siebte Konzert zum Abschluss des Festival empfiehlt Schmid für geübte Musikliebhaber. „Das sind große Stücke in ungewöhnlichem Gewand.“ Der Abend verspreche „einen starken Wien-Touch“, da alle Musiker in der Wiener Szene gewirkt haben oder noch wirken. Schmid ist überzeugt, mit diesen sieben Konzerten eine Auswahl zusammengestellt zu haben, die Breitenwirkung habe, und das Publikum gleichzeitig nicht unterfordere. Das detaillierte Festivalprogramm und Informationen zum Vorverkauf gibt es hier: www. classix-kempten.de


Martina Ahr

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