Einkaufen, Kaffeetrinken, Hoigarte

Dorfladen der Bürgergenossenschaft Frauenzell eröffnet

+
Bei der feierlichen Eröffnung des Dorfladens herrschte reger Andrang.

Altusried-Frauenzell – Frauenzell ist kleiner Ortsteil von Altusried, gut 12 Kilometer westlich der Hauptgemeinde. Wenn die 800 Einwohner ihre Einkäufe erledigen wollten, konnten – oder vielmehr mussten – sie dafür bislang nach Leutkirch, Isny oder eben Altusried fahren. Dies ist nun anders.

Anfang Oktober hat mitten im Dorf der von der Bürgergenossenschaft Frauenzell neu gebaute Dorfladen eröffnet. Der kleine Vollsortimenter bietet alles, was man für das tägliche Leben braucht und noch mehr: Mit seinem kleinen gemütlichen Gastraum hat er das Zeug, zum Treffpunkt für die Dorfbevölkerung zu werden. Am Samstag wurde das Geschäft feierlich eröffnet.

Den Frauenzellern ging es so, wie vielen Menschen in ähnlichen Dörfern: Im Ort selbst gab es keine Einkaufsmöglichkeit mehr, außer der Bäckerei, die in ihrem kleinen Laden außer Brot das Nötigste zum Verkauf anbot. Als der Eigentümer und Betreiber Ende 2016 ankündigte, den Laden schließen zu wollen, da er die Fläche für die Erweiterung der Backstube benötigt, sahen einige Frauenzeller ein Problem. „Wir haben viele ältere Menschen hier im Dorf. Wo sollen die denn nun einkaufen gehen?“, fragten sich manche besorgt.

 Anstatt die Dinge einfach hinzunehmen, nahmen die Frauenzeller ihre Geschicke einmal mehr selbst in die Hand. Bereits im Jahr 2014 hatten sie eine Bürgergenossenschaft (BG) gegründet, um mit unglaublichem Engagement die zuvor zwei Jahre leerstehende Dorfwirtschaft zu renovieren und wieder in Betrieb zu nehmen. Mit großem Erfolg. Dem Pächterehepaar Szkrawan und seiner guten Küche sei Dank, zieht die „Traube“ heute Gäste auch aus weiterer Entfernung an und ist ein beliebter Treffpunkt für die Einheimischen.

Die Bürgergenossenschaft war es auch, die sich jetzt des Projekts „Dorfladen“ annahm. Ideengeber und treibende Kraft war dabei Wolfgang Krug, damals noch Gemeinderatsmitglied und Vorsitzender der Bürgergenossenschaft. Mit viel Elan und Einsatz überzeugte er auch den Rest der Vorstandschaft von der Idee, selbst einen Dorfladen zu bauen (er selbst erklärte sich bereit, als Pächter des Dorfladens zu fungieren und legte seine offiziellen Ämter deshalb nieder). „Nachdem verschiedene Standortoptionen geprüft worden waren, kristallisierte sich heraus, dass ein Neubau im Hof der Dorfwirtschaft die einzige finanzierbare Möglichkeit wäre“, erklärt Werner Plein, der 2. Vorsitzende der Bürgergenossenschaft. 

Die Kosten für das Projekt: 250.000 Euro. „Glücklicherweise erhielten wir großartige Unterstützung von der Marktgemeinde Altusried, die sich bereit erklärte, 400 Anteile à 500 Euro zu kaufen, sofern die Bevölkerung selbst weitere 100 Anteile tragen würde. Wir sind dann buchstäblich von Haus zu Haus gegangen und haben mit den Leuten gesprochen. Die 100 Anteile hatten wir dann wirklich schnell beisammen“, freut sich Plein. Das sei keineswegs selbstverständlich – schließlich hätten sich viele ja bereits an der Dorfwirtschaft beteiligt.

Was dann folgte, war eine Phase der intensiven Vorplanung und der aufwändigen „und teils nervenaufreibenden“ rechtlichen und verwalterischen Organisation, ehe die Bauarbeiten beginnen konnten. „Beim Bau selbst haben wir so viel Eigenleistung eingebracht, wie nur möglich“, sagt BG-Vorstandsmitglied Anton Maier „und auch die lokalen Firmen haben uns sehr unterstützt“. Insgesamt packten 38 ehrenamtliche Helfer mehr als 630 Stunden mit an, um unter der fachkundigen Leitung von Ignaz Küber den Neubau mit 120 Quadratmetern Ladenfläche entstehen zu lassen. Nach fünf Monaten Bauzeit war es Anfang Oktober so weit: Die Ladentüren öffneten sich erstmals. 

„Das Sortiment umfasst alles, was man so braucht, darunter auch regionale Produkte“, betont Maier. „Frisches Brot und Backwaren von der örtlichen Bäckerei, Honig und Käse aus dem Ort, frisches Fleisch und Wurst, Obst und Gemüse, eine Bio-Ecke, Drogerieartikel, Milchprodukte, Getränke und und und. Dabei war uns wichtig, sowohl höherpreisige Waren anzubieten, als auch günstige, sodass jeder etwas findet.“ An den Laden angeschlossen ist ein gemütlicher Gastraum. „Hier kann man sich zum Frühstücken oder nachmittags zu Kaffee und Kuchen treffen“, so Maier weiter. Sieben Mitarbeiterinnen wurden eingestellt, darunter alle, die vorher bei der Bäckerei gearbeitet hatten. „Die freundlichen Damen machen einem auch gerne ein paar Weißwürste warm oder belegen Semmeln ganz nach Wunsch.“

Am vergangenen Samstag wurde der Dorfladen nun offiziell feierlich eingeweiht und von Pfarrer Anton Zech gesegnet. Der 1. Vorstand der Bürgergenossenschaft, Rainer Brei, lobte in seinem Grußwort das große Engagement aller Beteiligten und zeigte sich optimistisch: „Wir haben mit Wolfgang Krug sogleich einen Pächter gefunden, der dieses Schmuckkästchen sehr erfolgreich betreiben wird.“ Bürgermeister Joachim Konrad ergänzte: „Frauenzell hat jetzt einen der schönsten Dorfläden, die es im Allgäu gibt. 

Hier gibt es nicht nur ein tolles Warenangebot, sondern das Geschäft ist zudem ein Treffpunkt für Jung und Alt, hier tauscht man sich aus, hier trifft man sich zum Hoigarte – das stärkt das Gemeinschaftsgefühl ganz enorm.“ Zudem biete die in der Nähe entstehende Center-Parcs-Anlage eine große Chance. „Dort wird es nur eine austauschbare Systemgastronomie geben und sehr begrenzte Einkaufsmöglichkeiten. Aber die Gäste suchen das Echte, das Originale“, daher werde sicher so mancher hierher kommen, um regional einzukaufen und zu essen. „Wir werden immer wieder Aktionen machen, um in aller Munde zu bleiben“, sagt Anton Maier „und zudem immer im Dialog mit der Bevölkerung und den Pächtern sein, damit alles gut läuft.“

Sabine Stodal

Auch interessant

Meistgelesen

Video
So finden Sie das richtige Parkett für Ihr Zuhause
So finden Sie das richtige Parkett für Ihr Zuhause
Allgäuerin macht sich stark für die Benachteiligten von Nicaragua bis Sri Lanka
Allgäuerin macht sich stark für die Benachteiligten von Nicaragua bis Sri Lanka
Verwirrung um 30er-Beschilderung
Verwirrung um 30er-Beschilderung
Autofahrer können Parkscheine ab sofort auch mit dem Handy lösen
Autofahrer können Parkscheine ab sofort auch mit dem Handy lösen

Kommentare